Architektur in Oberrhein/Baden
Kategorie
Themen
Interior in Oberrhein/Baden
Themen
Kategorie
Garten in Oberrhein/Baden
Themen
Kategorie
Spezial in Oberrhein/Baden
Kategorie

Elektrisches Verkehrskonzept

Freiburg rückt grüne Mobilität in den Mittelpunkt

Wie die meisten europäischen Städte verwendet Freiburg Masterpläne, um eine qualitativ... mehr

Wie die meisten europäischen Städte verwendet Freiburg Masterpläne, um eine qualitativ hochwertige Stadtentwicklung sicherzustellen. Dazu gehört vor allem ein auf Jahre voraus gedachtes Verkehrskonzept, das eine Reduzierung des Individualverkehrs und eine Erweiterung der grünen Mobilität in den Mittelpunkt rückt. Die bereits seit den 1970er-Jahren definierten Maßnahmen verleihen Freiburg den heutigen Ruf als Stadt der kurzen Wege sowie als beste deutsche Region für nachhaltige Stadtentwicklung. Zu verdanken hat sie dies unter anderem dem vom Bund finanzierten „GreenCity-Masterplan“ aus dem Jahr 2018. Ein dominanter Schwerpunkt des Konzepts obliegt dem Verkehr mit Elektromobilität und diesen mit sauberer, erneuerbarer Energie zu betreiben.

Um dem Vorhaben gerecht zu werden, bietet die Stadt finanzielle und beratende Unterstützung beim Kauf von Elektrofahrzeugen inklusive dem notwendigen Ladezubehör wie etwa einer Wallbox und betreibt gleichzeitig einen sukzessiven Ausbau der Ladeinfrastruktur. Die neuesten Standorte befinden sich seit einigen Wochen in der Vaubanallee und der Haslacher Straße. Darüber hinaus ist ein stadtnaher Schnelllade-Hub in Planung. Der Stadtverwaltung war es wichtig, die Bezahlmodelle an den öffentlichen Ladesäulen einer vereinfachten Handhabung zu unterziehen. Für die Stromentnahme zahlt der Elektromobilist entweder mit einer Anbieter-Ladekarte oder einer NFC-fähigen Kredit- oder Girokarte aktuell drei Euro pro Stunde. Zukünftig wird an allen Ladesäulen nach Kilowattstunden (kWh) genau abgerechnet, da Technik und Gesetzgebung eine Lösung für diese faire Abrechnungsmöglichkeit gefunden haben. Aber auch ohne Ladekarte lässt sich Strom tanken, dies wurde über eine QR-Code-basierte Anwendung mit punktgenauer Abrechnung gelöst. Der eigentliche Ladeprozess findet jedoch mehrheitlich auf privatem Grundstück statt. Etwa 80 Prozent nutzen die Möglichkeit der eigenen Stromzufuhr über eine Wallbox, einem Schnellladesystem oder kabellos über eine induktive Ladematte. Bei letzterem liegt der Reiz im Komfort, nicht in der Ladegeschwindigkeit. Zum derzeitigen Stand begründet sich die lange Ladezeit mit einer äußerst geringen Ladeleistung ab etwa 3 kW und einem Energieverlust von rund zehn Prozent. Geeignet wäre hier das Laden über Nacht, um auch die Spitzenzeiten des Stromverbrauchs zu umgehen.
Deutlich schneller erweist sich das Laden über den üblichen Ladeanschluss am Fahrzeug. Die neueren E-Modelle besitzen inzwischen einen bidirektionalen Ladeanschluss. Sein Sinn liegt sowohl im Laden als auch Entladen der Batterie, um die im Auto gespeicherte Energie zusätzlich für externe Geräte zu nutzen oder Energie bei Bedarf in das Stromnetz zurückzuführen (Vehicle-to-Grid).

Das Garten- und Tiefbauamt, bei denen die Verkehrskonzepte gebündelt sind, sieht die Förderung im privaten Sektor als besonders essenziell, vor allem kombiniert mit einer Photovoltaik­anlage. Das entspricht nicht nur dem gesetzten Ziel des Green-City-Masterplans, sondern gleichfalls dem generellen Wunsch nach Reduzierung der Emissionswerte für Schadstoffe und Lärm. Den Verantwortlichen ist gleichwohl bewusst, dass es nicht genügt, den Verbrennungsmotor aus dem Stadtverkehr zu eliminieren und durch elektrisch betriebene Fahrzeuge zu ersetzen. Vielmehr bedarf es eines neuen Mobilitätsdenkens: Weniger Autos, damit sich zusehends die Rohstoffanforderungen beschränken.

- Freiburg/Landkreis Breisgau: ca. 500 rein batterieelektrische PKW
- Ca. 114.000 Elektro-Autos deutschlandweit (Aug. 2019, Kraftfahrt-Bundesamt)
- E-Säulen deutschlandweit: 17.400 (Stand März 2019, BDEW), bis 2020 sind 100.000 Ladestationen geplant
- Ladestationen in Freiburg: 30 (öffentlich zugänglich), entspricht ca. 60 Ladepunkten (Stand April 2019), Planung eines Schnelllade-Hubs in der Innenstadt
- Fördermaßnahmen: kostenfreies Parken während des Ladevorgangs, 10 Jahre Befreiung von der KFZ-Steuer, Kaufprämie für E-Cars (4.000 Euro für batteriebetriebene Fahrzeuge, ausgeschlossen sind Fahrzeuge über 60.000 Euro)
- Verschiedene Maßnahmen im Rahmen des „GreenCity-Masterplans“ und des Verkehrsentwicklungsplans 2020, Beteiligung am Projekt „Aufbau von Ladeinfrastruktur zur Reduktion der NOx-Belastungen in Baden-Württemberg (LINOx BW)“, Förderung mit rund 7 Mio. Euro

Die gängigsten Stecker

- Standard in Deutschland: verschied. CEE-Typ-2 Stecker für Wechselstrom-Ladestationen mit 3, 7, 11 oder 22 kW
- Combo-Stecker Combined Charging System (CCS): als Ergänzung des Typ-2-Steckers gedacht für Schnellladestationen, unterstützt das Laden mit Wechsel-, aber auch Gleichstrom mit bis zu 170 kW
- CHAdeMO-Stecker: in Japan entwickelt, bisherige Kompatibilität mit Citroën, Honda, Kia, Mazda, Mitsubishi, Nissan, Peugeot, Subaru, Tesla (mit Adapter) und Toyota
- Tesla Supercharger: Eine modifizierte Version des Mennekes-Stecker Typ 2. Diese erlauben eine Aufladung des Model S zu 80 % innerhalb von 30 Minuten bei einer Ladeleistung von bis zu 120 kW (Gleichstrom). Bisher keine Kompatibilität mit anderen Herstellern.

Ladekabel

- Mode 2: zum Anschluss an eine gewöhnliche Haushaltssteckdose. Die Kommunikation zwischen Elektroauto und Ladeanschluss übernimmt dabei eine Box, die zwischen dem Fahrzeugstecker und Anschlussstecker geschaltet ist (ICCB, in-cable control box).
- Mode 3: Verbindungskabel zwischen Ladestation und Elektroauto, üblicherweise mit Typ-2-Stecker (EU-Standard)


(Erschienen in CUBE Oberrhein/Baden 0319)