Architektur in Übergreifend
Kategorie
Themen
Interior in Übergreifend
Themen
Kategorie
Garten in Übergreifend
Themen
Kategorie
Spezial in Übergreifend
Kategorie

Ein Interview mit Richard Meier

Über das Geheimnis weißer Architektur, Deutschland und warum er in einem alten Landhaus lebt

CUBE: Mr. Meier, in der internationalen Architekturszene gelten Sie als der “weiße Architekt”.... mehr

CUBE: Mr. Meier, in der internationalen Architekturszene gelten Sie als der “weiße Architekt”. Warum entwerfen Sie Ihre Gebäude in dieser Farbe, die ja eigentlich gar keine Farbe ist?

R. MEIER: Weiß ist keine Farbe – und es ist alle Farben. Weiß reflektiert das ganze Farbspektrum des Regenbogens. Es erlaubt Ihnen alle Farben zu schätzen, die um Sie herum sind, zu jeder Zeit. Architektur ist vom Menschen gemacht und Natur ist um uns herum. Eine weiße Architektur reflektiert die Farben in der Natur.


CUBE: Im Arp Museum in Rolandseck hängt ein Bild einer Künstlerin mit dem Titel “Die 35 Weiß‘ von Richard Meier“ – welche Idee steckt hinter Ihren verschiedenen Nuancen des Weiß?

R. MEIER: Es gibt nicht nur ein Weiß. Im Arp Museum könnten sogar 135 Nuancen des Weiß gezeigt werden. Die Weißtöne, die ich nutze, sind anders als die, die andere Architekten bevorzugen. Während meines Lebens habe ich viele Studien zu den Unterschieden in den Nuancen des Weiß gemacht. Bis heute habe ich für jedes Projekt einen bestimmten Weißton vor Augen. Ich muss die Töne im Laufe der Zeit aber auch immer wieder verändern, weil sich die Vorschriften ändern bei der Verwendung von Chemikalien.


CUBE: Neben der Farbe – was sind die anderen Elemente, die eine gute Archi-tektur ausmachen?

R. MEIER: Architektur ist die Erschaffung von Raum – Raum, in dem Sie sich bewegen, den Sie nutzen und in dem Sie wohnen, den Sie wahrnehmen. Licht bringt Leben in diese Räume. Ohne das Licht können Sie den Raum nicht verstehen. Und dann ist da natürlich noch die Struktur – man kann an kein Gebäude denken, ohne zu reflektieren, wie es konstruiert ist, was es aufrecht erhält und was es überdauert über die Zeit.


CUBE: Ihre Räume und auch Fassaden wirken immer sehr vielschichtig, sind dabei aber auch sehr fotogen. Wollen Sie Architekturikonen pro-duzieren?

R. MEIER: Nein, mein Interesse gilt vor allem der Beziehung zwischen Innen- und Außenraum. Architektur ist die Einfassung von Raum, aber es geht auch darum, was um sie herum ist – da existiert eine sehr enge Beziehung.


CUBE: Trotzdem wirken Ihre Gebäude in ihrer Komposition immer sehr abstrakt. Glauben Sie, Sie können gerade eine starke Beziehung zur Umgebung aufbauen, weil Sie so abstrakt sind?

R. MEIER: Möglich, ja. Schauen Sie sich das Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt an, das ich vor vielen Jahren entworfen habe. Es bezieht sich auf die Villa Metzler, die zu Goethes und Schinkels Zeiten gebaut wurde. Das neue Museum übernimmt die Proportionen dieses Gebäudes, wiederholt es in mehreren Volumen und verbindet es so mit dem Bestandsgebäude. Der Bestand wird somit Teil des neuen Museumskomplexes.


CUBE: Das Museum in Frankfurt ist eines der wichtigsten Gebäude Ihrer Karriere gewesen, zumal in Europa. In der Folge haben sie viele weitere Gebäude in Deutschland gebaut. Warum waren Sie besonders hier so erfolgreich?

R. MEIER: Offen gesagt, den Wettbewerb zu gewinnen für das Museum in Frankfurt, war sehr wichtig für mich, aber auch für viele Menschen in Deutschland. Es hat Anfang der 1980er Jahre die Bedeutung der modernen Architektur gezeigt. Und moderne Architektur ist ja wirklich ein Teil des Weges, den wir in die Zukunft gehen – damals wie heute.


CUBE: Haben Sie vielleicht auch eine besondere Beziehung nach Deutschland wegen dem Hintergrund Ihrer Familie?

R. MEIER: Es stimmt, meine Familie kam aus Deutschland, aber ich denke trotzdem, das hat mehr was mit der Architektur zu tun als damit. Ich glaube aber, dass es tatsächlich eine wirkliche Wertschätzung unserer Projekte in Deutschland gibt, weit mehr als an anderen Orten.


CUBE: Als Amerikaner waren Sie auch immer sehr interessiert an der städtebaulichen Dimension, die ja in Europa oft deutlich komplexer ist als in den USA.

R. MEIER: Das ist wirklich sehr verschieden. Der europäische Kontext lädt zu sehr interessanten Beziehungen ein. Ich arbeite immer sehr gerne in Europa. Es existiert hier ein menschlicher Maßstab in der Stadt, der bei uns nicht immer zwingenderweise vorhanden ist.


CUBE: Seit den 1970er Jahren haben Sie eine große Anzahl von Großprojekten realisiert, unter ihnen das Getty Center. Trotzdem gestalten Sie immer auch noch vergleichsweise kleine Häuser – was finden Sie an diesem Maßstab?

R. MEIER: (lacht) Das ist eine gute Frage, weil ich mich manchmal wirklich frage, ob wir damit weitermachen sollen so wie bisher. Eigentlich sollten wir uns auf größere Gebäude konzentrieren. Aber wissen Sie, wie lange es gedauert hat, das Getty Center zu realisieren? Zwölf Jahre – ein Haus dauert vielleicht drei. Es geht alles viel schneller. Es gibt aber noch einen anderen Grund: Kein Hausprojekt gleicht dem anderen, weil jeder Kunde und auch jeder Ort ganz anders ist – und das macht es so spannend!


CUBE: Sie selbst leben an Wochenenden in einem alten Landhaus aus dem 19. Jahrhundert in East Hampton/New York. Ist das eine Art Rückzugs-ort vor Ihrer eigenen Architektur?

R. MEIER: Lassen Sie es mich so sagen: Es ist einfach. Und es gibt eine wunderbare Landschaft um dieses Haus herum. Es ist sehr angenehm, wie ein alter ausgemusterter Schuh. (lacht) Ich muss dort nämlich gar nichts machen. Wenn etwas nicht funktioniert, werde ich nicht gleich verrückt, wie in den Häusern, die ich selbst entwerfe. Das macht es alles sehr relaxing!


Mr. Meier, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Paul Andreas.



Richard Meier

Geboren am 12.10.1934 in Newark als Peter Richard Alan Meier. Bis 1957 Studium der Architektur an der Cornell University in Ithaka, New York. 1958-63 Mitarbeit in verschiedenen Architekturbüros, u.a. SOM und Marcel Breuer. 1959 Besuch bei Le Corbusier. 1963 Eröffnung des eigenen Architekturbüros. Besuch einer Le Corbusier-Ausstellung in Paris, die er als „Wendepunkt“ in seiner Karriere bezeichnet. 1972 Teilnahme an der legendären Ausstellung „Five Architects“ im MoMA New York zus. mit Peter Eisenman, Michael Graves, Charles Gwathmey, John Heijduk.

Wichtigste Bauten: Atheneum, New Harmony, Indiana (1975-79), Museum für Angew. Kunst, Frankfurt/M (1979-85), J. Paul Getty Center, Los Angeles (1984-97)

Richard Meier wurde 1985 mit dem Pritzker-Preis als jüngster Preisträger ausgezeichnet. Er erhielt alle wichtigsten Auszeichnungen und Preise im Bereich Architektur und Design. Meier entwirft auch Möbel und Gebrauchsgegenstände.

www.richardmeier.com

Fotos Piehlmedia Scott Frances www.scottfrances.com Richard Meier & Partners mehr

Fotos

Piehlmedia
Scott Frances
www.scottfrances.com
Richard Meier & Partners