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Raum für Salz

Neubau einer Salzlagerhalle verbindet Funktionalität und Ästhetik

Lagerung von Salz, das von Straßenmeistereien benötigt wird, ist keine einfache Sache – wie man... mehr

Lagerung von Salz, das von Straßenmeistereien benötigt wird, ist keine einfache Sache – wie man vielleicht meinen möchte. Die Konzeption und Konstruktion von Salzlagerhallen muss vollständig aus den speziellen Anforderungen der Salzlagerung entwickelt werden. Dazu gehört auch eine geänderte Logistik im Streusalzvertrieb, die für neue Hallen eine lichte Durchfahrtshöhe von 9 m für Sattelschlepper mit gekippter Liefermulde fordert. Gleichzeitig erhöhen sich häufig aus Platzgründen die gewünschten Schütthöhen auf 5 bis 7 m, was zu hohen Horizontalkräften an den Schüttwänden führt. Für vautz mang architekten gemeinsam mit dem Tragwerksplaner Michael Geiger galt es daher, eine angemessene Konstruktion und Baustoffe zu finden, die den aggressiven chemischen Eigenschaften des Salzklimas in einer solchen Halle trotzen.

Die neue Salzlagerhalle der Straßenmeisterei der Stadt Geislingen besteht aus einer „Lagermulde“ und einer aufgesetzten „Wetterschutzhülle“. Da bei älteren Salzhallen oft Salz in die Konstruktionshohlräume gelangt und zu Bauschäden führt, sind alle Bauelemente offen und hohlraumfrei konzipiert. Eventuelle Schäden können frühzeitig erkannt und beseitigt werden. Salzbeständige, transparente Kunststoff-Wellplatten gewährleisten die natürliche Belichtung und den konstruktiven Holzschutz der Schüttwände, die ohne weitere Verkleidungen in Kontakt mit der Außenluft stehen. Öffnungen in den Fassadenanschlüssen und im Tor ermöglichen eine gute Belüftung der Halle und verhindern, dass sich Kondensat bildet. Da Salz besonders aggressiv auf Stahl wirkt, wurde die Anzahl der Metallverbindungen minimiert und nur Edelstahl in hochvergüteter Qualität verwendet. Holz und Stahlbeton, die Materialien der Tragkonstruktionen, sind jeweils dort eingesetzt, wo sie für die konstruktiv-statischen Erfordernisse die besten Eigenschaften bieten. So sind die Bauteile mit direktem Kontakt zum Salzklima des Innenraums in Holz ausgeführt, da Salz konservierend auf Holz wirkt. Die großen Momente aus den Horizontallasten der Schüttwände und aus der Gebäudeaussteifung nehmen die außerhalb der Halle angeordneten Stahlbetonlisenen auf. Sie bilden mit durchgehenden Fundamentstreifen einen Rahmen, der die wechselnden Lastsituationen aus unterschiedlicher Schütthöhe aufnehmen kann. Die dreieckige Geometrie der außenliegenden Stahlbetonschotten folgt dem Verlauf des Biegemomentes aus den Horizontalkräften und optimiert das Lagervolumen. Zugleich entsteht ein ungewöhnliches Fassadenbild, das die besondere Aufgabe des Gebäudes spürbar macht. Die Salzlagerhalle wurde u. a. mit dem Focus Open Gold 2018, dem Internationalen Designpreis Baden-Württemberg, ausgezeichnet.   

www.fuzi-tragwerke.de
www.vautzmang.de

Fotos:

Martin Duckek
www.martinduckek.de
Burkhard Walther