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Keine Standardlösung

Die innerstädtische Nachverdichtung erfordert neue lebenswerte Wohnformen

Ideen, Ideen, Ideen: Die sind gefragt, wenn es darum geht, in unseren Städten mehr Wohnraum zu... mehr

Ideen, Ideen, Ideen: Die sind gefragt, wenn es darum geht, in unseren Städten mehr Wohnraum zu schaffen. Auf freien Grundstücken zu planen, kann jeder, aber so richtig interessant wird es erst, wenn es kniffelig wird. Das heißt, wenn Bauvorschriften einschränken, wenn Grundstücke sich eigentlich nicht zum Bebauen eignen oder wenn Aufstockungen und Anbauten verdichten sollen. Dabei geht es nicht nur immer generell darum, das Leben auf kleinerer Fläche populär zu machen, sondern auch viel Platz auf wenig oder ungewöhnlicher Fläche zu bieten. Gerade nach Tokio, dort, wo die Grundstücke klein und der Platz kostbar ist, schauen wir gerne hin, wenn wir nach innovativen Lösungen und ausgeklügelten Strategien für das Wohnen in Innenstädten suchen. Doch auch bei uns ist viel in Bewegung, ob Baulückenschluss, Ausbauten, Aufstockungen, Nachverdichtung – unsere Wohnformen sind im Wandel.

Dass selbst Einfamilienhäuser noch geeignet sind, den städtischen Kontext zu verdichten, bestätigt der Kölner Architekt Markus Ewen mit seinem Hinterhaus, welches aufgrund eines Strukturwandels in einem innerstädtischen Wohnblock in Köln-Sülz entstanden ist. Solange geforderte Abstandsflächen zu den benachbarten Gebäuden eingehalten werden, können die Häuser in „zweiter Reihe“ vor allem damit punkten: Ruhige Lage und doch mitten in der Stadt. 

Wenn es um das Umbauen, Sanieren und Nachverdichten von denkmalgeschützten Häusern geht, ist viel Fingerspitzengefühl und insbesondere die frühe Beteiligung von Behörden, Ämtern und Nachbarn notwendig. Der St. Pöltner Architekt Andreas Aichberger hat sich darauf spezialisiert. So zu sehen am Jugenstilhaus in Wien, das behutsam aufgestockt sowie mit neuen Balkonen und Terrassen im engen Innenhof aufgewertet wurde. Das Ergebnis: Bessere Lichtverhältnisse, höhere Lebensqualität. Ein anderes Beispiel ist ein Haus aus der Gründerzeit, das zunächst nicht für eine Aufstockung geeignet schien. Doch weit gefehlt. Das Wiener Architekturbüro Josef Weichenberger Architects + Partner hat auf ebendiesen Bautyp einen dreigeschossigen Neubau gesetzt. Geforderte Rücksprünge und Beschränkungen in der Kubatur wurden durch die versetzte Stapelung der Ebenen erreicht und berücksichtigen zugleich die historischen Baufluchten. Umfangreiche Dachgeschossausbauten und Wohnungsumbauten realisierte auch das Büro TM Architekten in der Wiener Neustiftsgasse. Doch das eigentliche Highlight des Gründerzeithauses befindet sich im Innenhof: Ein rund 25 m hoher Park- und Skulpturengarten. Und damit nicht genug. Vor der selbsttragenden Konstruktion hängt ein licht- und luftdurchlässiges Modulsystem aus Stahl mit variablen Flächen, die den Bewohnern nahezu unbegrenzte Gestaltungsmöglichkeiten für Grünflächen oder Skulpturen geben.

In innerstädtischen Blockrandbebauungen können Baulücken auftauchen, an die Häuser mit Fensterflächen angrenzen und somit eine Schließung der Bebauung unmöglich machen. Doch unter Berücksichtigung des nötigen Abstands zum Nachbar können auch auf solch besonderen Grundstücken schmale Raumwunder entstehen. In einer traditionellen Innenstadtzeile in Bad Cannstatt errichtete das Büro AMP Architekten ein Stadthaus, dessen Lochfassade aus tanzenden Fenstern einen willkommenen zeitgenössischen Kontrast zur Nachbarbebauung bildet. Die Rückseite ist entsprechend transparent gestaltet und schafft somit lichtdurchflutete Wohnräume mit großzügigen Terrassen.

Deutlich mehr Fläche standen dem Architekturbüro Gerner Gerner Plus in Wien zur Verfügung. Der stadtbekannte Wolfshof, der einen geschlossenen Häuserblock mit zehn Gebäuden umfasst, wurde umfangreich saniert und modernisiert. Herzstück des Wolfshofs ist der neue Innenhof, der als lebendige Mitte für die Bewohner und Nachbarschaft eine zusätzliche Aufenthaltsqualität bietet. Die Voraussetzung dafür schafft eine bunte Mischung aus Flächen zum Verweilen, Hochbeeten, einem Naschgarten, Orten zum Zurückziehen und Begegnungszonen.

Obwohl Stimmen wieder lauter werden, die das Leben auf dem Land propagieren, so gehört die nahe Zukunft doch den Städten. Mutige und kluge Sonderlösungen sind daher mehr denn je gefragt. Stadtentwicklung und innerstädtische Nachverdichtung bieten viel Potenzial und können über die Gestaltung hinaus Identifikation sowie einen Beitrag für ein dauerhaftes lebenswertes Umfeld schaffen.

Fotos:
Manfred Seidl
Sebastian Schubert
Koy+Winkel
Erika Mayer
Roland Halbe
Gerner Gerner Plus | Matthias Raiger

(Erschienen in CUBE 01|20)

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