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Ein Ensemble mit Geschichte

Das ZweigertKarree wurde umfangreich restauriert und erweitert

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Ein Zeugnis der fulminanten Stadtentwicklung Essens durch Oberbürgermeister Erich Zweigert (1849-1906) ist die nach ihm benannte Zweigertstraße. An der als Prachtstraße gestalteten Allee entstanden so bedeutende Gebäude wie das Polizeipräsidium und das Landgericht, aber auch das unter Denkmalschutz stehende Kanzleihaus von Dr. Salomon Heinemann und der „Erzhof“. Das ZweigertKaree wurde 2012 vom Düsseldorfer Projektentwickler und Architekten Albert Sevinc erworben und gemeinsam mit Architekt Mirko Radke umfangreich kernsaniert, erweitert und restauriert.

Kein Wunder, dass der Rechtsanwalt und Notar Dr. Salomon Heinemann seinerzeit ein Kanzleihaus von dem renommierten Architekten Prof. Edmund Körner an diesem Ort bauen ließ. Die horizontal gegliederte Backsteinfassade von 1914 wirkt wie aus den 1920er- und 1930er-Jahren. Im Gegensatz zu den im Historismus geplanten Gebäuden des Polizeipräsidiums und Landgerichtes weist die Fassade auf die Reformarchitektur hin. Wertvolle Details wie Einbauschränke, ein verzierter Tresor, Innentüren, Werksteintreppen, ein ausgefallenes Holztreppenhaus, klar geometrisch geformter Stuck, vier Schiebefenster („Chicago-Fenster“) und ein gläserner Aufzug dokumentieren die Aktualität der damals modernen Architektur. Das Denkmal und die später errichteten Gebäude wurden bis 2006 von der Staatsanwaltschaft Essen genutzt.

Die Revitalisierung des Ensembles begann mit der Errichtung einer Tiefgarage im Innenhof sowie einem viergeschossigen Neubau. Die Zweigertstraße 36 und 38 wurden bis auf den Rohbau entkernt und es entstanden 32 individuelle Eigentumswohnungen. Alle Gebäudeteile wurden neu strukturiert, die Treppenhäuser abgebrochen und an anderer Stelle mit Aufzügen neu erstellt. Die Wohnungen mit Größen von 70 bis 250 m2 haben moderne, halboffene Grundrisse, sie sind hochwertig ausgestattet und verfügen über zwei Bäder sowie zwei Balkone. Die Erdgeschosswohnungen haben Gärten und Terrassen zur privaten Nutzung. Die Dachgeschosse sind als helle, großzügige Maisonette-Wohnungen mit Dachterrassen ausgebaut. Durch Baumpflanzungen und Umfassungshecken entlang des Gehweges und der Gärten entstanden grüne Vorgärten. Der Innenhof auf der Tiefgaragendecke dient als Grünanlage mit einer Kinderspielfläche.

Die denkmalgerechte Sanierung des Kanzleigebäudes wurde Ende 2016 abgeschlossen. Mit großem handwerklichem Aufwand und in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege wurde das Kanzleihaus restauriert. Im Ergebnis sind im ersten bis dritten Obergeschoss interessante Büroflächen, zum Beispiel für Rechtsanwaltskanzleien, entstanden. Für das Erdgeschoss wird die ursprüngliche Nutzung eines Notariats gewünscht. Das Souterrain wurde als Gastronomiefläche mit einer Außenterrasse zur Zweigertstraße hin ausgebaut. In den neu errichteten Dachgeschossen des Denkmals entstanden zwei große Maisonette-Wohnungen. Zwei weitere Wohnungen befinden sich an der Kortumstraße 41 im ersten und dritten Obergeschoss. An Stelle des seit Jahren leerstehenden Verwaltungsgebäudes der ehemaligen Staatsanwaltschaft mit einem unscheinbar wirkenden Eckhaus ist mit dem „ZweigertKarree“ eine außergewöhnliche innerstädtische Immobilie mit 36 attraktiven Wohnungen, vier denkmalgerechten Büroflächen, einer Gastronomie mit Außenterrasse und einer Tiefgarage entstanden. Die Architektur von Prof. Körner wurde durch die behutsame Sanierung gewürdigt und das Andenken an die jüdischen Bauherren Anna und Dr. Salomon Heinemann bewahrt. Am Jahrestag des Todes von Dr. Salomon Heinemann gab es im Kanzleihaus am 16.11.2016 eine öffentliche Gedenkveranstaltung. Zu diesem Anlass gaben Albert Sevinc und Mirko Radke ein Buch über das Haus und seine Geschichte heraus. Auch der Name des Ensembles erinnert an die einstigen Bauherren: Kanzleihaus Salomon Heinemann.

www.as-planenundbauen.de
www.architekt-radke.de
Fotos: Roman Weis mehr

Fotos:

Roman Weis