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Das Büro als Mastertool

Wirksame Räume für wirksames Handeln

CUBE: Gestatten Sie zunächst die Frage: Was darf man sich unter der Berufsbezeichnung Cultural... mehr
CUBE: Gestatten Sie zunächst die Frage: Was darf man sich unter der Berufsbezeichnung Cultural Capital Producer vorstellen?

Prof. Jan Teunen: Im Grunde genommen bin ich Unternehmensberater. Ich helfe Unternehmen, sich weiter zu kultivieren. Versinnbildlicht heißt das, ich komme von außen in das Unternehmen hinein und kümmere mich um alle Dinge, die nicht in den Bilanzen ausgewiesen sind. Das sind die drei „W“s: Die Werte, das Wissen und das Wirken. Wenn ich meine Sache richtig mache, führt dies zu einer Unternehmenskultur, die aus kultureller, moralischer und ästhetischer Kraft gespeist wird. Es geht also um das Gleichgewicht von wirtschaftlicher und ethischer Verantwortung.

Worin liegt Ihre Intention, sich mit dem Büromarkt zu beschäftigen?

Die Büroarbeit ist zur eigentlichen gesellschaftlichen Tätigkeit geworden. Der Raum, also das Büro, dient als dazugehöriges Steuerungselement. Doch wenn ich Bürohäuser betrete, ist das meiste noch nicht getan. Sie sind oftmals ungepflegt, und das meine ich nicht im Hinblick auf deren Sauberkeit. Büros werden dominiert von einer wirtschaftlichen Rationalität und schaffen damit keinerlei Wohlfühlatmosphäre und Motivation. Ich möchte diese Probleme lösen, indem ich ihre Ursachen bekämpfe. So hege ich die Hoffnung, die Welt mit meinem Denken und Tun ein wenig zu bereichern.

Was sind für Sie die größten Veränderungen, die New Work-Ansätze mit sich bringen?

Digitalisierung, Agilität und die New Work-Generation erzeugen andere Lebensmodelle, die zu mehr Rationalität führen und den damit einhergehenden Wunsch nach optimierter Effizienz forcieren. Das Wesentliche wird jedoch nicht beachtet – Menschlichkeit. Nicht nur untereinander, sondern auch im Kontext Mensch und Raum. Ich sehe oft seelenlose Räume, die Menschen auslaugen und ihre eigentlichen Potenziale unterbinden. Sie arbeiten nicht motiviert, entwickeln eine gewisse Aggressivität, fangen an zu mobben und das alles, weil die kulturelle Umgebung nicht antwortet. Dabei scheint der zunehmende ethnische Mix nicht das Problem. Die Sehnsüchte nach Verbundenheit und Freiheit sind größer. Die Aufgabe muss also sein, wieder mehr Menschlichkeit in die Unternehmen zu bringen.

Sehen Sie Coworking Spaces als eine mögliche Lösung?

Auf jeden Fall, denn diese Räume sind oftmals attraktiver, poetischer und moderner als die unternehmenseigenen. Das ist eigentlich ein Armutszeugnis. Wenn man weiß, welch positive Wirkung solche Räume haben, sollten die Unternehmen tunlichst damit beginnen, diese Konzepte aufzugreifen. Es muss jedoch zum Unternehmen passen. Irgendwelche übergestülpten Konzepte funktionieren nicht.

Sie sagten einmal, dass Co-Kreativität ein spezielles Umfeld benötigt und die Büros zu Gewächshäusern für Kreativität werden müssten. Welches Umfeld sehen Sie hier als zielführend an?

Das kann unterschiedliche Formen annehmen. Ich sehe zum Beispiel das Büro als einen Ort an, der wie ein Garten anmutet. Säen und ernten war schon immer Motivationsfaktor. Meines Erachtens wäre es daher sinnstiftend, wenn man das Büro als eine Art Garten gestalten würde. Richard Branson sagte einmal, man muss Menschen behandeln wie eine Blume: Behutsamer und sensibler Umgang sowie der Schönheit genügend Beachtung schenken. Wenn es nach mir ginge, sollte man Büros mit Schönheit fluten. Es ist interessant, dass gerade der Wohlfahrtsverband ASB an mich herantrat, um mit mir diese Aufgabe anzugehen. Mit der Initiative „Officina Humana“ wollen wir Unternehmen dabei helfen, aus Büroräumen Potenzialentfaltungsräume zu machen. Das dazugehörige Buch will die informierte Unwissenheit zum Thema löschen.

Sie prägten den ungewöhnlichen Begriff Raumdemenz. Erklären Sie uns dessen Bedeutung?

Auf die Formulierung kam ich mittels eines Gedanken, der sich um das Vergessen von Raumwirkungen dreht. Das Büro steckt in einem ganz besonderen Dilemma. Die digitale Kompetenz wird zwar gefördert, aber an qualitätvoller Raumgestaltung wird oft gespart. Man muss sich wieder mehr damit auseinandersetzen, wenn man zufriedene Mitarbeiter will. Mir kommt hier Joseph Beuys in den Sinn, der sagte: „Die Menschen haben noch nie so degeneriert gelebt wie heute.“ Die meisten Menschen haben nicht gelernt, wie sie ihre Umgebung richtig gestalten. Federführend entscheidet das Geschmacksempfinden. Richtig ist das meistens nicht, denn das Wissen um Qualität ist abhandengekommen. Diese Mittelmäßigkeit wollen wir bekämpfen, denn wir sehen es als wesentliche Aufgabe eines Unternehmens an, die Gesellschaft zu gestalten. Diesen eigentlichen Kern des unternehmerischen Tuns freizulegen, zu entwickeln oder auch zu entfesseln, das ist das Kernziel unserer Arbeit.

Für Sie ist das Büro ein Steuerungsinstrument für nahezu alle Prozesse, die die Welt verändern. Wo wäre hier der Ansatz bei flexiblen Office-Strukturen?

Das Büro muss kulturell aufgeladen werden. Qualität im Umfeld und im Umgang sind Hauptmotivationstreiber. Flexible Arbeitsplätze als solches machen noch keine glücklichen Menschen. Es braucht ein Regelwerk. Wir können da von den Klöstern lernen. Regeln müssen in Gemeinsamkeit entstehen und jeden Tag gelebt werden, damit es in Fleisch und Blut übergeht. Nach meiner Erfahrung haben junge Menschen ein Bedürfnis nach Ordnung und Orientierung, allerdings stoßen zwangsneurotische Ordnungen auf Ablehnung. Es bedarf immer einer klaren Kommunikation. Wir arbeiten hier mit fünf Wirkungselementen: Wirtschaftlichkeit, Schutz/Geborgenheit, Zusammengehörigkeit, Kulturpflege und Identitätsstiftung.

Eines der Buzzwords in der heutigen Zeit ist Agilität. Inwiefern unterstützen Coworking Spaces diesen Gedanken?

Flexible Büroflächen sind losgelöst von hierarchischen Strukturen, man ist selbst verantwortlich für das Tun. Zudem kommen unterschiedliche Disziplinen zusammen, die zum Dialog führen. Ein wesentlicher Aspekt ihres Daseins sind aber vor allem die Serviceangebote wie etwa Kinderbetreuung.

Wie muss das Büro der Zukunft aussehen?

Es braucht viel Poesie, damit der Raum Geist und Seele bekommt. Dem muss man faktisch begegnen mit einer stimmigen Ergonomie, aber für den Geist bedarf es Schönheit und die Seele braucht Spirit. Beides findet man vor allem in der Kunst. Büroräume ohne Kunst schaffen für mich nicht die notwendige Attraktivität für Mitarbeiterzufriedenheit.

Herr Professor Teunen, wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch.
Das Interview führte Kelly Kelch.

Prof. Jan Teunen

- Geboren 1950 in Holland
- Anfangs tätig als Export Manager für Weine in Europa
- Seit 1983 selbstständig, Aufbau eines Designvertriebes
- Heutige Berufsbezeichnung: Cultural Capital Producer
- Geschäftsführer der Teunen Konzepte GmbH, die sich mit der Entwicklung einer nachhaltigen Unternehmenskultur beschäftigt
- Kuratoriumsmitglied und Professor für Designmarketing an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle an der Saale
- Ehrenmitglied des Genisis Institute for Social Innovation and Impact Strategies in Berlin
- Co-Autor der Werke „Officina Humana“ und „Wo die Seele singt“


(Erschienen in CUBE Inspire Coworking 2019)

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