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Zwischen Stadt und Weinberg

Die neue IHK-Zentrale im Zentrum von Stuttgart

Die Inzenierung der neuen Industrie- und Handelskammer in Stuttgart ist wahrlich gelungen. Ein... mehr
Die Inzenierung der neuen Industrie- und Handelskammer in Stuttgart ist wahrlich gelungen. Ein Bauplatz, wie man ihn selten findet: Vorne die Stadt, hinten der ländliche Raum, hier die Reben des Weinbergs. Schon Kurt Tucholsky definierte sein Ideal einer optimalen städtischen Lage mit den Worten „Vorne die Ostee, hinten die Friedrichstraße“. Für Stuttgart ist der Weinberg das symbolträchtige Element, das sich hier in die Stadt hineinzieht und diesen Entwurf so einzigartig macht. Auch die Wiederherstellung des Straßenraums an der Jägerstraße und die Blickbeziehung zu dem darüber schwebenden Weinberghäuschen sind wesentliche Merkmale dieses Entwurfs.

Das Büro wulf architekten hatte im Wettbewerb 2009 zunächst einen zweiten Preis erhalten. Im Anschluss forderte jedoch der Auslober alle Preisträger zu einer Überarbeitung der Entwürfe auf. Diese Überarbeitung fand im Rahmen des VOF Verfahrens statt. In der Überarbeitungsphase konnte sich der Entwurf von wulf architekten dann durchsetzen. Das neue Gebäude der IHK im Zentrum von Stuttgart wird für Schulungen, Veranstaltungen, Service und die Verwaltung genutzt. Durch den u-förmigen Neubau bildet sich an der Jägerstraße eine stadträumliche Kante. Sehr schön definiert sich der Vorbereich zur Straße, den die Architekten geplant haben, in dem sie am Fuße des Hangs eine Weinbergmauer gebaut haben. Diese Mauer setzt sich im Gebäude fort und markiert den Übergang zwischen dem verglasten Eingangsbereich und dem großen Veranstaltungssaal mit vorgelagertem Foyer. Dieses entwickelt sich – begleitet von einer repräsentativen Treppenanlage und einer zenitalen Lichtführung über 15 Lichtkuppeln – stufenweise nach oben. Schon beim Hinaufgehen öffnet sich der Blick in den steil ansteigenden Weinberg, der hier auf sorgfältige Weise repariert und erweitert wurde und über eine Terrasse quasi ins Haus führt. Das erste Obergeschoss enthält eine Reihe von Konferenz- und Seminarräumen mit eigenem Foyerbereich, während die drei Ebenen darüber im Wesentlichen von Bürozonen belegt sind. Das darüber schwebende Dachgeschoss bezieht sich mit seinen Flugdächern auf die Form des ehemals benachbarten Volkartbaus.

Die Fassade besticht durch eine sehr filigrane Plastizität. Ihre markanten Lisenen sind aus dünnen Muschelkalkplatten gestaltet, ein in Stuttgart häufig verwendetes Material bei öffentlichen Gebäuden. An diesem Gebäude ist sehr schön erkennbar, wie es im Zusammenhang mit den simsartig vorspringenden Geschossdecken aus Sichtbetonelementen als filigrane Platzierung und Rhythmisierung der Fassade eingesetzt wurde. Das Zusammenspiel unterschiedlicher Ma­terialien ähnlicher Farbigkeit wie auch der eloxierten Aluminiumplatten in der Fassadenebene erzeugt im Ablauf der Tages- und Jahreszeiten ein lebendig wechselndes Bild, bei dem Materialität und Farbigkeit unterschiedlich wahrgenommen werden können. Die enge Verzahnung mit der Landschaftsterrassierung des Weinbergs, die sowohl von den Mitarbeitern als auch den Besuchern immer unmittelbar wahrgenommen wird, ist das Element, das erheblich zur Lebens- und Arbeitsqualität dieser Büros beiträgt.

www.wulfarchitekten.com
Architekten: wulf architekten GmbH www.wulfarchitekten.com Fotos: Brigida González... mehr

Architekten:

wulf architekten GmbH
www.wulfarchitekten.com

Fotos:

Brigida González
www.brigidagonzalez.de