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Echo in der Unterwelt

Modernisierung und künstlerische Intervention unterirdischer Schulungsräume

Die Munich Re mit ihrem Stammsitz in München entwickelte sich seit ihrer Gründung 1870 zu einer... mehr

Die Munich Re mit ihrem Stammsitz in München entwickelte sich seit ihrer Gründung 1870 zu einer der größten Rückversicherungsgesellschaften weltweit. Vom Hauptgebäude in der Königinstraße 107 wuchs der Konzern zu einem Konsortium zahlreicher Gebäude – intern der „Campus-Schwabing“ genannt – von der Königin- bis zur Leopoldstraße in ost-westlicher und von der Thiemestraße bis zur Giselastraße in nord-südlicher Richtung heran. Ein aus den 1980er-Jahren stammendes Geschäftsgebäude im südlichen Teil bedurfte dringend energetischer und baulicher Erneuerungsmaßnahmen, mit denen das Büro Steidle Architekten, basierend auf dem Wettbewerbserfolg, beauftragt wurde. Das Gebäude wurde so für eine Lebensdauer von mindestens 30 weiteren Jahren ertüchtigt und grundlegend modernisiert, wobei der „Look“ des Jahrzehnts der Entstehung unangetastet blieb, da sowohl die Qualität der Natursteinfassadenarbeiten als auch die für die damalige Zeit ungewöhnliche Dreifachverglasung in hochwertigen Mahagoni-Holzrahmen respektiert wurden.

Die Verbindungswege zwischen den einzelnen Gebäuden des „Campus“ sind unter die Erde verlegt, sodass heute ein weit verzweigtes Passagensystem die Bürogebäude miteinander verbindet. Die nüchternen Gänge wurden durch künstlerische Interventionen in eine attraktive Wegelandschaft verwandelt. Das Bestreben der Versicherungsgesellschaft war es von jeher, Künstler in die Gestaltung der Gebäude und Räumlichkeiten mit einzubeziehen. So verfügt die Munich Re inzwischen über eine sehr umfangreiche Sammlung moderner Kunst, in der alle zeitgenössischen Künstler von Rang und Namen vertreten sind. Das unterirdische Passagensystem sollte weitgehend mit Licht gestaltet werden. Der Chefkuratorin Dr. Susanne Ehrenfried-Bergmann der Munich Re Art Collection gelang es, hierfür Lichtkünstler von Weltrang zu gewinnen. In einen großen unterirdischen, von Steidle neu geplanten Platz münden Gänge mit Lichtinstallationen von Maurizio Nannucci, Keith Sonnier und James Turrell. Die weltberühmten Lichtkünstler verwandelten die Tunnelstraßen in wahre Lichterlebnisräume, die die Befindlichkeit beim Hindurchgehen sinnlich beeinflussen, indem man förmlich in farbigem Licht „badet“ und die zudem optische Erlebnisse ermöglichen, die von überwältigender Schönheit sind. Der bis dahin unüberdachte Lichthof wurde von Steidle Architekten mit einer flachen Kuppel überspannt und bildet nun das neue Zentrum des unterirdischen Wegesystems. Diese zusätzliche Baumaßnahme gehörte zum Optimierungspaket des Gebäudes aus den 1980er-Jahren hinzu und beinhaltete, vier große runde tonnenartige Besprechungs- und Schulungsräume auf diesem Platz anzuordnen, die rundum geschlossen sind und deren Türen zur Mitte hin ausgerichtet sind. Linsenartige Teilflächen überschneiden sich mit der über 16 m spannenden gläsernen Kuppel. So gelangt Tageslicht in alle vier Räume, auch wenn die verglasten Anteile der Außenwände opak gestellt sind.

Die Aufgabe, die „Außenräume“ zu gestalten, kam der Künstlerin Katharina Gaenssler zu. Wie immer arbeitete sie auch hier mit fotografischen Mitteln. Sie baute ein Modell im Maßstab 1:20 und simulierte die realen Verhältnisse vor Ort. Die unterschiedlichen Lichtquellen der drei Gänge fotografierte sie aus verschiedenen Perspektiven und schuf so im Bild im Bild-Verfahren durch Übereinanderlegen der einzelnen Schichten ein „optisches Echo“ – d. h. die Gänge spiegeln sich bis ins Unendliche an den Außenwänden der „Tonnen“ wider. Eine geniale Idee, die die Arbeit der Künstlerkollegen sozusagen verewigt und perpetuiert sowie zudem eine kongeniale Kooperation von Kunst am Bau zwischen den Architekten und der Künstlerin ist.

www.steidle-architekten.de

Fotos:

Marcus Buck
www.MarcusBuck.com

Florian Holzherr
www.florian-holzherr.com

(Erschienen in CUBE München 04|19)