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Neue Heimat Büro

Die starke Wirkung einer gut gestalteten Arbeitsumgebung

Überblickt man einmal die Zeitspanne, in der erstmals von einer neuen Arbeitsbewegung und den... mehr

Überblickt man einmal die Zeitspanne, in der erstmals von einer neuen Arbeitsbewegung und den damit einhergehenden Veränderungen in der Büro- und Arbeitswelt die Rede war, dann müsste der 40-jährigen New Work-Entwicklung eine schlechte Note ausgestellt werden. Schon damals verdeutlichte der Philosoph Prof. Dr. Frithjof Bergmann mit der These „New Work New Culture“ die Notwendigkeit, dass das Arbeiten als „Job-System“ keine Zukunft mehr besitzt und dass es stattdessen einer neuen Arbeitskultur bedarf. Damit gilt er bis heute als der Begründer des neuen Arbeitens und setzte dies Anfang der 1980er-Jahre mit der Gründung des „Center for New Work“ in Michigan in die Praxis um. Allerdings erkannten die meisten Unternehmen zu diesem Zeitpunkt nicht, welch disruptiver Ruck zum Unvermeidlichen führen würde. Es sollte noch eine ganze Zeit dauern, bis digitale Anwendungen und Entwicklungen mobiler Geräte das Zeitalter flexiblen Arbeitens einläuten. Gleichwohl offenbarte sich der wahre Umbruch mit der Corona-Pandemie, denn remotes Arbeiten mit digitalen Tools war plötzlich ohne Alternative. Die Vorteile, die sich daraus ergaben, etablierten die Gedankenwelt einer neuen Wirksamkeit unabhängiger Tätigkeiten. Dieser Wandel ist gekommen um zu bleiben und mit ihm die Anforderung, die Bedürfnisse der Mitarbeitenden ernst zu nehmen und in die Unternehmenskultur einfließen zu lassen. In der Theorie scheint dies vielerorts bewusst, was beispielsweise mit der Etablierung des Home Office, digitaler Hardware und innovativer Lernprogramme oder in aufgabenbezogene Multispaces mündete. An dieser Stelle lässt sich daher feststellen, dass der Aufbruch zu einem folgenreichen Umbruch für alle führte. Doch gehen die Angebote mit den Bedürfnissen neuen Arbeitens heute inzwischen konform? Die Fragestellung ist eine ganz individuelle und birgt eine gewisse Unsicherheit, mit welchen Maßnahmen die optimale Arbeitswelt denn umzusetzen wäre. Hier beginnt nun ein Prozess des (miteinander) Lernens, des sich Öffnens.

Eine zu bedenkende Komponente des „Circle of New Work“ bezieht sich auf die Büroraumgestaltung. In der vor elf Jahren gestarteten Studienreihe „New Work Order“ untersuchte der Industrieverband Büro und Arbeitswelt (iba) gemeinsam mit der Zukunftsforscherin für Arbeitskultur, Birgit Gebhardt, in der vierten Ausgabe die Macht des Raumes. Eine Herausforderung sehen sie in der Synchronisation von Präsenz und Raumgefühl, die zu steigenden Anforderungen an die Arbeitsplatzausstattung führt. In der Konsequenz soll das Büro im Sinne einer Servicezentrale agieren und Angebote für das Arbeiten in Präsenz sowie hybrider Kollaboration schaffen. Einerseits in Form von Kommunikationsräumen und andererseits als physische Begegnungsstätte. Das wäre per se nicht neu, doch die Art des Verständnisses in Bezug auf die Studie schon. Darin lautet künftig die Frage: Treffen wir uns zum Lunch oder gleich in der kreativen Lernlandschaft oder am Monitor bzw. im Metaverse, vielleicht treffen wir uns aber auch im mobilen Office in ruhiger Natur? Demnach verliert das Büro mehrheitlich seine mal angedachte funktionale Aufgabe und avanciert zu einem Raum vielfältiger Möglichkeiten mit der Option ihn zu nutzen oder eben nicht.

Gleichzeitig wird hypothetisch angeregt, das Büro als Erfahrungsraum zu begreifen. Will heißen, dass die Vielfältigkeit des Raumangebots die Nutzer:innen sensorisch wie medientechnisch anregen soll. Es geht also weniger um standardisierte Arbeitsplätze, die in einer uniformen Flächenstruktur angeordnet sind. Vielmehr werden interaktionsfördernde Aufgabenzonen forciert, die abseits bisheriger Schreibtisch-Bildschirm-Konstellationen liegen und obendrein den neuen Office-Spirit mit Anspruch auf Architektur und wohnlicher Innenausstattung verschönern. In diesem Zusammenhang lässt sich beobachten, dass in den Firmenzentralen zunehmend eine Teilfläche für bühnenhafte Inszenierungen vorgesehen ist, um in Präsenz beispielsweise neue Produkte vorzustellen oder Fortbildungen abzuhalten und zugleich mit raumbildender Medientechnik, in Kollaboration mit externem Publikum, zu interagieren.

Ein Blick in die hiesigen Büros zeigt, dass sich der Abstand zwischen Anforderungen, Bedürfnissen und Realität verkleinert, aber manche Unternehmen für die Umsetzung einer optimalen Arbeitsumgebung deutlich mehr Expertise in Anspruch nehmen sollten.

(Erschienen in CUBE 03|23)