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Privacy

Arbeiten als Kultur der Diskretion und des Wohlfühlens

Für Kafka war das Büro ein Albtraum – er nannte es eine physische Manifestation einer... mehr

Für Kafka war das Büro ein Albtraum – er nannte es eine physische Manifestation einer lebenszerstörenden Bürokratie. Einen Hauptgrund sah er in der tristen Ausgestaltung der Bürogebäude nach oftmals strikt hierarchischen Modellen. So beginnt gekürzt die Einleitung der vor zwei Jahren verfassten Seminararbeit „Gibt es ein Bedürfnis nach Privatheit am Arbeitsplatz in Zeiten digitaler Nomaden und radikaler Transparenz?“ Eindeutig JA und wenn man der Vielzahl an Studien und wissenschaftlichen Untersuchungen glauben darf, hat sich die Bedeutung eines „stillen“ Arbeitsumfeldes mit den gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen weiter potenziert.

Doch, was hat Privatheit im Arbeitsumfeld überhaupt zu suchen und warum stellt sich gerade jetzt die Frage? Zunächst gilt festzuhalten, dass es sich hierbei nicht nur um das Recht des Alleinseins handelt, wie es Louis D. Brandeis einst beschrieb. Heute und insbesondere in unserer Arbeitsumgebung bedeutet Privacy weitaus mehr: Es geht vor allem um das Recht auf informelle Selbstbestimmung verbunden mit dem Interesse an akustischer, visueller und territorialer Abgeschiedenheit. Kein leichtes Unterfangen in der seit Jahren geprägten Kultur der „Open Spaces“. Hierbei springt der Arbeitende nicht selten zwischen sich zeigen und dem Wunsch, von Zeit zu Zeit der Reizüberflutung entfliehen zu wollen. Das tägliche Grundrauschen der Arbeitsumgebung hat nicht zuletzt einen großen Einfluss darauf, welche Produktivität die Mitarbeiter aufweisen. Das bestätigt eine von David Rock, Gründer der NeuroLeadership Group kürzlich durchgeführten Studie. Darin beleuchtete er den Aspekt, wo Menschen glauben, am besten nachdenken zu können. Nur zehn Prozent der Befragten gaben an, dass ihr Arbeitsplatz der ideale Ort dafür wäre. „Wir gewähren uns keine Erholung, arbeiten bis zur Erschöpfung und sind ständig von Technologien umgeben, die eine extreme Ablenkungsquelle für uns darstellen. Wir brauchen verschiedene Möglichkeiten, um uns zum konzentrierten Arbeiten zurückzuziehen“, resümiert Rock die Ergebnisse seiner Studie. „Das ist in der Arbeitswelt eine große Herausforderung, denn an den Arbeitsplätzen gibt es kaum Möglichkeiten, ein Telefonat oder eine Unterhaltung ungestört zu führen“, ergänzt Chris Congdon, Director Research Communication bei Steelcase. Das Unternehmen veranlasste hierzu die weltweit größte Untersuchung zum Thema „Zufriedenheit und Motivation am Arbeitsplatz“ und befragte über 10.500 Arbeitnehmer. Die Ergebnisse führten zutage, dass es für 85 Prozent unmöglich ist, sich während der Arbeit leicht zu konzentrieren, entspannt und gelassen zu sein oder innerhalb des Büros Wahlmöglichkeiten für konzentriertes Arbeiten oder Rückzug zu finden. Dieser Aspekt ist auch den Unternehmen nicht entfallen und sie stellen nun zu Recht ihre mitunter wenig durchdachten Großraumpläne infrage. Daraus resultieren neue Überlegungen, wie denn die optimale Arbeitsumgebung nach heutigen Erkenntnissen aussehen muss. Es genügt nicht, Nischenlounges oder kleine Telefonzellen in die Between-Bereiche zu integrieren, sondern es ist notwendig, wirklich vielfältige Räumlichkeiten zum Abschließen, Verstecken, Ruhen, aber auch konzentriertem Arbeiten zu schaffen.

An der Lösung dieser Diskrepanzen versuchen sich bereits einige Büromöbelhersteller wie etwa das Unternehmen designfunktion. Ihr Planungsansatz liegt in der Schaffung des Ökosystems eines Multispaces – einer Bandbreite an räumlichen Optionen aus Einzel- und Doppelbüros mit variablen Rückzugsmöglichkeiten. „Für uns ergibt sich aus eigenen Untersuchungen heraus die Konsequenz, das Thema Rückzugsräume stärker in den Fokus zu rücken. Damit ist zum einen die visuelle und akustische Abschottung und zum anderen die Abgrenzung zur Erholung gemeint“, erklärt Samir Ayoub, geschäftsführender Gesellschafter von designfunktion. Ergänzend fügt Ralf Peter Knobloch, kreativer Kopf des international tätigen Büros Plan2Plus design hinzu: „Für die wirkliche Entfaltung eines persönlichen Cocoonings sind für mich zudem die Kriterien Musik, Olfaktorik, Licht und Interior Design essenziell. Mit einer gezielten Sinnesansprache assoziiere ich damit verbundene Erlebnisse. Eine außergewöhnlich designte, unique Umgebung mit durchdachten Details sowie ausgesuchten Materialien von angenehmer Haptik verstärken das Gefühl des Wohlfühlens.“

Privatsphäre bedeutet jedoch nicht immer nur vier Wände und eine Tür. Man kann auch durchaus mit multifunktionalem Akustikmobiliar, schaltbarem Glas oder Ruhekapseln für Privatsphäre sorgen. Das hängt einfach davon ab, welche räumlichen Gegebenheiten vorherrschen.

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