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Hoch hinaus mit Holz

Das erste Holzhochhaus und seine kleineren Nachbarn

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Ein Hochhaus aus Holz? Bis vor wenigen Jahren hätte sich niemand an eine solche Aufgabe herangewagt. Die Kleinstadt Bad Aibling in der Nähe von Rosenheim tat es: Auf dem Areal der ehemaligen US-Kaserne im Stadtteil Mietraching wuchs nach Abzug des Militärs ein Parkgelände, das nun peu à peu zur Null­energiestadt werden soll. Und welcher Baustoff wäre hierfür geeigneter als Holz? Holz ist voll recyclebar, Holz atmet, Holz schafft eine warme Raumathmosphäre, Holz ist ein nachwachsender Baustoff, und es dient als CO2-Speicher dem Klimaschutz.

Experimentierfreudig wie die 18.000-Seelen-Stadt offenbar ist – ein ultramodernes Rathaus im Zentrum (siehe CUBE 1/14), eine Therme, die Gäste von überall her anlockt – so ist nun auch dieses Holzhochhaus in zweierlei Hinsicht rekordverdächtig: Es war zu seiner Entstehungszeit 2011 das zweithöchste Hochhaus und ist immer noch das höchste Deutschlands, das nahezu vollständig aus Holz erbaut wurde.

„Holz8“ entstand nach dem Entwurf von Schankula-Architekten, einem Münchner Büro, das sich schon lange intensiv mit dem Baustoff Holz beschäftigt, und es ist ein Prototyp der Holzbauarchitektur: Acht Geschosse mit reinen Holzdecken und einer Holzbekleidung – das hatte es bislang nicht gegeben.

Eine weitere Innovation dieser Bauweise sind die „Blockständerwände“, die bis zu 12 m Länge hergestellt werden können, und derart hoch belastbar sind, dass sie mehrere Stockwerke über sich tragen.

In den beiden unteren Stockwerken befinden sich Büros, in den darüber liegenden Stockwerken 3-8 Wohnungen mit verschiedenen Grundrissen, von der 1- bis zur 3-Zimmer-Wohnung. Quasi als Krönung wurde das oberste Stockwerk zu einem großzügigen Penthouse mit Dachterrasse ausgebaut.

Alles aus Holz? Nicht ganz: Das Fundament und der Treppenkern aus Beton sind sozusagen die Wirbelsäule und eines der wenigen anorganischen Elemente bei diesem Haus, sieht man von der Stahlunterkonstruktion der Balkone mit ihren farbigen Geländern ab.

Als Pilotprojekt ging dem Hochhaus zwei Jahre zuvor ein 4-stöckiges Wohngebäude, „Holz4“, voraus. Hier bestand wirklich das gesamte Gebäude, einschließlich des Aufzugschachtes und der Balkone, aus Holz. Architekt Schankula: „Es ist in sich selbst ausgesteift und kommt ganz ohne stützende Wirkung eines Betontreppenhauses aus. Als Konzession an die Brandschutzauflagen gab es hier eine außenliegende Stahltreppe, und die Wand musste verputzt werden."

Zusätzlich zu den oben angeführten Vorteilen des Baumaterials Holz kommen noch weitere zeitsparende Aspekte hinzu: Einzelne Bauteile werden bis zu einer Länge von 12 m vorgefertigt und ermöglichen so die schnelle Montage. Die Lärmbelästigung für Anwohner ist wesentlich kürzer und geringer und der Aufbau dauert nur etwa ein Zehntel so lang. Die Errichtung des 8-geschossigen Holzhochhauses war in drei Wochen geschafft. Inklusive des weniger störenden Ausbaus betrug die Bauzeit insgesamt ein halbes Jahr.

Die Energieversorgung der Häuser auf dem parkähnlichen Gelände erfolgt durch ein Hackschnitzel-Kraftwerk, das sich in der Nachbarschaft befindet. Nach Angaben des Betreibers ist lediglich ein Heizwärmebedarf von 17,2 kWh/ m² erforderlich, was nahezu einem Passivhaus-Level entspricht. Als vorerst letztes und drittes Gebäude entstand das Haus „Holz5“ – ein 5-geschossiges Hybridhaus, sprich eine Mischkonstruktion aus Holz- und Betonelementen. Hier – ebenfalls ein Prototyp – besteht der Vorteil darin, dass bei dem eingesetzten Deckensystem 80 Prozent weniger Stahl benötigt werden, als sonst üblich.

Alle drei Häuser sind, wenn man so will, eine Weiterentwicklung des traditionellen Holzbaus, mit modernen Fertigungstechniken und neuen Technologien, die den heutigen Baustandard voranbringen.

www.schankula.com

Architekten: Schankula Architekten www.schankula.com Fotos: Schankula Architekten mehr

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