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Mehr als eine grüne Oase

Möglichkeiten der Dachbegrünung

Heutzutage sind die ökologischen Ansprüche an ein Gebäude geprägt von den Aufgaben, die... mehr
Heutzutage sind die ökologischen Ansprüche an ein Gebäude geprägt von den Aufgaben, die biologischen Ressourcen zu schonen und den künftigen Generationen eine lebenswerte und intakte Umwelt zu hinterlassen.

Auf Grund des stetigen Bevölkerungszuwachses brauchen wir mehr Wohnfläche, zulasten von Grünflächen. Hinzu kommen Abwärme von Verkehr, Industrie und Hausbrand. So werden viele Zentren im Sommer zu Hitzeinseln und Smogglocken. Begrünte Dächer, Wände und Fassaden können diesen Energieüberschuss mittels Absorption und Wasserverdunstung weitgehend abbauen. Sie gelten deshalb als Siedlungsbiotope, die insbesondere lokalklimatisch eine immer bedeutendere Rolle spielen. Die Temperaturspitzen im Sommer halten sich so in Grenzen und können beispielsweise für eine Dachgeschosswohnung eine erhebliche Abkühlung bis zu einem Temperaturniveau einer Erdgeschosswohnung bedeuten.

Auch auf die Thematik der Wasserknappheit hat die Dachbegrünung eine Antwort. Je nach Anbauart können 50 bis 90 Prozent der Niederschläge gespeichert und über Verdunstung direkt in den natürlichen Wasserkreislauf zurückgeführt werden. Pflanzen verbessern außerdem die Luftqualität durch das Filtern von Staub und Schadstoffpartikel. Sie sind aufgrund verschiedener Witterungseinflüsse zugleich in der Lage, die Belastung für die Bausubstanz zu minimieren.

Skygardens als Vertical Farming
Viele Großmetropolen kämpfen zusätzlich mit der Problematik, das Verhältnis von Bevöl­kerungszuwachs und der zur Verfügung stehenden Baufläche vernünftig zu lösen. Vertikales Bauen wird sich deshalb stetig weiter entwickeln. Grüne Hochhausarchitektur entspricht nicht nur in ihrer Ästhetik einer zukunftsweisenden Bauweise, es entstehen zunehmend völlig neue Hochhaustypen. Getestet werden neue Materialien und Möglichkeiten, um Ackerflächen, Algenfarmen oder üppige Parks zu integrieren. Skyvillages oder Farmscraper sind solche Ansätze, bei denen die Lebensmittelversorgung „inhouse“ geregelt wird. Ein Verlassen des Wohnkomplexes ist nicht mehr nötig.

Obwohl die Metropolen heute nur knapp drei Prozent der Erdoberfläche einnehmen, verbrauchen sie laut Berechnungen der Vereinten Nationen (UN) schon jetzt drei Viertel aller Ressourcen. Umso wichtiger wird es, die Urbanisierung in den Städten voranzutreiben.

Arten der Dachbegrünung
Die Möglichkeiten der Dachbegrünung sind vielfältig und unterliegen zahlreichen Richtlinien. Es sollte im Vorfeld geklärt sein, welchen Aufwand man betreiben möchte und wie hoch die Tragfähigkeit der Dachkonstruktion ist. Bei Neubauten kann diese Zusatzbelastung bereits beim Entwurf berücksichtigt werden. Bei Bestandsbauten ist die Prüfung der nutzbaren Reserven der Trag­fähigkeit durch einen Tragwerksplaner notwendig. Die wohl einfachste und flexibelste Art ist das Arbeiten mit Gefäßen. Bei Begrünungen von größeren Flächen zählt die extensive Variante im Auf- und Anbau vergleichsweise zu den pflegeleichtesten Optionen. In der Regel arbeitet man mit Moos- oder Sedum-Matten. Sie sind vorkultiviert und werden einfach ausgerollt, ähnlich wie ein Rollrasen.

Die intensive Begrünung braucht deutlich mehr Aufwand, da eine dickere Substratschicht mit Drainage verwendet wird. Sie leistet dafür auch mehr für das Mikroklima der Umgebung. Für beide Begrünungsvarianten sorgen Kunststoffbahnen für die Dichtigkeit des Daches. Bei den meisten Bauweisen ist überdies ein Durchwurzelungsschutz notwendig, um Beschädigungen der Dachabdichtung durch eindringende Pflanzenwurzeln zu verhindern.

Eine ökologisch sehr interessante Möglichkeit sind sogenannte Retentionsdächer, bei denen man mit Regenwasser (Anstau) und Wasserpflanzen arbeitet. Hier kann eine besonders vielfältige Flora und Fauna entstehen. Ein zusätzlicher Anreiz bei großflächigen Dachbepflanzungen ist die Gebührenminderung bei den Kosten für die Entsorgung von Schmutz- und Regenwasser bei Orten mit gesplitteter Abwassersatzung.

Grüne Architektur weltweit
Ausgerechnet China und der asiatische Raum gelten als Pioniere des vertikal ökologischen Bauens. Eine überraschende Erkenntnis, wollen wir nicht vergessen, dass China in Sachen Klimaschutz immer noch alles andere als ein Vorbild ist. Über den Weg einer nachhaltigen Architektur scheint sich dies jedoch zu ändern.

Auch in Europa beginnt man sich auf die zunehmende Bevölkerungs- und Klimaproblematik einzustellen, wie im jüngst ausgezeichneten Bosco Verticale. Wie der Name verrät, handelt es sich um einen vertikalen Wald, der jeweils in einem 119 Meter und 87 Meter hohen Wohnturm Teil des nachhaltigen Baukonzepts ist. Auf ihren Terrassen und Balkonen werden rund 800 Bäume und viele weitere Pflanzen, die Urbanität und Natur eindrucksvoll verbinden, beherbergt.

Reurbanisierung von Innen
Hintergrund der Entwicklung ist ein gestiegenes ökologisches Bewusstsein im Allgemeinen. Es hat das Potential, zum Leitbild künftiger Urbanisierungsprozesse zu werden. Die grüne Stadt wächst von innen – es handelt sich nicht mehr nur um ein übergestülptes, theoretisches Konstrukt. Stadtplaner nehmen den Ball nun ganzheitlich auf. Dachbegrünung gehört heute zur nachhaltigen Bauweise einer modernen Städtearchitektur. Eine große Herausforderung der zukünftigen Globalisierung wird sein, eine Stadt- und Gebäudeplanung mit allen Aspekten der Nachhaltigkeit – ökologisch, ökonomisch, soziokulturell – über den gesamten Lebenszyklus umzusetzen.
Text:  Kelly Kelch mehr

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Kelly Kelch