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Vorbildlicher Klimaschutz

Freiburg ist eine der nachhaltigsten Städte Deutschlands

CUBE: Durch die extreme Trockenheit und Hitze der letzten Wochen sowie unwetterartige Regenfälle... mehr

CUBE: Durch die extreme Trockenheit und Hitze der letzten Wochen sowie unwetterartige Regenfälle sind der Klimawandel und seine Folgen derzeit in aller Munde. Insbesondere in den Städten staut sich die Hitze extrem. Wie sieht es konkret in Freiburg aus?

Klaus von Zahn (KvZ): Städte sind immer wärmer als das Umland. Man spricht auch von der Wärmeinsel Stadt. In Freiburg ist dies seit den 1970er-Jahren bekannt und gut untersucht. Besonders belastet sind die dicht bebauten innenstadtnahen Quartiere und Teile der Gewerbegebiete. Entlastung in Hitzeperioden bietet das Berg-Tal-Windsystem, der sogenannte „Höllentäler“, das nachts kühlere Luftmassen von Osten aus dem Schwarzwald bringt.

Mit welchen städteplanerischen Strategien und nachhaltigen Maßnahmen im Klimaschutz und in der Umweltpolitik steuert Freiburg gegen?

KvZ: Bereits mit der Stadtklimaanalyse von 2003 wurde der Aspekt des Stadtklimas, insbesondere des Schutzes vor sommerlicher Hitze, für die Planung handhabbar gemacht. Frischluftschneisen und -entstehungsgebiete fanden Eingang in den Flächennutzungsplan 2020 und wurden weitgehend von weiterer Bebauung freigehalten. Aktuell wird, sozusagen als Weiterentwicklung, ein „städtebauliches Klimaanpassungskonzept Hitze“ erarbeitet. Dieses wird im Herbst fertiggestellt und voraussichtlich im November den politischen Gremien vorgestellt. Es enthält Handlungsfelder und konkrete Maßnahmenvorschläge vor allem für die „Hot Spot Bereiche“ der Stadt. Diese Maßnahmen können im Fall einer Neubebauung oder Umgestaltung umgesetzt bzw. von den jeweiligen Bauherren eingefordert werden. Der Erhalt eines gesunden und ausgeglichenen Stadtklimas wird in Zeiten des Klimawandels zu einer immer wichtigeren Aufgabe. Für die weitere Stadtentwicklung sind daher Kenntnisse notwendig, welche Räume stadtklimatisch besonders belastet und sensibel sind, welche Räume eine ausgleichende Funktion auf das Stadtklima haben und welche Maßnahmen zur Klimaanpassung erforderlich sind.

Wie können die Bürger auch mit kleinen Maßnahmen dazu beitragen, das Klima ihrer Stadt zu verbessern?

Simone Pflaum (SP): Auch hierfür werden sich fachlich fundierte Vorschläge im oben genannten Konzept finden. Beispiele sind Anpflanzungen auf privaten Flächen zur Beschattung von Freiflächen und Fassaden, Fassaden- und intensive Dachbegrünungen, die Entsiegelung asphaltierter oder gepflasterter Flächen und Anlage von Rasen- oder Grünflächen, aber auch die Beschattung von Terrassen, Balkonen und Freiflächen durch Sonnensegel o. ä. In Privatgebäuden kann das Innenklima bei einer Gebäudesanierung durch bessere Wärmedämmung und das Anbringen von Außenjalousien deutlich verbessert werden. Nicht zuletzt ist es an heißen Tagen wichtig, tagsüber Fenster und Türen geschlossen zu halten und die direkte Sonneneinstrahlung mit Jalousien oder Fensterläden zu verhindern. Gelüftet wird in Hitzeperioden ausschließlich nachts und in den frühen Morgenstunden.

Was hat die Stadt in den letzten Jahren in puncto Klima und Energie angestoßen und welche Ziele verfolgt sie?

SP: In Freiburg ist Nachhaltigkeit eine wichtige, gesamtstädtische Aufgabe, an der Stadtpolitik und Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft ebenso Hand in Hand arbeiten wie die Bürgerinnen und Bürger mit ihrem Engagement für eine zukunftsfähige Kommune. Anfang 2011 wurde die direkt dem Oberbürgermeister unterstellte Stabsstelle Nachhaltigkeitsmanagement als Koordinations- und zentrale Steuerungsstelle implementiert, um das grüne Profil der Stadt zu schärfen. Hier laufen alle Fäden der vielfältigen Aktivitäten zusammen und werden Erfahrungen gebündelt, um neue Kompetenzen für zukünftige Herausforderungen zu gewinnen. Bereits 1996 beschloss der Gemeinderat, den CO2-Ausstoß in der Stadt bis 2010 um 25 Prozent zu verringern, 2007 und 2014 wurden diese Klimaschutzziele fortgeschrieben. 2030 sollen die CO2-Emissionen um 50 Prozent gegenüber 1992 gesenkt werden und langfristig ist 2050 Klimaneutralität angestrebt. Voraussetzungen hierfür sind die Halbierung des Energieverbrauchs, die Steigerung der Energieeffizienz im privaten wie gewerblichen Bereich und die vollständige Versorgung aus erneuerbaren Energien. Letzteres kann nur gemeinsam mit den umliegenden Landkreisen erreicht werden, gleichzeitig ist eine grundsätzliche Änderung der klimapolitischen Rahmenbedingungen bei Land, Bund und in der EU erforderlich, die eine Energiewende in diesem Maßstab unterstützen. Klimaschutz in der Stadtteilplanung richtet sich mit Stadtteilprojekten und Förderprogrammen für energetische Sanierung von Bestandsimmobilien privater Haushalte sowie von Gewerbe- und Industrie. Die „Freiburger Effizienzhaus-Standards“ für Neubauten übersteigen seit Jahren die Vorgaben der bundesweiten Energieeinsparverordnung (EnEV). Um die gesammelten Erfahrungen der bereits seit 1992 erhobenen Daten der damals neuen Stadtteile Riesefeld und Vauban auf weitere zukünftige Quartiere übertragen zu können, wurde eine grundsätzliche Verfahrensweise zum Thema „Klimaschutz in der Bauleitplanung“ entwickelt.

Wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Interview führte Karin Freislederer.



Freiburg Green City

Die Stadt Freiburg hat bereits vor über 21 Jahren ein erstes Klimaschutzkonzept mit einem Maßnahmenplan sowie den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. Damit war Freiburg bundesweit eine der ersten Städte, die das noch unbekannte Thema Klimaschutz auf der Agenda hatte. Bis heute hat sich viel getan, um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, die sich die Stadt gesetzt hat: Bis zum Jahr 2030 sollen die Treibhausgasemissionen um mindestens 50 Prozent gegenüber 1992 reduziert werden, 2050 soll Klimaneutralität erreicht werden. Neben den aktiven Maßnahmen kommen der Stadt auch ihre günstigen natürlichen Bedingungen zugute. Freiburg ist mit über 1.800 Sonnenscheinstunden pro Jahr eine der sonnenreichsten Städte in Deutschland – Solaranlagen, so weit das Auge reicht, gehören daher zum Stadtbild.

Die Fragen zur Klimaschutzstrategie beantworten Klaus von Zahn, Leiter des Umweltschutzamts, und Simone Pflaum vom Nachhaltigkeitsmanagement.