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Wohnturm für Individualisten

MADAKO-Architekten aus Oberhausen schaffen ungewöhnlichen Wohnraum

Vom Wasserturm zum Wohnturm? Der Gedanke begeisterte die Oberhausener Architekten Arnim Koch und... mehr

Vom Wasserturm zum Wohnturm? Der Gedanke begeisterte die Oberhausener Architekten Arnim Koch und Michael Dahms, als sie zum ersten Mal den stillgelegten Wasserturm in Essen-Bredeney sahen. Eine solche Umnutzung schien beiden eine spannende Herausforderung. Und so schufen sie einen Wohn(t)raum für Individualisten mit Weitblick.

31 Meter hoch ragt das denkmalgeschützte Bauwerk von 1921 über Essen. Wer die Wendeltreppe durch den genieteten Stahlkugelwasserbehälter bis auf die oberste Plattform nimmt, hat den höchsten Punkt Essens erreicht. Denn der Wasserturm funktionierte einst nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren: Kein angeschlossener Haushalt durfte höher liegen als der Hochbehälter, von dem aus das Wasser mittels der Schwerkraft in die Röhren gepresst wurde. Wenn Michael Dahms heute dort hinaufsteigt und über den Baldeneysee blickt, weiß er, dass sich die Zeit und der Aufwand für das außergewöhnliche Projekt gelohnt haben. „Es waren viele Hürden zu nehmen, bis der Turm bewohnbar wurde“, erinnert er sich. Das fing schon beim Standort an: Mitten im Naturschutzgebiet, rundherum Wald. Dazu kam die denkmalgeschützte Kuppel und das Problem der Erschließung des Turmes. Da die sechseckige Stahlbetonkonstruktion, auf der die Kuppel ruht, dem Denkmalschutz nicht unterworfen war, wurde die Öffnung und Verglasung einer Seite des Betonkörpers genehmigt. Sie bringt Licht von oben bis unten ins Gebäude. Zur Erschließung setzte das Team von MADAKO-Architekten einen filigranen, gläsernen Treppenturm mit Aufzug daneben: „Auch hier war Maßarbeit angesagt, denn durch die Verjüngung des Turms mussten die Verbindungen zwischen Treppe und Turm alle unterschiedlich lang sein,“ so Dahms. Das Hauptproblem lag jedoch in der grundsätzlichen Statik: Die sechs Stützen, welche früher die mit Wasser gefüllte Kuppel trugen, waren nicht dafür geeignet, Geschossebenen zu tragen. „So mussten wir in den gesamten Turm von unten bis zur Spitze eine Betonscheibe integrieren, um die einzelnen Etagen daran aufzuhängen.“ Neun sind es insgesamt. Im Erdgeschoss ist neben den Kellerräumen ein kleines Büro mit rund 40 m² entstanden. Im ersten Obergeschoss befindet sich eine größere Büroeinheit mit 150 m², die von einer Werbeagentur genutzt wird. Darüber liegen drei Wohneinheiten über jeweils zwei Etagen. Im obersten Stockwerk ist ein Besprechungsraum und die begehbare Kuppel mit Außengalerie.

Innenarchitektonisch hat das Architekten-Team eigene Vorstellungen verwirklicht: „Der Turm ist im Lauf der Zeit mit all seinen Herausforderungen zu einem Liebhaber-Objekt geworden. Und so beschlossen wir, die Wohnungen so zu gestalten, wie wir selbst gerne leben würden“, erzählt Dahms. Klar, puristisch, individuell. Prägend sind die Sichtbetonwände. Ganz bewusst haben die Architekten sie grau belassen und die Schalungspunkte sogar noch betont, um den Industriecharakter zu unterstreichen. Jede Wohnung hat einen offenen Grundriss und zwei Etagen, die über eine Galerie und eine stählerne Treppe verbunden sind. Nur die Bäder sind durch Wände abgetrennt, aber über raumhohe Glasdurchgänge mit dem Wohnbereich verbunden: „Die Wohnungen eignen sich in erster Linie für Pärchen oder Singles, die das Außergewöhnliche lieben und den Charme des Gebäudes zu schätzen wissen.“ Aus rein wirtschaftlichen Gründen wird diese Art von Umbau für MADAKO wohl eher ein Einzelfall bleiben. Für die Architekten persönlich aber war es ein lehrreiches Projekt, in das viel Herzblut geflossen ist und sie fast schon berühmt gemacht hat. Selbst in New York kennt man den „Essener Water-Tower“.

www.madako.de

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Fotos

Friedhelm Krischer
www.friedhelmkrischer.de