Architektur
Kategorie
Sie können noch Themenbereiche dazu wählen
Themen
Interior
Kategorie
Sie können noch Themenbereiche dazu wählen
Themen
Garten
Themen
Kategorie
Sie können noch Themenbereiche dazu wählen
Spezial
Kategorie
Sie können noch Themenbereiche dazu wählen

„Architektur ist mein Lebenselixier"

Zum 90. Geburtstag des Architekten Fritz Auer

Vorschau: SZ-Photo-FritzAuer-AlessandraSchnellnegger

Copyright: Alessandra Schellnegger/Süddeutsche Zeitung Photo

Vorschau: AW_RathausPforzheim-02-copyright-RolandHalbe

Rathaus Pforzheim Copyright: Roland Habe

Vorschau: AW_ESO_04_copyright-RolandHalbe

ESO Hotel am Cerro Paranal, Chile Copyright: Roland Habe

Vorschau: AW_ESO_02_copyright-RolandHalbe

ESO Hotel am Cerro Paranal, Chile Copyright: Roland Habe

Am 24. Juni 2023 feiert der Bürogründer des Architekturbüros Auer Weber seinen 90. Geburtstag – wir gratulieren von Herzen und blicken zurück auf sein Wirken als Architekt über 60 Jahre. Fritz Auer wurde 1933 in Tübingen geboren und studierte Architektur an der TH Stuttgart sowie an der Cranbrook Academy of Arts in Bloomfield Hills, Michigan (USA) und diplomierte 1962 in Stuttgart. Bereits Anfang der 1950er legte der Bau seines Elternhauses den Grundstein für seine Liebe zur Architektur. „Der Beruf war mir nicht vorbestimmt. (...) Mit entscheidend für meine spätere Berufswahl war der Bau meines Elternhauses bei Tübingen 1951. Damals gab es weder Bagger noch Kran, wir mussten die Baugrube noch mit Pickel und Schaufel ausheben. Der Architekt war ein Mensch mit Künstlerhut, Bauplänen und Lichtpausen, welche den typischen Salmiakgeruch verströmten. Er gab den Bauarbeitern Anweisungen, was zu tun war - und die haben das dann tatsächlich auch gemacht. Das hat mich beeindruckt. Ein Schulfreund schenkte mir während des Hausbaus das Buch über Hans Poelzig von Theodor Heuss, mein erstes Buch über Architektur überhaupt. Außerdem hatte ich schon immer ein starkes Empfinden für haptische Situationen, für Gerüche, Temperaturen, Licht und Schatten. All dies gab den Ausschlag, dass ich mich um einen Studienplatz an der Technischen Hochschule Stuttgart bewarb. In der Aufnahmeprüfung wurde die Frage nach einem bedeutenden zeitgenössischen Architekten gestellt. Mir fiel wieder Poelzig ein – und ich bin mir sicher dass ich deshalb genommen wurde.“ (Fritz Auer im Interview, März 2003, aus: Auer+Weber+Architekten. Arbeiten 1980- 2003, hrsg. v. Andrea Kiock. Basel 2003.)

Bereits während seines Studiums und dann im Anschluss bis 1965 arbeitete er bei Behnisch und Lambart in Stuttgart, 1965 wurde er Partner im Büro Behnisch & Partner. 1980 lösten sich Fritz Auer und Carlo Weber aus der Partnerschaft und gründeten gemeinsam ihr eigenes Büro Auer+Weber+Architekten in Stuttgart und gaben damit den Startschuss für die folgenden Jahrzehnte erfolgreicher Bautätigkeit des Büros Auer Weber an den zwei Standorten in Stuttgart und München, das seit 2006 von Moritz Auer, Philipp Auer, Jörn Scholz, Achim Söding und Stephan Suxdorf geleitet wird. „Die Gebäude sollen offen bleiben für Veränderungen, offen für Interpretationen oder Nutzer. Wir wollen Gebäude, die sich auf das Leben einstellen können...“ Dass sich die Architektur immer ihre jeweilige Ausprägung aus der intensiven Auseinandersetzung mit der Bauaufgabe selbst sowie den Bedingungen und Chancen des Ortes, an dem sie entsteht, bezieht und alle an der Konzeption und Realisierung Beteiligten miteinbezieht, stand für Fritz Auer bei seiner Tätigkeit immer im Vordergrund und prägt noch heute die Haltung des Büros. So erläutert er selbst über die Bedeutung des Ortes für die Gestalt der Bauten: „Wir werden immer wieder gefragt, was unser architektonischer „Stil“ sei, worauf wir entgegnen müssen, dass wir damit nicht dienen können in dem Sinn wie die Frage gemeint ist. Denn von einer „Marken“- Architektur, wie sie von manchen Kollegen gepflegt und von bestimmten Auftraggebern bevorzugt wird, halten wir nichts, weil eine solche vorgefasst und aufgesetzt wirkt, dabei die Gestalt oftmals a priori festgelegt wird nach einem gewollten formalen Kanon oder gar einer kommerziellen oder politischen Zielsetzung, anstatt sie aus den Bedingungen einer jeweils anders gearteten Aufgabenstellung entstehen zu lassen.“ (Fritz Auer, Die Bedeutung des Ortes für die Gestalt unserer Bauten, in Der Bauberater, 01/2023)

Entstanden sind zahlreiche architektonische Konzeptionen und Bauwerke, die sich in ihrer Bauaufgabe, Herangehensweise und Ausgestaltung unterscheiden – die vom skulptural gefassten Volumen bis zu strukturellen offenen Landschaften reichen. Gemeinsamer Nenner des so Entstandenen ist die Offenheit und Eingängigkeit für Sinne und Verstand. Die Nachvollziehbarkeit des Entwurfes gibt Orientierung und ermöglicht unterschiedliche Wege der Aneignung und Interpretationen durch Nutzer und Betrachter. Letztes Jahr feierten die Olympischen Spiele, die 1972 in München ausgetragen wurden, ihr 50-jähriges Jubiläum und somit auch die damit eng verknüpften Bauwerke sowie die Ausgestaltung des Olympiaparks. Die Olympiabauten mit Ihren prägnanten Zeltdächern, für die Fritz Auer maßgeblich verantwortlich war, zählen unweigerlich zu den Schlüsselwerken seines Schaffens wie auch zahlreiche weitere Bauwerke, die anschließend im Büro Auer+Weber+Architekten entstanden sind. Dazu gehören unter anderem das Landratsamt Starnberg (1982), der Wettbewerbsbeitrag für den Deutschen Pavillon auf der EXPO in Sevilla (1992,1. Preis, nicht ausgeführt), das Ruhrfestspiel in Recklinghausen (1994), das Alte Rathaus Pforzheim (1998) und das ESO Hotel am Cerro Paranal in Chile (2002) – um nur einige zu nennen. Die Architektur wurde vielfach mit renommierten Architekturpreisen ausgezeichnet.

Neben seiner Passion für das kreative Entwerfen von Architektur und die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Bauaufgaben liegt Fritz Auer gleichsam die Vermittlung dieser am Herzen, wie sich in seiner jahrelangen Lehrtätigkeit, den zahlreichen Publikationen und Ausstellungen des Büros zeigt. Zusätzlich zu seiner Tätigkeit als planender Architekt lehrte er an verschiedenen Hochschulen, wie von 1985-92 als Professor für Baukonstruktion und Entwerfen an der FH München und von 1993-2001 als Professor für Entwerfen an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Fritz Auer ist Mitglied des BDA und seit 1993 der Akademie der Künste in Berlin. Er erhielt unter anderem mehrfach den Deutschen Architekturpreis der Bundesarchitektenkammer und die Nike des BDA. 2014 wurde er von der Bayerischen Staatsregierung mit der Leo-von-Klenze-Medaille ausgezeichnet. Seine Freude über Architektur zu sprechen, spiegelt sich auch in seinen Publikationen wieder. Zuletzt erschien 2022 „Ein Zeltdach für München und die Welt. Die Verwirklichung einer Idee für Olympia 1972“. Anlässlich des Jubiläums erscheinen im Herbst dieses Jahres zwei neue Werke, die mit persönlichen Notizen, Tagebucheinträgen und Briefen Einblicke in sein Architektenleben geben und seine Lebensreise als Architekt beschreiben. Beide Bücher werden im Rahmen zweier Vortragsveranstaltungen in Stuttgart und München von Fritz Auer im Dialog vorgestellt. Die Veranstaltungen sind für Herbst dieses Jahres geplant.

www.auer-weber.de