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Abgerissen, gerettet, ergänzt

Gute Architektur überdauert ihre Zeit, lässt sich anpassen und erweitern

Manche Häuser erinnern an alte Filme, ferne Länder und vergangene Zeiten. Mit seinem Flachdach... mehr

Manche Häuser erinnern an alte Filme, ferne Länder und vergangene Zeiten. Mit seinem Flachdach und dem verbauten Naturstein könnte dieses Haus auch in Los Angeles stehen, neben den Case Study Houses von Richard Neutra oder Charles und Ray Eames. Tatsächlich liegt es vor den Toren Wiens und wurde in den 1960er-Jahren vom Wiener Architekten Otto Gruber entworfen. Ein Schmuckstück mit den damals beliebten Bruchsteinwänden und seiner bungalowartigen Kubatur. Das mit der Sanierung beauftragte Büro Backraum Architektur konnte auf den zwar nicht mehr ganz zeitgemäßen, doch soliden Entwurf aufbauen. Ein Teil des Bestands wurde abgerissen, was stehen blieb thermisch saniert und durch einen Zubau ergänzt.

Der industriell anmutende Flachdachbau fügt sich in die Natur und lässt sie zu einem Bestandteil werden. Sichtbar wird dies etwa auf der mit einer Pergola aus Stahl überspannten Terrasse, die von einem angrenzenden Blasenbaum beschattet wird. Die Konstruktion des Gebäudes aus Stein, Stahl und Holz lässt im Innenraum großzügige Freiflächen entstehen. „Wir wollten die ursprüngliche Idee des Bungalows erhalten und haben dafür das statisch Machbare ausgereizt“, so Architekt Andreas Etzelstorfer. Erhalten blieben neben der Kubatur auch die Natursteinmauern aus Waldviertler Granulit, mit dem auch der Kamin umgeben ist. Nach wie vor kann er von innen und außen befeuert werden. Zu den Ockertönen des Natursteins fügt sich die Holzfassade aus Lärchenholz. Mit Eisensalzen benässt, wurde hier der natürliche Alterungsprozess beschleunigt und ein grau-brauner Farbton hervorgerufen.

Innen überrascht die helle Oberflächengestaltung mit unterschiedlichen Materialien. Sichtestrich, der an Terrazzo erinnert, unterstreicht die Offenheit des Wohnraums. Mit Nut-und-Feder-Brettern aus Fichtenholz vertäfelte Wände und das Brettsperrholz der Decken passen sich dem natürlichen Farb- und Materialkonzept an. Holzweichfaserplatten dämmen das Haus, das über eine Luftwärmepumpe beheizt wird. Zumeist bodentiefe Verglasungen lassen viel Tageslicht in die Räume. Durch die Hanglage wirkt das Haus eingeschossig, nimmt im Untergeschoss aber neben Garage und Werkstatt vor allem die Erschließung auf. Ein Oberlicht verbessert den Tageslichteintrag im Eingangsbereich, der sich weit unter einer Auskragung zurückzieht. Dieser Vorbau, der als Carport dient, hat vor allem einen ästhetischen Grund. Fügt er doch dem gesamten Haus eine Symmetrie hinzu, die es insgesamt ausgewogen und harmonisch erscheinen lässt.

www.backraum.at

Fotos:

Christoph Panzer
www.christophpanzer.com

(Erschienen in CUBE Wien 02|22)