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Isarbelle - Die Schöne an der Isar

Individueller Wohnturm statt „Stapelbude“

Hier handelt es sich nicht etwa um eine Lorelei-artige Schönheit, die am Isarrand sitzend ihr... mehr

Hier handelt es sich nicht etwa um eine Lorelei-artige Schönheit, die am Isarrand sitzend ihr Haar kämmt, sondern um ein Wohnhochhaus der ganz anderen Art. Wie es zu seinem Namen kam, ist relativ einfach: Der Vorstand der Baugesellschaft mixte ihn aus dem Namen seiner Tochter Isabelle und der nahe gelegenen Isar, wie er in einem Interview gestand.

Auf dem ehemaligen Siemensgelände mit der stattlichen Größe von 19,5 ha zwischen Ober­sendling und Solln entstand seit 2009 ein neues Wohnviertel, die „Südseite“. Der Bebauungsplan von Diener & Diener sah auf diesem Areal auch fünf Wohntürme, mit einer recht moderaten Höhe von 50 m vor.

Eines davon ist das besagte „Isarbelle“ der Baugesellschaft Pandion. Gerade während der derzeitigen Debatte um den langweiligen Wohnungsbau in München wurde das Haus des Öfteren als positives Beispiel hervorgehoben - zu Recht. Es ist schon aus der Ferne ein „Eyecatcher“ und es hält auch bei näherer Betrachtung was es von Weitem verspricht. Der fast quadratische, geschwungene Baukörper, 48 m hoch und 24 m breit, also mit einem Seitenverhältnis von 1 zu 2, wirkt schlanker und höher als er tatsächlich ist. Der optische „Trick“ sind die diagonal verlaufenden Fenster: Sie strecken den Baukörper und geben ihm Dynamik. Die vorstehenden Erker bzw. eine moderne Interpretation derselben als Aussichtskanzel, sind strukturierendes Element einerseits und mit ihrer Einfassung aus anodisiertem Aluminium an drei Seiten als Sichtschutz, sorgen sie zusätzlich für Wahrung der Privatheit.

Das Haus stammt aus der Entwurfswerkstatt von Hierl Architekten, und am besten charakterisiert der Architekt die Besonderheit selbst. Prof. Dr. Rudolf Hierl: „Als Gegenentwurf zur Anonymität des 70er-Jahre Wohnhochhauses wollten wir den individuellen Aspekt betonen. Wir haben gesagt, wir machen das genaue Gegenteil: Wir machen ein Haus, das bereits der Form eine wichtige Rolle zugesteht.“ Die Vorgabe im Bebauungsplan war - was immerhin schon erstaunlich ist - fünfeckige Hochhäuser zu bauen. Hierl durchbrach diese Auflage und setzte einen nahezu quadratischen Entwurf mit gerundeten Ecken dagegen. Vielleicht gewann er den prominent besetzten Wettbewerb gegen acht Kollegen genau deswegen. Das Fünfeck bringt den Nachteil mit sich, dass eine Wohnung immer zu wenig Licht abbekommt, bei der nun gebauten Variante hat jede Wohnung Ausblick nach mindestens zwei Seiten. Hierl konnte sogar gegen jegliche Hochhausrichtlinie Brüstungen von nur 40 cm Höhe durchsetzen, die übliche Höhe liegt bei 110 cm.

Der wirkliche Clou des Hauses aber offenbart sich erst innen: Das Haus dreht sich spiralförmig. Die 16 Stockwerke sind als versetzte Einzelelemente übereinandergesetzt. Der Architekt erläutert: „Jedes Stockwerk rotiert und hat einen anderen Grundriss. Das ist konstruktiv mit einem gewissen Aufwand verbunden. Es ist bezeichnend für die Pandion Baugesellschaft, die unser Bauherr war, sich darauf einzulassen. So entsteht erstens die Diagonale, die den Körper streckt, und das Zweite ist die Doppelhelix, dieses sich um die eigene Achse drehen, erzeugt optisch mehr Vertikalität.“ Die einzelnen Wohnungen haben unterschiedliche Formen, Größen und variable, dem Nutzungszyklus anpassbare Grundrisse. Es gibt zwei, drei oder auch fünf Wohnungen pro Etage. Jede Wohnung hat, je nach Größe, zwei Vorbauten - den bereits erwähnten Erker und/oder eine Loggia.

Das kann sich ja doch wieder keiner leisten, denkt man spontan - der Blick in die Berge muss in München ja bekanntlich teuer bezahlt werden. Weit gefehlt: Die Stadtsparkasse kaufte das Gebäude und verkauft die Wohnungen nicht, sondern vermietet sie - zu Preisen des Münchner Mietspiegels. Es geschehen noch Wunder, die alle hier versammelt scheinen: Ein findiger Architekt der ein individuelles Wohnhochhaus entwirft, ein innovationsfreudiger Investor, der nicht nur an den Profit denkt und ein Vermieter der soziales Engagement unter Beweis stellt!

www.hierlarchitekten.de

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Architekten

Hierl Architekten
www.hierlarchitekten.de

Fotos

Mark Sengstbratl
www.mark-sengstbratl.net
Florian Holzherr
www.florian-holzherr.com