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Rundumerneuert

Aus einer Kirchensanierung wird die Entwicklung eines durchdachten Gesamtensembles

Rund vier Kilometer von Dachau entfernt liegt die Gemeinde Hebertshausen, wo über eine... mehr

Rund vier Kilometer von Dachau entfernt liegt die Gemeinde Hebertshausen, wo über eine Geländekante die Kirche St. Georg inmitten eines Friedhofs thront. Als spätromantischer Saalbau wurde sie im Laufe der Zeit mehrmals umgebaut, sodass von der historischen Ausstattung kaum noch etwas erhalten ist. Aufgrund zahlreicher Bauschäden und des vernachlässigten Erscheinungsbildes der Kirche war eine umfangreiche Grundsanierung erforderlich. Dabei war schon früh klar, dass die bauliche Ertüchtigung nicht ohne substanzielle Eingriffe funktionieren würde. Zudem stellte sich die Frage, wie die Kirche angesichts eines neu errichteten Gotteshauses zukünftig genutzt werden sollte.

„Dank des engen Schulterschlusses zwischen kirchlicher und politischer Gemeinde konnten wir über die Pflichtaufgaben wie Sanierung und Bau einer Aussegnungshalle hinausdenken und ein Konzept für ein Gesamtensemble realisieren“, erklärt Architekt Markus O. Kuntscher vom beauftragten Büro Heim Kuntscher Architekten und Stadtplaner. Zu diesem Konzept gehörte es, die Kirche in ihrer Bedeutung als Friedhofskirche zu stärken. Um das zu erreichen, erhielt das Gotteshaus einen neuen Eingang an der Westseite. Dafür musste im Außenraum ein Plateau geschaffen werden, auf das man aus der Kirche treten kann. Im Inneren wird die Kirche in buntes Licht getaucht, was den farbenfrohen Kirchenfenstern zu verdanken ist. Während die Öffnungen im Chorraum mit opalem Weißglas bestückt sind, entwickelte der Münchner Künstler Prof. Jerry Zeniuk eine feinsinnige Farbkomposition für die acht Fenster des Langhauses.

Zum Gesamtensemble gehört ebenfalls das Leichenhaus. Da das kleinteilige Gebäude weder eine würdevolle Aufbahrung noch Aussegnungsfeiern erlaubte, wurde es entkernt und der Raum nach oben zum Dach geöffnet. Zudem erhielt das Haus eine umlaufende Auskleidung aus schwarzgrau lasiertem Holz, die vor den Fenstern jeweils als eine Art wandhoher Klappladen ausgebildet ist. Mit den beweglichen Elementen lassen sich für die persönliche Abschiednahme Licht und Stimmung im Raum modulieren.

Um zu verhindern, dass die neue Aussegnungshalle in Konkurrenz zu den historischen Gebäuden tritt, bleibt die Halle in der Höhenentwicklung darunter. Als eine Aufweitung der Friedhofsmauer konzipiert, schließt sie an das Leichenhaus an und erstreckt sich von dort in Richtung des Friedhofhaupttors. Abschließend lässt sich sagen, dass die Transformation einer Kirche selten so grundlegend erfolgt wie bei St. Georg. Schließlich reichte hier die Verwandlung vom landschaftsplanerischen Neuordnen des weiteren Umfelds über das Ergänzen einer Aussegnungshalle bis zum Gestalten von Altar und Fenstern in der denkmalgeschützten Kirche.

www.heim-kuntscher.de

Fotos:

Florian Holzherr
www.florian-holzherr.com

(Erschienen in CUBE München 04|21)

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