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Ein leuchtendes Versprechen

Kunstwerk von Jochen Gerz in Bochum

Zeitgemäßer könnte das Kunstwerk nicht sein, dass nach elf Jahren Entwicklungszeit nun an der... mehr
Zeitgemäßer könnte das Kunstwerk nicht sein, dass nach elf Jahren Entwicklungszeit nun an der Bochumer Christuskirche direkt neben dem Rathaus fertiggestellt wurde: Der „Platz des europäischen Versprechens“ vom Konzeptkünstler Jochen Gerz sollte eigentlich bereits bis zum Kulturhauptstadtjahr Ruhr 2010 realisiert werden. Doch als Zeichen für Demokratie, für ein friedliches Miteinander und Respekt füreinander ist das Denkmal gerade jetzt mehr als aktuell.

„Wie die Sterne der Nacht ihr Licht geben, so geben die Menschen ihr Versprechen der Zukunft“ – unter diesem Motto lud Jochen Gerz seit 2004 Menschen aus Bochum, dem Ruhrgebiet und aus ganz Europa dazu ein, ihr persönliches Versprechen an Europa abzugeben. Was die Menschen versprachen, welche Zukunft sie für Europa vor sich sahen, bleibt geheim. Allein die 14.726 Namen der Beteiligten stehen für die Auseinandersetzung mit der europäischen Idee. Sie wurden in insgesamt 63 5,40 mal 3,80 m große Basaltlava-Platten eingraviert, die auf dem 3.000 m2 großen Platz im Stadtzentrum verlegt wurden. Kleine Sitzbänke aus Beton neben den Namensplatten laden zum Verweilen und Nachdenken ein. Mit seiner Idee nimmt der Künstler Bezug auf das Denkmal im Turm der Christuskirche, in dem die Namen der Gefallenen des Ersten Weltkriegs zu finden sind. Der „Platz des europäischen Versprechens“ bildet allerdings bewusst einen Gegenpol – er ist nicht den Toten, sondern den Lebenden gewidmet – ein Konzept, das bislang einzigartig ist. Denn die Lebenden sind es, die Einfluss haben auf den Fortgang der Geschichte. Die Zukunft gehört denjenigen, die sie sich heute vorstellen. Damit wird der Platz zum Denkmal für etwas, das es noch gar nicht gibt. Wie die ikonischen Erinnerungs-Arbeiten von Jochen Gerz – das Mahnmal gegen Faschismus in Hamburg-Harburg (1986), das bereits seit Jahren im Boden versunken ist oder das unsichtbare Mahnmal gegen Rassismus in Saarbrücken (1995), spielt auch der Platz des europäischen Versprechens mit der Unsichtbarkeit, der Temporalität und dem Beitrag der Lebenden.

Besonders atmosphärisch wirkt der Ort bei Nacht. Der Franzose Laurent Fachard, der schon 2012 den Elysée Palast in Paris neu illuminierte, realisierte ein einnehmendes Lichtkonzept. Die architektonische Umsetzung des künstlerischen Konzepts haben Soan Architekten aus Bochum in enger Abstimmung mit dem Künstler Jochen Gerz geplant und realisiert.

Der neue Oberbürgermeister der Stadt Bochum, Thomas Eiskirch, ist stolz auf das neue Gesicht des Platzes: „Damit setzt Bochum ein Zeichen für Demokratie.“ Mehr als ein Jahrzehnt hat die Fertigstellung des Auftrags der Stadt Bochum gedauert. Doch die Frage, die der Platz den Besuchern und Passanten stellt, ist heute wie damals dieselbe: „Was ist dein Beitrag zur Zukunft?“