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Individualität und Gemeinschaft

Ein neues Zuhause für Menschen mit seelischen Behinderungen

Orte der Kommunikation und Gemeinschaft sowie individuelle Rückzugsmöglichkeiten sind für... mehr

Orte der Kommunikation und Gemeinschaft sowie individuelle Rückzugsmöglichkeiten sind für Menschen mit seelischen Behinderungen wichtig. Deshalb wünschte sich die Bethel Stiftung kein klassisches Wohnheim für ihre Patienten, sondern einen Ort für alltägliche, zwanglose Begegnung, an dem diese möglichst selbstbestimmt leben können. Das Büro post welters + partner Architekten & Stadtplaner sorgte für die sensible Umnutzung des Pfarrhauses der Zwölf Apostel Kirche (Baujahr 1916) in Herne und ergänzte sie durch einen lichten Neubau.

Eine transparente Fuge verbindet das denkmalgeschützte Backsteinarchitekturensemble aus Gemeinde- und Pfarrhaus mit dem Neubau und schafft eine lichtdurchflutete Verbindung von Alt und Neu. Das ehemalige Pfarrhaus wurde für die Tagesstrukturnutzung umgebaut. Die historischen Raumfolgen konnten erhalten bleiben und das zweigeschossige Holztreppenhaus wieder freigelegt werden. Im Neubau sind 24 Apartments, davon sieben rollstuhlgerecht, und zwei Gastwohnungen entstanden. Er schließt so am Bestandsgebäude an, dass ein neuer Innenhof entsteht. Dieser bildet das Zentrum, um das sich die öffentlichen und gemeinschaftlichen Funktionen gruppieren. Kleine Mauern, Bepflanzungen und Bäume unterteilen den Innenhof in grüne Zimmer, die den Bewohnern unterschiedliche Aufenthaltsräume bieten. Über zwei großzügige, transparente Eingänge gelangt man in den Neubau. „Die Erschließung im Neubau erfolgt über eine ‚innere Straße‘, an der die gemeinschaftlichen Funktionen und Aufenthaltsbereiche wie kleine Plätze oder kleine Häuser liegen“, erläutert Architekt Sven Grüne. Sämtliche Gemeinschaftsräume orientieren sich zum Innenhof. Die „innere Straße“ endet jeweils mit einer verglasten Fassade, sodass von jedem Standpunkt aus der Blick nach draußen möglich ist. „Der bewusste Einsatz von Tageslicht war eines unserer Entwurfsprinzipien, da dieses insbesondere für Menschen mit seelischen Behinderungen sehr positive Wirkungen zeigt“, so Grüne. Begegnung ist das zweite Prinzip: Am Schnittpunkt alltäglicher Wege planten die Architekten immer wieder Möglichkeiten für Kontakt und Austausch. Neben den hellen Gemeinschaftsräumen mit Terrassen am Innenhof gibt es auf jeder Etage Waschsalons mit transparenten Fassaden. Von hier aus kann man in den Innenhof oder in den Flur blicken und Kontakt zu anderen Bewohnern aufnehmen. So funktionieren auch die Loggien im ersten Obergeschoss: Sie bieten einen geschützten Platz, ermöglichen aber auch Kommunikation. Die individuellen Apartments bilden den Rücken des Gebäudes. Sie gliedern sich in einen Eingangsbereich mit Kochnische und einen Wohn-, Schlafbereich. Die Fassaden zu den Nachbargrundstücken und zur Zeppelinstraße bildeten die Architekten mit grobem Kratzputz als harte, schützende Schale aus. Die Innenhoffassade gestalteten sie dagegen mit einem leichten Glattputz als weiche, warme, innere Hülle. Die Tönung der Außenwandflächen in unterschiedlich hellen, warmen Grautönen unterstreicht diesen Ansatz. Auch im Inneren kamen natürliche Materialien zum Einsatz: Die Flure im Neubau und die Räume im Bestandsgebäude wurden mit einer mineralischen Schlämme beschichtet, die das Tageslicht diffus verteilt; der Boden ist grün-sandfarben und die Möbel in den Apartments haben helle Birkenholzoberflächen. Seit Ende 2017 bewährt sich das Haus in der Praxis. Die Bewohner nutzen die individuellen wie gemeinschaftlichen Räume mit Begeisterung und freuen sich über die zwanglosen Schnittpunkte zur Begegnung.

www.post-welters.de

Architekten: Büro post welters + partner Architekten & Stadtplaner www.post-welters.de... mehr

Architekten:

Büro post welters + partner Architekten & Stadtplaner
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Fotos:

Corenlia Suhan
www.suhan-fotografie.com