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Auf Entdeckungstour

Die Grüne Fuge am Stuttgarter Killesberg

Leider bieten unsere gewachsenen Städte nur noch sehr wenig Raum für grundlegende... mehr
Leider bieten unsere gewachsenen Städte nur noch sehr wenig Raum für grundlegende Stadterweiterungen und wenn, dann bezieht sich dieses Thema auf Neubaugebiete als Antwort auf die wachsende Bevölkerung. Dabei sollte man die Chance nutzen, wenn durch Aufgabe von Industrie oder Bahn die Möglichkeit besteht, einen Grünraum zu erschließen oder auch Renaturierungsmaßnahmen durchzuführen. An dieser Stelle hat Stuttgart die Chance genutzt. Aufgrund der Verlegung der Stuttgarter Messe auf die Fildern, konnte die Stadt ihrem Streben nach einer „grünen Großstadt“ mit der Erweiterung des Killesbergparks ein wenig näher rücken.

Seit der Eröffnung des neuen Parks am Stuttgarter Killesberg 2012 wird diese Form einer grünen Stadtentwicklung immer noch kontrovers diskutiert. Während die einen die Möglichkeit in die künstlich geschaffene Hügellandschaft einzutauchen und die Veränderung der vertrauten Perspektive als spannend wahrnehmen, empfinden andere das neu entwickelte, unübersichtliche Wegenetz als sinnlos und irreführend. Die Grüne Fuge polarisiert, immer noch.
Die ca. 10 ha große Parkerweiterung befindet sich auf den ehemals bebauten Flächen und wurde zum Ausgleich für die Baukörper des ehemaligen Messegeländes angelegt. Die Grüne Fuge, geplant von der Arge Zukunftspark Killesberg Park, bestehend aus dem Landschaftsarchitekten Rainer Schmidt und Pfrommer + Roeder bildet heute den Grüngürtel für das neue Quartier „Killesberg Höhe“. Das Projekt „Think K" des Salzburger Investors Franz Fürst fügt sich selbstverständlich in das Grün und umfasst Läden, Arztpraxen und 107 Wohnungen. Zudem ist der neue Höhenpark ein Teil des im Flächennutzungsplan festgelegten „Grünen U“. Ein 8 km langer Grünzug, der an den Schlossgartenanlagen beginnt und sich fortsetzt über den Park der Villa Berg, den Rosensteinpark, die Wilhelma, den Leibfriedschen Garten, den Wartberg bis zum Höhenpark Killesberg und dem Kräherwald.

Der heutige Park am Killesberg war bis in die 1930er-Jahre ein Steinbruchgelände für Schildsandstein. Aufgrund dieser Nutzung war das Gebiet in exquisiter Lage zum großen Teil ungeeignet als Bauland. Daher konzipierte man damals an dieser Stelle einen Park und erhielt die Zusage für die Reichsgartenschau 1939. Bis heute gilt der Park als ein Beispiel für die Gartenbaukunst und dient den Stuttgartern als Naherholungsgebiet.
Die Landschaftsarchitekten wollten in ihrem Entwurf zwei Themen miteinander korrespondieren lassen. Sie planten die harte Kulisse des einstigen Steinabbaus, des sogenannten Stuttgarter Werksteins, mit einer Vielzahl von weichen Rasenkissen zu verbinden, wie eine versöhnliche Geste gegenüber einer Zeit, in der der Mensch massiv in die Natur eingriff. Die Vergangenheit dieses Ortes wollten die Planer neu interpretieren. Auf diesem Weg haben sie 70.000 m2 Erde für diese neue Topografie bewegt und dafür 400 neue Bäume, Obstbäume sowie einheimische Gehölze angepflanzt. Diese neu geschaffenen, ca. 1 m hohen Rasenhügel verbinden nun die Feuerbacher Heide mit der Grünen Fuge und den Park vor der „Roten Wand“, die sich auf der anderen Seite der Straße „Am Kochenhof“ befindet. Das Konzept sieht keine Begrenzung vor und ist deshalb jederzeit für eine Erweiterung geeignet. Bei näherem Hinsehen erfährt der Betrachter, dass das grüne Polster durchzogen wird von einem tiefergelegten Wegenetz und einem Wasserlauf, der in einem künstlich angelegten See endet. Interessant ist die Verschiebung der Perspektive beim Durchlaufen der Wege. Der eine Besucher sieht die anderen Spaziergänger, nicht jedoch dessen Weg. Kein Ziel ist auf dem direkten Weg zu erreichen. Der Landschaftsarchitekt Rainer Schmidt wünschte sich an dieser Stelle ein „Eintauchen in die Umgebung, eine Sensibilisierung von vertrauten Perspektiven und eine neue Raumwahrnehmung“.

Auch das Wassermanagement wurde mit großer Sorgfalt geplant. Das Dach- und Oberflächenwasser der Grünen Fuge und des angrenzenden Quartierszentrums Killesberghöhe wird gesammelt und für die Bewässerung des Parks genutzt. Als Zisterne dient ein Relikt des alten Messegeländes, das Untergeschoss der früheren Messehalle 5, dessen Kellerraum statisch ertüchtigt und abgedichtet wurde. Dieses hier gewonnen Wasser dient zum Unterhalt der Fuge und der Wasserfontänen im Höhenpark.

Im Park des Stuttgarter Killesbergs ist es dem Landschaftsarchitekten gelungen, den Besucher aus seinen gewohnten Erfahrungen mitzunehmen in einen Bereich von vielen neuen Wahrnehmungen und Sichtweisen, die er mit Muße entdecken kann.

www.rainerschmidt.com
www.fuerstdevelopments.com
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Landschaftsarchitekten

Rainer Schmidt
www.rainerschmidt.com

Fotos

Raffaella Sirtoli
www.raffaellasirtoli.com
Stefan Müller/Fürst Developments