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Massenexperiment Homeoffice

Ein Virus veränderte ad hoc unsere Arbeitswelten

Das Coronavirus schaffte, was bisher noch keinem Virus seit dem 2. Weltkrieg gelang. Beinahe... mehr

Das Coronavirus schaffte, was bisher noch keinem Virus seit dem 2. Weltkrieg gelang. Beinahe jedes Land geriet in einen Ausnahmezustand und folgte einem sogenannten partiellen Shutdown. Um eine halbwegs gesicherte Fortführung des Geschäftsbetriebs beizubehalten, verlagerte sich das Arbeiten in eilig und zumeist provisorisch eingerichtete Heimarbeitsplätze. Hardware bekam irgendwo seine Daseinsberechtigung, ohne jedoch im gesamtheitlichen Sinne auf Umgebung geschweige denn Ästhetik zu achten.

Vier Monate nach Bekanntwerden der Pandemie lässt sich resümierend feststellen, dass die daraus resultierenden Konsequenzen von uns allen in vielerlei Hinsicht Großes abverlangt. Als gravierend zeigten sich vor allem Ängste um die Existenz, menschliche Isolation oder das Arbeiten in den eigenen vier Wänden, während zur gleichen Zeit Kinder und Partner ebenfalls ihren Platz beanspruchten. Der ungewollte und mit Lichtgeschwindigkeit vollzogene Wechsel in das Homeoffice warf viele Fragen auf, aber besonders jene, ob nicht auch zukünftig mehr von Zuhause gearbeitet werden kann und wie die gestalterischen und technischen Komponenten das Optimum von Wollen und Können erfüllen. Das Unternehmen Siemens vollzieht gerade einen solchen Wechsel und beordert 140.000 Mitarbeiter längerfristig für zwei bis drei Tage pro Woche in das Homeoffice. Um diesen Gedanken ebenso auf andere Unternehmen auszuspielen, müssen die Voraussetzungen für eine Kultur geschaffen werden, die das Homeoffice nicht nur duldet, sondern als ein fest verankertes Arbeitsmodell etabliert. Denn eines scheint sicher, die Arbeitswelt wird kaum mehr vergangenen Regularien folgen.

Die technische Ausstattung sowie eine konsequente Eigendisziplin sind jedoch nur eine Seite eines gut funktionierenden Homeoffices. Eine im Minimum ebenbürtige Rolle übernimmt der gestalterische Aspekt. Insbesondere, wenn mehrere Personen die Wohnfläche nutzen. Oft fehlen ein professionell eingerichteter Schreibtisch, ein passender Stuhl, Stauraumflächen und ein Ablagesystem. Mehrheitlich spielt sich das Wirken auf der Couch, am Küchentisch oder im Bett ab. Zumindest, wenn es nach den Studienergebnissen der Arbeitsplatzspezialisten WKspace geht, die im „Leitfaden für den Arbeitsplatz nach COVID-19“ im Mai dieses Jahres vom amerikanischen Büromöbelhersteller Steelcase veröffentlicht wurden. Demnach verfügt ungefähr jeder zweite Angestellte im Homeoffice nicht über einen geeigneten Arbeitsplatz. Das wäre jedoch nur einer der Gründe, die für das Abflachen des Hypes um das Homeoffice ausgemacht werden könnte. Im Weiteren ergänzt die soziale Abgrenzung und das fehlende Arbeitsplatzdesign die Liste der Abkehr. Für Letzteres könnten Möbel mit multifunktionalem Charakter die Lösung sein. Will heißen, das Interieur dient einer Balance von Arbeiten und Wohnen gleichermaßen. Hierbei erweisen sich weiche Stoffbezüge mit haptischer Textur sowie runde und fließende Formen als adäquates Hilfsmittel für eine weniger streng wirkende Umgebung. Denkbar wäre ebenso ein Küchentisch, der sich als höhenverstellbare Variante genauso zum Arbeiten eignet. Für kleine Räume dienen aufklappbare Regalflächen oder verschiedene Sekretärvarianten gleichem Zweck. Überdies gilt der Raumstruktur ein wesentlicher Handlungsschwerpunkt, also einer klaren Trennung von Arbeits- und Privatleben, um den häufigen Ablenkungen vorzubeugen. Hier erweist es sich als hilfreich, zonierte Abgrenzungen in Form von Raumteilern zu schaffen. Die Aufgabe erfüllen etwa Pflanzen, Regale, Paravents oder kleinere Schränke. Wenn diese dann noch über akustische Eigenschaften verfügen, beruhigt das auch die hörbaren Störungen.

Nach den meisten Prognosen wird es langfristig auf ein Hybridmodell hinauslaufen, welches auf einer Kombination aus physischer Präsenz im Unternehmen und Arbeiten im Homeoffice basiert. Auswirkungen auf den Markt der Büroimmobilien hat das schon jetzt. Der zuletzt stark wachsende Flächenumsatz bei Büroflächen erfährt aktuell die Konsequenzen der veränderten Arbeitsstrukturen. Gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum des ersten Halbjahres ging die Marktaktivität der Top 7 Städte um 33 Prozent zurück. Dennoch blickt die Branche optimistisch in die Zukunft. Wohl auch, weil bereits an neuen Arbeitsflächen-Modellen gearbeitet wird.

(Erschienen im CUBE Magazin 03|20)

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