Architektur in Artikel
Kategorie
Themen
Interior in Artikel
Themen
Kategorie
Garten in Artikel
Themen
Kategorie
Spezial in Artikel
Kategorie

Geschichtsbewusste Transformation

Vorbildliche Umnutzung eines Hochbunkers

70 Jahre lang stand an der Ungererstraße 158 ein aus dem Zweiten Weltkrieg übrig gebliebener... mehr

70 Jahre lang stand an der Ungererstraße 158 ein aus dem Zweiten Weltkrieg übrig gebliebener Hochbunker. Nun ist aus ihm ein nobles Büro- und Wohnhaus geworden. Der Umbau war eine Gratwanderung: Einerseits ging es darum, die Vergangenheit nicht zu leugnen – der Bunker steht unter Denkmalschutz – andererseits sollte er zu etwas Neuem transformiert werden, das sich ausschließlich der Gegenwart und Zukunft verpflichtet sieht. Erbaut wurde er 1943 als einer von 40 Hochbunkern in München. Er sollte die Zivilbevölkerung bei Luftangriffen schützen. Die nahezu einheitliche Gestaltung, die sie allesamt hatten, ist ein Hinweis auf den martialischen Baustil der München als „Hauptstadt der Bewegung“ kennzeichnen sollte.

Der heutige Besitzer ist Stefan F. Höglmaier, Gründer und Geschäftsführer des Immobilienentwicklers Euroboden. Sein Credo ist es, Architekturkultur zu schaffen und zu bewahren – somit ließ er sich trotz aller wohlmeinenden Warnungen nicht davon abhalten, den Bunker 2010 zu kaufen. Stefan Höglmaier suchte sich das passende Architektenteam, das bereit und in der Lage war, die Herausforderung anzunehmen, den Bunker in ein Wohngebäude umzuplanen. Er fand das junge Büro raumstation in Starnberg. Heute, nach Vollendung der Herkulesaufgabe kann man nur sagen „Hut ab“ – sie haben ihre Aufgabe gut gemacht.

Hätte er sich darauf eingelassen, wenn er gewusst hätte, was da auf ihn zukommt? Allein die Beton-Rückbauarbeiten zogen sich über ein halbes Jahr lang hin. Mit schwerem Gerät frästen Spezialfirmen Öffnungen für die großen Fenster in die 2 m dicken Wände. 2.000 Tonnen Massivbeton wurden aus dem Bunker herausgebohrt, gesägt, geschlagen. Ein besonderes Problem war, aus der Betondecke, die den oberen Abschluss des Gebäudes bildete, einen Betonkern herauszulösen, der Platz für eine Wendeltreppe schaffen sollte, die zum oben aufgesetzten Penthouse führt. Dieser Betonkern allein wog 35 Tonnen und wäre zu schwer gewesen für die Geschossdecke darunter – also musste er zersägt werden und in Teilen abtransportiert werden. Alles in allem ein unvorstellbarer Kraftakt.

So entstand von 2012 – 2014 der „Neubau“, der nun folgendes Innenleben hat: In den Etagen 2 – 4 sind drei, je 120 m² große Loftwohnungen entstanden. Darüber das über drei Stockwerke reichende Penthouse. Vom Untergeschoss bis zum 1. Obergeschoss erstrecken sich die Büroräume von Euroboden, das nun hier seinen Standort hat – der Besitzer Höglmaiers selbst bewohnt das Penthouse.

Eine zusätzliche Besonderheit sind die Galerieräume für junge Kunst, die zusätzlich im Sockelgeschoss untergebracht wurden. Momentan läuft die erste Ausstellung unter dem Titel „Labyr 1“.

Der einstige Bunker wird durch drei Zugänge erschlossen: Der Eingang zur Galerie und zu den Büros liegt im Süden. Zum Penthouse gelangt man mit einem eigenen Aufzug im Osten neben der angebauten, silberfarbigen Garage. Im Norden bietet eine Freitreppe Zugang zu den Loftwohnungen. Die großzügigen Wohnungen werden vermietet – sie haben freilich keine flexiblen Grundrisse. Jedoch sind großzügige Räume entstanden die durch die eingeschnittenen Fenster optimal mit Tageslicht versorgt werden. Die „Fensterbänke“ mit ihren Laibungen von 2 m sind dabei nahezu neue Räume: Lichterker, die einem Alkoven gleichen.

Wer hätte gedacht, dass diese Adresse an der Ungererstraße einmal eine Nobeladresse werden würde? Zu seiner Entstehungszeit stand der Bunker weit im Norden, heute ist das Umfeld dicht besiedelt – eine Nobelsiedlung flankiert den nahe gelegenen englischen Garten, der Nordfriedhof, mit seiner parkähnlichen Anlage schließt sich direkt südlich an. Die U-Bahnlinien U3 und U6 verlaufen quasi vor der Haustür und sogar eine Verbindung zum Flughafen ist nur wenige Minuten entfernt: Der Flughafenbus hat am Nordfriedhof seinen einzigen Halt zwischen Hauptbahnhof und dem Erdinger Moos.

Die Architekten und der Bauherr bildeten ein gutes Team, durch dessen hohen Anspruch ein neuer Geist in das Gebäude einziehen konnte. Sie nennen ihre Leistung zu Recht eine „geschichtsbewusste Transformation“.

www.euroboden.de

Architekten Euroboden www.euroboden.de Fotos hiepler, brunier www.hiepler-brunier.de... mehr

Architekten

Euroboden
www.euroboden.de

Fotos

hiepler, brunier
www.hiepler-brunier.de Christine Dempf
www.christine-dempf.de