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Vom Wald zum Bauwerk

Ein Rohstoff, der über sich hinaus wächst

Globale Erwärmung, Klimawandel, Klimaschutz – diese Themen gehen uns alle an. In diesem... mehr

Globale Erwärmung, Klimawandel, Klimaschutz – diese Themen gehen uns alle an. In diesem Zusammenhang spielt ein verantwortungsvoller, nachhaltiger und zugleich energie- und kohlenstoffeffizienter Umgang mit Rohstoffen und Produkten im Bauwesen eine entscheidende Rolle. Der konsequent verstärkte Einsatz von Holz erhöht die positive Energie- und Kohlenstoffbilanz deutlich. Zum einen auf ihrem Weg vom Wald über die Produktherstellung und Nutzung, zum anderen über die Möglichkeiten des energetischen Recyclings. Dabei ist der konstruktive und gestalterische Variantenreichtum beim Bauen nahezu unerschöpflich, ob Modernisierung, privater Neubau oder städtebauliche Nachverdichtung durch Aufstocken im öffentlichen Bau oder im urbanen Umfeld. Wenn Holzprodukte am Ende ihrer Lebensdauer energetisch verwertet werden, können sie sogar mehr Energie liefern, als zur Herstellung verbraucht wurde. Die Verwendung von Tropenholz hingegen, insbesondere aus Urwaldbeständen, ist nicht nachhaltig.

Allein in Deutschland wird durch die Verwendung von Holzprodukten die Atmosphäre jedes Jahr um mehr als 120 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid entlastet. Aufgrund von Aufforstung und geringerem Verbrauch nimmt gegenwärtig die Waldfläche in Europa wieder zu. Allein im Alpenraum wächst jede Sekunde ein Kubikmeter Holz nach, was täglich für ca. 788.400 Häuser reichen würde. Allerdings werden in Deutschland nur 15 Prozent aller Neubauten mit Holz ausgestattet, in Österreich sind es schon 35 Prozent, in Skandinavien sogar 50 Prozent und in den USA bereits 80 Prozent. Holz in der tragenden Konstruktion erzielt dabei den größten Klimaschutzeffekt.

Funktional und ästhetisch ist das ressourcenschonende Kreislaufprodukt ein Multitalent. In der Schichtholzbauweise lassen sich beispielsweise hoch wärmedämmende Gebäudehüllen mit geringen Wandstärken realisieren. Das Material weist bei niedrigem Eigengewicht eine hohe Zug- und Druckfestigkeit auf. Unbehandelt erzeugt es ein angenehmes Raumklima und besitzt gute Wärmedämm- und Wärmespeichereigenschaften. Bauholz sollte jedoch unbedingt trocken sein, denn frisch geschnittenes Holz in Dachkonstruktionen oder als Träger ist ein idealer Nährboden für Schimmelpilz. In der Regel muss trockenes Holz nicht chemisch behandelt werden und entwickelt auch weniger Risse. Selbst in bautechnischen Belangen wie Schall- und Brandschutz gewährleistet dieser Rohstoff Sicherheit. Er hat einen hohen natürlichen Feuerwiderstand, brennt berechenbar und zeigt kein Spontanversagen. Zudem hat Holz einen hohen Vorfertigungsgrad und ermöglicht daher kurze Realisierungszeiten, was für die Modulbauweise, aber auch den Vorteil für erdbebensicheres Bauen bietet. Beim modernen Ingenieurholzbau geht es in erster Linie darum, ein Gebäude so zu bauen, dass es Erdbeben abfangen kann, ohne dabei einzustürzen. Der Schwerpunkt bildet vor allem die exakte Planung der Verbindungsmittel und der Duktilität (Eigenschaft, sich unter Belastung zu verformen). Holzbauweisen sind deshalb für das Bauen in Erdbebenregionen geradezu prädestiniert.

Auch in der Höhe scheint es mit Holz keine Grenzen mehr zu geben. Auf rund 4.000 m² Grundstücksfläche soll bis 2018 in Wien ein 84 Meter hohes Wohnhaus in Hybridbauweise entstehen. Hoho, wie es getauft wurde, ist das weltweit erste Holzhochhaus mit 24 Stockwerken. Meist werden einzelne Raumelemente oder auch ganze Module im Werk vorgefertigt und auf der Baustelle montiert. Dank innovativer Holztechnik wird der Holzbauanteil ab dem Erdgeschoss bei rund 75 Prozent liegen. Mit Holz mehr als 80 Meter hoch zu bauen, ist eine Herausforderung. Architektonisch besticht das Hoho mit einer höhengestaffelten Silhouette und einer Fassadentextur, die an Baumrinde erinnert. Im Inneren sorgen sichtbare Holzoberflächen für ein spürbares Holzerlebnis. Geht es noch höher? Aber ja! Die Planungen des Architekturbüros Perkins + Will’s sehen vor, in Chicago einen 80-stöckigen Holzturm zu errichten, der am Ende fast 280 Meter hoch wäre.

Gerade diese Beispiele zeigen, dass die Zukunft unserer Städte, aufgrund der Klimaveränderungen deutlich mehr Holzbauweisen vertragen könnten. Das Bauen in die Höhe und die städtebauliche Nachverdichtung wären gute Vorreiter neuen verantwortlichen Denkens und Handelns.