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Vorbildlicher Neubau

Neue Notunterkunft der Stadt Essen ist alles andere als notdürftig

Wer durch eine Zwangsräumung oder einen Brand von jetzt auf gleich sein Zuhause verliert, wird... mehr

Wer durch eine Zwangsräumung oder einen Brand von jetzt auf gleich sein Zuhause verliert, wird in Essen in der Notunterkunft in der Liebrechtstraße aufgefangen. Früher bröckelte hier der Putz, und es gab keine Heizung. Heute bieten drei robuste und zugleich ästhetische Neubauten 119 Menschen Obdach.

Im Jahr 2013 betrat die Stadt Essen Neuland: Sie entschied, die alten Notunterkünfte abzureißen und durch Neubauten zu ersetzen, die langfristig wirtschaftlicher und effizienter sind. Ein Entschluss, der bundesweit absolute Seltenheit hat. Das Düsseldorfer Büro RKW Architektur + überzeugte die Jury in einer öffentlichen Ausschreibung mit einem innovativen Konzept. „Wir hatten eine effiziente, modulare Bauweise mit einem hohen Grad an Vorfertigung konzipiert. So konnten die alten Gebäude nacheinander abgerissen und jeweils zügig durch einen Neubau ersetzt werden, der sich harmonisch in die leicht abfallende Topografie und die Umgebung einfügt“, erklärt Tobias Bünemann, Assoziierter Partner bei RKW. Die Architekten wollten bewusst keine anonymen Zweckbauten errichten, sondern durch die Gestaltung und die Organisation der Gebäude die Kommunikation unter den Bewohnern fördern und Werte schaffen: „Wir drehten alles auf links. Anstelle von nach Innen gekehrten Gebäuden überzeugten wir mit pavillonartigen, in den Grünraum gesetzten Gebäuderiegeln und außenliegenden Laubengängen zur Erschließung der Wohneinheiten.“ Die so entstehenden sozialen Kommunikationsräume, die auch die Grünflächen zwischen den Gebäuderiegeln mit einbeziehen, bieten eine ganz neue Aufenthaltsqualität für die Bewohner der Einraum-Apartments bzw. Zwei- oder Dreiraumwohnungen mit flexibel erweiterbaren Grundrissen. Die Notunterkunft ist nicht für den Daueraufenthalt gedacht, dennoch verbringen viele Bewohner hier einige Monate und sollen anschließend reibungslos wieder in normale Wohnverhältnisse reintegriert werden. Die Gebäude bestehen überwiegend aus Betonfertigteilen. Wände und Laubengänge jedes Hauses wurden aus 130 Betonstabstahl-Elementen und etwa 1.100 m² Halbfertigteildecken errichtet. Einfach, robust und beständig sind die gewählten Materialien: heller Sichtbeton für die Laubengänge, farbig glasierte Klinker, zusammengefasste Tür-Fenster-Elemente in Holzoptik. Sie lassen das flächenwirtschaftliche Gebäude freundlich und großzügig wirken. Die moderne, ästhetische Architektur drückt aber auch eine Wertschätzung gegenüber den Bewohnern aus, deren Notunterkunft nun alles andere als notdürftig ist. Im BDA-Wettbewerb „Auszeichnung guter Bauten 2017“ wurde die Notunterkunft von der Jury mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet. Ganz besonders dürften sich Stadt und Architekten über den Publikumspreis gefreut haben: Die Essener Bürger wählten die Notunterkunft zum beliebtesten aller vorgestellten Projekte. 

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Architekten: RKW Architektur + www.rkw.plus Fotos: Marcus Pietrek mehr

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Fotos:

Marcus Pietrek