Architektur in Artikel
Kategorie
Themen
Interior in Artikel
Themen
Kategorie
Garten in Artikel
Themen
Kategorie
Spezial in Artikel
Kategorie

Einleuchtende Kunst

In Unna treffen sich Architektur, Kunst und Genuss

Bis 1979 floss das Bier hektoliterweise in der Lindenbrauerei in Unna. Heute fließt Strom im... mehr
Bis 1979 floss das Bier hektoliterweise in der Lindenbrauerei in Unna. Heute fließt Strom im Keller der stillgelegten Brauerei in die einzelnen Ausstellungsräume des „Zentrums für internationale Lichtkunst“. Auf 2.500 m2 Ausstellungsfläche sind Lichtkunstwerke von Weltgeltung zu sehen. Ein Besuch in diesem weltweit einzigen Museum mit berühmten Lichtinstallationen ist eine faszinierende Begegnung zwischen avantgardistischer Lichtkunst und historischer Bausubstanz – zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Die Gär-, Kühl- und Lagerräume der ehemaligen Lindenbrauerei liegen zehn Meter tief unter der Erde. Ein Labyrinth aus elf verschiedenen Räumen, denen man ihre längst vergangene Nutzung noch ansieht: Teile technischer Armaturen und alter Versorgungssysteme sind bewusst erhalten geblieben. Im Zusammenspiel mit den Lichtkunstwerken international renommierter Künstler schaffen sie eine ganz einmalige Atmos-phäre. Zwölf Künstler wurden dazu eingeladen, für einen selbst ausgewählten Raum einzigartige Lichtinstallationen zu schaffen. Erleben kann man sie in einer Führung.

Das Zusammenspiel aus „Raum – Licht – Farbe“ faszinierte den Künstler James Turrell aus Los Angeles schon als Kind. In Unna greift er das Thema mit seiner Installation „Float 99“ auf: Der Besucher betritt einen Raum, der in ein farbiges, diffuses Licht getaucht ist und sich darin aufzulösen scheint. Einziger Orientierungspunkt: Eine Leinwand, hinter welcher sich LEDs befinden, die den Raum in eine von Eisblau zu Magentarot changierende Farbigkeit tauchen. Die scheinbare Grenzenlosigkeit des Raumes und sein Farbwechsel führen nach anfänglicher Orientierungslosigkeit des Betrachters zu einer körperlichen Wahrnehmung und Auseinandersetzung mit der Stofflichkeit des Lichts und der eigenen Körperlichkeit. Seit Anfang 2009 schafft James Turrells speziell für Unna konzipiertes Kunstwerk „Third Breath“ neue Sichtweisen. Die Installation verbindet zwei Wahrnehmungsräume. Durch einen unterirdischen Gang ist sie mit dem Museum verbunden. Der Besucher betritt den unteren, dunklen Teil der Installation, die Camera Obscura. Auf einer kreisrunden weißen Marmorfläche kann er nun Reflektionen des Himmels, der Wolken oder auch darüber fliegende Vögel erkennen. Je länger man durch das Loch in den Himmel schaut, umso näher erscheint er einem. Die Dauerinstallation „Tunnel of Tears" des New Yorker Künstlers Keith Sonnier nimmt in besonderer Weise auf die architektonischen Besonderheiten des historischen Raumes Bezug. In einem zweigeteilten Tonnengewölbe lässt er bunte, in verschiedene Formen gegossene Neonröhren durch den Raum schweben, gestaltet in einem Farbenrhythmus aus Rot über Violett bis Blau. Die Kraft des Gedankens beschwört der amerikanische Konzeptkünstler Joseph Kosuth in seiner Lichtinstallation „Die Signatur des Wortes“ – und bricht sie zugleich. Aus den Tiefen eines zehn Meter hohen Raumes leuchtet den Betrachtern ein aus Neonröhren geformter Aphorismus des Dichters Heinrich Heine (1797-1856) entgegen und ist doch nicht lesbar. Ein leicht abfallender, im oberen Raumdrittel beginnender Steg ermöglicht es, sich inmitten des Kunstwerks zu bewegen.

Fans von Architektur und (Licht)-Kunst finden in Unna erhellende, neue Perspektiven. Auch der Genuss kommt nicht zu kurz: In der Gaststätte des soziokulturellen Zentrums fließt auf Wunsch original Lindenbrauerei-Bier ins Glas.

www.lichtkunst-unna.de

Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna Lindenplatz 1 59423 Unna... mehr

Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna

Lindenplatz 1
59423 Unna
www.lichtkunst-unna.de

Fotos

Frank Vinken
www.frankvinken.com