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Neuer Glanz im Untergrund

Modernisierung der Verteilerebene des Münchner Hauptbahnhofs

Früher waren unterirdische Passagen eine Herausforderung für klaustrophobisch veranlagte... mehr
Früher waren unterirdische Passagen eine Herausforderung für klaustrophobisch veranlagte Passanten – auch die aus den 1980er-Jahren stammende Verteilerebene am Hauptbahnhof machte da keine Ausnahme.

Aus Tragwerksgründen – der Betondeckel der Verteilerebene wies starke Tausalzschäden auf – war dringend eine Sanierung erforderlich, und damit einhergehend auch eine Modernisierung. Die zuvor etwas chaotisch anmutende Anordnung der Ladengeschäfte und Kioske ist nun verschwunden. Stattdessen entstand ein großzügiger, tagesheller und übersichtlicher Raum, dessen Grund-Entwurfsidee es war, die unterirdische Fläche zwischen Eingangsgebäude des Hauptbahnhofes und dem ehemaligen Hertie-Kaufhaus in eine mittig verlaufende „Straße“ umzugestalten, an deren Westseite – also der auf der Bahnhofseite gelegenen Flanke – sich Ladengeschäfte befinden und auf der gegenüberliegenden „Straßenseite“ eine hinterleuchtete Glaswand, in die alle nötigen Funktionen, Ticketautomaten, Uhren, Telefone, Orientierungstafeln usw. integriert sind.

Der Entwurf stammt vom Architekturbüro Auer Weber, das auch den Wettbewerb für den Bau des neuen Empfangsgebäudes gewonnen hat. Drei Jahre dauerten die Bauarbeiten bei laufendem Betrieb, was eine logistische Meisterleistung darstellt, für die eigens ein Baulogistiker engagiert wurde. Die Eröffnung war im Frühjahr 2014. Die Architekten gingen sparsam mit Materialien und Farben um: Glas, Stein, Beton, Metall wurden hier verbaut und schaffen einen ruhigen, unaufgeregten Raum. Voll verglast sind die Läden und ebenso das neue Kundencenter der MVG, der Auftraggeberin der Umbaumaßnahme. Der sich nördlich anschließende Trakt hingegen, der zur S-Bahn-Stammstrecke führt, ist Eigentum der Deutschen Bahn und wird nach einem anderen Gestaltungskonzept soeben erst saniert und modernisiert.

Die neue Verteilerebene misst 175 m in der Länge und circa 33 m in der Breite, die Bruttogeschossfläche beträgt 8.400 m2. Ein wenig störend ist die mit 2,69 m etwas geringe Raumhöhe, die jedoch durch die frühere Planung vorgegeben war.
Eine wesentliche gestalterische Funktion übernimmt hier das Licht. Während die Decke in der früheren Verteilerebene noch mit Metalllammellen verkleidet und mit blendenden Leuchtstoffröhren ausgestattet war, wurde nun eine dezente Gitterstruktur gewählt, die mit energiesparenden LED-Spots bestückt ist, die eine freundliche Atmosphäre schaffen. Unterstützend kommt die Lichtwand auf der Ostseite hinzu, die automatisch die Farbtemperatur der Lichtverhältnisse draußen simuliert. Nachts leuchtet sie in einem kühlen Blau, mittags ist die Helligkeit am stärksten und am frühen Abend verwandelt sich die Lichtstimmung wie bei einem Sonnenuntergang in einen leichten Rot-Ton – dies alles ermöglicht das Konzept der Lichtplaner Bartenbach mit dem Einsatz von automatisch gesteuerten LED's. Im Bereich der Aufgänge zum Straßenniveau simulieren zusätzliche Spots „Sonnenflecken“ und signalisieren so: „Hier geht es nach oben“ – ein schöner Täuschungseffekt. Ebenso wird den nach unten gehenden Passanten eine Adaptionsmöglichkeit an die anderen Lichtverhältnisse unten ermöglicht.

Der Boden wurde mit 90 mal 90 cm großen Granitplatten neu verlegt. Als Orientierungshilfen für Blinde und Sehbinderte sind dunkle Natursteinbänder in den Steinboden integriert. Vollverglast sind auch die Abgänge zu den U-Bahnlinien U1/U2. Die gut sichtbare und klar angeordnete Signaletik verhilft den Fahrgästen zur raschen Orientierung. Ebenfalls neu sind auch die in die Stirnseiten eingelassenen elektronischen Tafeln, die die Abfahrtszeiten der Züge anzeigen.

Insgesamt eine vorbildlich umgesetzte und anspruchsvolle architektonische Aufgabe, an einem vormals unwirtlichen Ort eine völlig neue Aufenthaltsqualität zu schaffen.

www.auer-weber.de
Architekten: Auer Weber www.auer-weber.de Fotos: Aldo Amoretti www.aldoamoretti.it... mehr

Architekten:

Auer Weber
www.auer-weber.de

Fotos:

Aldo Amoretti
www.aldoamoretti.it Roland Halbe
www.rolandhalbe.eu