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Keine alltägliche Aufgabe

Geothermieanlage als architektonische Herausforderung

Die Gemeinde Grünwald im Süden Münchens beschloss vor etwa zehn Jahren, ihre Heizversorgung auf... mehr

Die Gemeinde Grünwald im Süden Münchens beschloss vor etwa zehn Jahren, ihre Heizversorgung auf Geothermie umzustellen. Seit 2016 sind die gesamten Gebäude und Außenanlagen der „Geothermie Grünwald“ fertiggestellt. Die Inbetriebnahme und die Gewinnung von „grüner“ Energie konnte sogar schon etwas früher stattfinden. Zunächst galt es jedoch, den optimalen Standort zu finden. Die Wahl fiel auf eine Lichtung am Rande des Landschaftsschutzgebiets des Grünwalder Forstes nordöstlich der Ortschaft Laufzorn. Bei Probebohrungen im Bereich der geothermischen Quelle Laufzorn stieß man in etwa 3.500 m Tiefe auf Erdwärme mit bis zu 130 Grad heißem Tiefenwasser. Wegen der unvermeidlichen Geräuschentwicklung bei der Stromgewinnung durften sich auch keine bewohnten Flächen in unmittelbarer Umgebung befinden.

Jede Menge Herausforderungen stellten sich für die planenden und ausführenden Architekten Georgens + Miklautz Partner: Für die Platzierung der Anlage wählte man den tiefsten Punkt der Topografie um das Kraftwerk einzubetten, sodass die Höhenentwicklung inmitten der Landschaft am wenigsten in Erscheinung tritt. In erster Linie galt es, eine architektonische Sprache zu finden, die den technischen Anlagen ein ansehnliches Aussehen verleihen. Hinzu kam ein Freiflächenkonzept, das vorsah, die umgebende Landschaft nach den Bauarbeiten in ihrer Ursprünglichkeit wieder herzustellen. Auf dem 4,6 ha großen Areal inklusive der nötigen Freianlagen stehen heute drei Baukörper, zwei große Bauten in L-Form zuei­nander sowie ein kleineres vorgelagertes Gebäude – der Besucherpavillon, der von den Architekten Böhmer Laubender entworfen wurde. Einer der länglichen rechteckigen Baukörper ist das Heizwerk, das im rechten Winkel dazu stehende Gebäude ist das Stromkraftwerk, in dem besonders in der warmen Jahreszeit aus der überschüssigen Energie Strom gewonnen wird. Sie umschließen sozusagen den ebenerdigen Bohrplatz. Ringsum gibt es Sichtschutzanlagen in Form von einheimischen Büschen und Sträuchern. Die wesentliche optische Maßnahme des Entwurfs ist jedoch die Verschalung der gesamten Hochbauten mit naturbelassenen sägerauen Lärchenholzriegeln mit 6 x 8 cm Stärke, die im Abstand von 5 cm und einer 8 cm tiefen Hinterlüftung auf eine dunkel gestrichene Beton-Untergrundkonstruktion aufgebracht sind. Die Holzverschalung der gesamten Geothermieanlage verleiht ihr ein „umweltverträgliches“ Äußeres und fügt sich perfekt in die Umgebung ein.

www.goergens-miklautz.de

Fotos:

Hans Engels
www.hans-engels.de

(Erschienen in CUBE München 03|19)