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Fassade erzeugt Interferenzmuster

Forschung für übermorgen

Das vor kurzem fertiggestellte Präzisionslabor erweitert das Institut für Festkörperforschung auf... mehr
Das vor kurzem fertiggestellte Präzisionslabor erweitert das Institut für Festkörperforschung auf dem Campus der Max-Planck-Gesellschaft in Stuttgart-Büsnau. In den vergangenen Monaten wurde das Präzisionslabor schrittweise bezogen und durch das Einbringen der wissenschaftlichen Experimente in Betrieb genommen. Der Neubau, der vom Stuttgarter Büro hammeskrause architekten geplant und realisiert wurde, bietet mit störungsfreien Laboren optimale Voraussetzungen für die Forschung im Nanobereich und ist in der baukonstruktiven Ausführung der Experimentierflächen weltweit einzigartig.

Die Wissenschaftler am Max-Planck-Institut wollen verstehen, wie die Strukturen von Festkörpern ihre elektrischen, mechanischen oder magnetischen Eigenschaften beeinflussen. Sie führen Präzisionsexperimente an einzelnen Atomen, Molekülen und künstlichen Quantenstrukturen bei tiefsten Temperaturen und hohen Magnetfeldern aus und liefern damit die Grundlagen für die Informationstechnologie von übermorgen.
Daraus ergeben sich höchste Anforderungen an die Planung und die Ausführung des Gebäudes, vor allem Akustik, Elektromagnetismus und Baudynamik beeinflussen die Konstruktion maßgeblich. Bestimmende Elemente in der rund fünfzehn Meter hohen Halle sind die elf farbig gestalteten Versuchsboxen, die als monolithische Blöcke im Hallenraum stehen. Jedes dieser Einzellabore ruht auf seinem eigenen massiven Fundamentblock, der zur Vermeidung von Kriech- und Wirbelströmen mit nicht leitender und nicht magnetisierbarer Glasfaser bewehrt wurde. Die geplanten Experimente mit subatomarer Präzision erfordern eine stringente Abschirmung gegen äußere seismische, akustische und elektromagnetische Störungen. Jedes dieser Fundamente mit einer Dicke von rund drei Metern ruht auf Luftfedern zur Schwingungsentkopplung des Experiments von der Umwelt.

Technik und Halle werden zu einem großen monolithischen Körper zusammengefasst, der sich von der umgebenden, dichten Waldkante abhebt. Der umgreifende zweigeschossige Büro- und Laborbaukörper erhält eine Fassade, die sich an der horizontalen Gliederung der Bestandsgebäude aus den 1970er Jahren orientiert und wird durch ein umlaufendes, zurückgesetztes Glasband vom Hallenbaukörper abgesetzt.

Durch die exponierte Lage in der Parkanlage kommt der Gestaltung der Hallenfassade eine besondere Bedeutung zu. Die Versuchshalle ist mit einer Haut aus vertikalen Aluminiumprofilen umhüllt, die in unterschiedlichen Abständen und auf zwei Ebenen angebracht sind. Dadurch ergeben sich Interferenzmuster, die sich je nach Betrachtungswinkel und -abstand ändern.

„Die Gestaltung der Hülle reflektiert unser neu gewonnenes Verständnis für die Experimente an der Grenze des technisch Machbaren und verweist auf ihren Inhalt. In den Experimenten nimmt die Erkenntnis durch hochpräzise An­näherung an die Oberflächen zu. Unsere Wahrnehmung und unser Bild ändern sich, ohne dass sich das Material ändert. Diese Korrespondenz und Versinnbildlichung der Forschungsinhalte hat uns als Basis für eine kraftvolle und eigenständige Gestaltfindung interessiert“, erläutert Markus Hammes von hammeskrause architekten.

www.hammeskrause.de
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Wolf-Dieter Gericke