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Aufbruch zu mehr Innovation

Auf dem Mailänder Salone del Mobile zeigten die Hersteller wieder Interesse an Materialexperimenten

Auch die 57. Auflage des Mailänder Salone del Mobile zeigte mit einem Plus von 17 Prozent bei... mehr

Auch die 57. Auflage des Mailänder Salone del Mobile zeigte mit einem Plus von 17 Prozent bei den Besucherzahlen ein unaufhaltsames Wachstum. Während in früheren Zeiten die Besucher vielfach nur Prototypen in Augenschein nehmen konnten, ist heute der Druck groß, möglichst schnell die Marktreife zu erlangen. Das englische Label Established & Sons präsentierte deshalb ein Programm mit Neuheiten bereits fertig zum Verkauf. Darunter ein Sofa-Zweisitzer von Ronan & Erwan Bouroullec und ein Ecksofa von Konstantin Grcic. Beide Sofas sind ungewöhnlich kleinformatig und folgen damit dem Trend zu filigraneren, platzsparenden Polstermöbeln. Der Salone zeigte parallel dazu aber auch eine gegenteilige Tendenz. Die Formen werden wieder runder, wulstig und opulent. Beispiele sind das Sofa „Bowy“ von Patricia Urquiola für Cassina, Jonas Wagells Sofa „Roma“ für Tacchini oder der Lounge Chair „Chips“ der Designerin Lucie Koldová für den tschechischen Hersteller Ton.

Vielfach gefeiert wurde in diesem Jahr das 100-jährige Jubiläum des italienischen Designers Achille Castiglioni. Lizensen aus dem Nachlass des Maestros sicherte sich der dänische Hersteller Karakter. Im Rahmen einer Ausstellung im Mailänder Palazzo Litta präsentierte Karakter Neuauflagen des von Castiglioni entworfenen Schreibmöbels „Rampa“ sowie der zusammen mit Giancarlo Pozzi entworfenen Tischmöbel Trio und Comodo. Bei Karakter fand sich ebenfalls ein schön gearbeiteter Sekretär von Paul McCobb, einem der wichtigsten amerikanischem Möbeldesigner der 1950er- und 1960er-Jahre. Fritz Hansen aus Dänemark huldigte ebenfalls diesem bislang nur den Experten bekannten Designer mit einer Re-Edition der Beistelltisch-Serie „Planer“. Der dänische Hersteller Hay unterstrich mit einem prachtvollen Auftritt im Palazzo Clerici in der Nähe der Mailänder Scala seinen Anspruch als Global Player. Zu den interessanten Neuheiten bei Hay zählte das vielfältig, konfigurierbare Sofa „Silhouette“ des dänisch-italienischen Designerpaars GramFratesi und die Coffeetable-Serie „Rebar“ vom Belgier Sylvain Willenz. Mit dem Stuhl „Élémentaire“ der französischen Brüder Bouroullec, der nur rund 80 Euro im Verkauf kosten soll, setzte Hay ein weiteres Signal.

Der Möbelbranche wird vielfach mangelnde Innovationskraft vorgeworfen. In Mailand durfte man bei einigen Herstellern zaghafte Versuche entdecken, vertraute Wege zu verlassen. Beim Holzspezialisten Matiazzi fand sich mit dem „Bienvenue“ von Inga Sempé erstmals ein Entwurf einer Frau. Der Stuhl besteht nicht nur aus kantigem Holz, sondern ist üppig gepolstert und sehr weich in seinen Formen. Kartell, Spezialist für Kunststoffmöbel, experimentiert mit einer Biolinie aus Recyclingmaterialien und lässt Phillippe Starck sogar Stühle in Formholz fertigen. Der amerikanische Hersteller Emeco produziert Möbel aus Aluminium. Auf dem Salone durften die Besucher bei Emeco eine neue Stuhlserie von Jasper Morrison bestaunen, gefertigt aus einem Komposit aus Recyling-Kunststoff und Holz. Offecct aus Schweden setzt ebenfalls auf innovative Materialien und zeigte verschiedene Versionen des Stuhls Jin vom Japaner Jin Kuramoto aus Flachs- und Carbonfasern.

Von klassischer Anmutung wirkte dagegen David Chipperfields Tischsystem „Basis“ am Stand des Herstellers e15 aus Frankfurt. Zu drei unterschiedlichen Holzböcken bietet e15 Tischplatten aus Glas, Eiche und Nussbaum. Auf diese Weise lassen sich eine Vielzahl unterschiedlicher Tischtypen konfigurieren.