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Neues Rathaus als Impulsgeber

Das Rathaus Freiburg ist das erste öffentliche Netto-Plusenergiehaus weltweit

Das Rathaus einer Stadt ist weitaus mehr als nur ein Gebäude. Es hat darüber hinaus symbolhaften... mehr

Das Rathaus einer Stadt ist weitaus mehr als nur ein Gebäude. Es hat darüber hinaus symbolhaften Charakter und sagt viel über das Selbstverständnis der Stadt aus, in der es steht. Das neue Freiburger Rathaus im Stadtteil Stühlinger ist in dieser Hinsicht ein Paradebeispiel, steht es doch für den grundlegenden Wandel der Verwaltung im 21. Jahrhundert und hat in puncto Nachhaltigkeit Vorbildcharakter. Das Rathaus, das nach dem Siegerkonzept von ingenhoven architects im Rahmen eines 2013 ausgeschriebenen internationalen Wettbewerbs errichtet wurde, feierte Ende 2017 Eröffnung. 2018 ist es für Deutschlands wichtigsten Architekturpreis für nachhaltige Gebäude nominiert worden, den die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V. zusammen mit der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e. V. vergibt.

Hell, offen, freundlich und großzügig präsentiert sich das neue Verwaltungszentrum, in dem 840 zuvor auf 16 Standorte verteilte Mitarbeiter nunmehr an einem Ort vereint sind. Von zentraler Bedeutung ist ein „Grüner Campus“, der drei Gebäudetrakte und eine Tagesstätte vereint, die sich in den Grünraum zwischen Eschenholzpark und Universitätsklinikum integrieren. Die Gebäude, in denen neben der Verwaltung auch eine Kindertagesstätte eingezogen ist, bestechen durch ihre Lärchenholzfassaden aus lokalem Waldbestand. Beim Rathaus ist die Fassade aus versetzt senkrecht angeordneten Modulen mit Photovoltaikzellen und hochwertiger Wärmedämmung konstruiert. Viel Tageslicht kommt durch die deckenhohen gläsernen Fassadenelemente ins Innere. Die Fassade des kreisrunden Baus der Kindertagesstätte ist von filigranerer Holzstruktur und wird durch einen umlaufenden Laubengang charakterisiert. Die Architektur unterstützt den Ansatz, das Rathaus näher an die Bürger zu rücken. Herzstück ist der sechsgeschossige Neubau, in dem sich das Bürgerservicezentrum im Erdgeschoss mit Konferenzräumen und Mitarbeiterrestaurant befindet. Neben zwei lichten Kuppeln ist das an einer 47 m langen und 4 m hohen Wand gehängte Kunstwerk „Limon“ von Schirin Kretschmann ein weiteres optisches Highlight. In dem großzügig gestalteten Raum dominieren runde Formen, die eine leichte Orientierung ermöglichen. Helle Materialien und Oberflächen unterstreichen den Eindruck von Transparenz und Klarheit – nur punktuell blitzen Farbakzente in Orangetönen auf. Es können vier große Rotunden angesteuert werden, jede für sich hält zum Schutz der Privatsphäre in den Beratungszonen Sichtschutzwände vor. In den darüber liegenden Geschossen befinden sich flexibel nutzbare Büros und Arbeitsplätze, die neue Formen der Zusammenarbeit unterstützen.

Internationale Aufmerksamkeit ist dem Freiburger Rathaus durch sein nachhaltiges Energiekonzept gewiss. Es ist weltweit das erste Netto-Plusenergiegebäude dieser Art und Nutzung – es speist die überschüssig produzierte Energie ins Stadtnetz ein. Erreicht wird dies durch eine Bündelung vieler Komponenten, die unterstützend ineinandergreifen: Solarthermie im Zusammenhang mit Wärmepumpen, Photovoltaik auf dem Dach und an der Fassade, Dreifachverglasung und vieles mehr.

www.ingenhovenarchitects.com

Fotos:

ingenhoven architects / HG Esch
www.hgesch.de