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MEHR PLATZ FÜR DEN BLAUEN REITER UND CO.

Umbau und Erweiterung des historischen Lenbachhauses

Schon lange war der Städtischen Galerie im Lenbachhaus ihr Gewand zu klein. Sie platzte aus allen... mehr
Schon lange war der Städtischen Galerie im Lenbachhaus ihr Gewand zu klein. Sie platzte aus allen Nähten. Spektakuläre Ausstellungen, wie z.B. die Kandinsky-Ausstellung 2009, lockte 400.000 Besucher aus aller Welt an. Diesem Andrang war die ursprünglich als Atelier und Künstlervilla konzipierte Anlage nicht mehr gewachsen. Nun, mit dem An- und Umbau von Foster + Partners ist das alles anders geworden. Nach vierjähriger Schließzeit öffnete das neue Lenbachhaus Anfang Mai seine Pforten und es bildeten sich sofort lange Besucherschlangen.

Ritter von Lenbach - so durfte er sich seit 1886 nennen - hätte sicherlich nicht gezögert, sich Lord Norman Foster als Architekten für diese Spezialaufgabe zu holen, wenn er denn heute gelebt hätte - gilt das Büro Foster + Partners doch mittlerweile als Spezialist für die Anpassung historischer Gebäude an heutige Nutzungsbedingungen. Bei dieser Aufgabe sah sich Foster mit folgenden Anforderungen konfrontiert: Die Dreiflügelanlage der Lenbachschen Villa mit Seitenflügeln war unantastbar. Ein deutlich größeres Foyer, neue Ausstellungsräume sollten hinzugewonnen werden und die zeitgemäßen technischen Anforderungen an ein Kunstmuseum mussten erfüllt werden. Foster spielt mit den historischen Details der Dreiflügelanlage: Er nimmt die Säulenmotive des Atelierbaus als Fassadenelement wieder auf, indem er sie aus metallenen Röhren mit etwa 12 cm Durchmesser nachbildet und seinen Anbau damit verkleidet.

Nun steht der ,güldene‘ Foster-Trakt fertig da. Hier fand der größte und sichtbarste Eingriff statt: Der verwinkelte Erweiterungsbau von Heinrich Volbehr aus den 70er Jahren wurde abgerissen und damit ergab sich die Möglichkeit, eine völlig neue Erschließung unter Beibehaltung der historischen Bausubstanz zu schaffen. Nun konnte Foster das Raumprogramm, das er realisieren sollte, in die neue Situation ,hineinpacken‘: Ein großzügiges Foyer mit Kassenhalle und Garderobe, eine neue Eingangssituation und damit Neuorientierung des Museums zum Königsplatz und den Propyläen hin, ein Café plus Restaurant, ein großzügiger Museumsladen, ein Vortragssaal, ein Zentrum für Kunstvermittlung und zwei Geschosse mit Ausstellungsräumen im Neubau. Der eigentliche Coup Fosters vermittelt sich erst beim Betreten des Foyers, genauer: des Atriums. Er stellt die Fassade der Lenbachvilla frei, die bisher - verdeckt von Volbehrs Anbau - nie zu sehen war. Wie eine historische Kulisse aus Pappmaché steht ein Teil dieser ockergelben Fassade in diesem riesigen Foyer und gibt im oberen Drittel den Blick frei geradewegs hinein in Lenbachs ehemalige Privatgemächer. Ein schönes, überraschendes und spielerisches Moment des alten Museums im neuen. „Die Villa Lenbachs, die bisher nie ganz zu sehen war, wird selbst Objekt der Betrachtung“, so drückt es Helmut Friedel, Direktor seit 1990, aus. So beginnen die Ausstellungsräume im Prinzip bereits im Atrium, noch bevor man die Treppe nach oben zu den neuen Räumen geht.

Der zweite Coup und Eyecatcher ist die gewaltige von der Decke hängende Skulptur von Olafur Eliasson aus poliertem Metall und farbigem Glas, die der Künstler eigens für dieses Foyer entwickelt hat. Sie trägt den Namen ,Wirbelwerk‘, ist mehrere Tonnen schwer und misst 7 Meter im Durchmesser und 8 Meter in der Länge. Je nach Lichteinfall beginnen die Glasscheiben des spiralförmigen Wirbels zu leuchten und farbige Schatten an die weissen Wände zu werfen - ein tolles Farbenspiel.

Dritter Coup Fosters ist, dass er im Neubau ein zweites Obergeschoss hinzugewinnt und es schafft, trotzdem nicht über die Traufhöhe der Villa hinauszukommen. Hier oben haben die Kunstwerke des ,Blauen Reiters‘ ihr neues Domizil gefunden. Im Neubau und im Riegel, der sich hinter dem historischen Bau an der Richard-Wagner-Strasse an das alte Gebäude angliedert, kommt es also zu einem Raumzuwachs, mit kleinteiligen Räumen zwar, aber das war Fosters Programm. Er wollte mit seinen Eingriffen stets dem Grundsatz treu bleiben ,Make it more domestic‘ - der Besucher soll sich fühlen, als wäre er bei einem reichen Sammler zu Gast, wenn er die Ausstellungsräume durchwandert.

Ein weiteres ,Kunst-am-Bau‘-Objekt ist Thomas Demands Aussenskulptur des Schriftzuges ,Lenbachhaus‘ an der messingfarbenen Fassade. Demand entwickelt den Schriftzug sozusagen als Zeitschiene: hinten beginnend mit einer Antiqua-Schrift, die 1929 bei Eröffnung des Lenbachhauses als Museum Verwendung fand und die sich vorne verjüngt, auf die schmale Groteskschrift, die das Haus heute verwendet. Er hat dafür eigene Formen gebaut, jeder Buchstabe ist eigens erfunden. Auch die Lichtsituation im Innern ist völlig neu: Erst während des Umbaus wurde ein weltweit noch einmaliges Lichtsystem auf LED-Basis entwickelt. In den oberen Räumen wird durch Lichtsheds Nordlicht in die Räume gebracht.

Die wunderschöne Gartenanlage wird hinfort nur noch vom Museum aus begehbar sein und mehr als bisher als Skulpturengarten genutzt werden. Mehr denn je ist das Lenbachhaus mit seiner weltberühmten Sammlung zum Publikumsmagneten für Gäste aus aller Welt geworden.

www.fosterandpartners.com
www.lenbachhaus.de
Architekten Nigel Young Foster + Partners www.fosterandpartners.com Fotos Nigel Young... mehr

Architekten

Nigel Young Foster + Partners
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