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Die Zeiten ändern sich

Umbau einer Getreidemühle zu einem modernen Bürohaus

Selbst alteingesessene Münchner kennen diese Industrieoase nicht, die Kraemer`sche Kunstmühle... mehr
Selbst alteingesessene Münchner kennen diese Industrieoase nicht, die Kraemer`sche Kunstmühle inmitten eines Flora und Fauna Gebietes am Auer Mühlbach in Untergiesing. Man fühlt sich nahezu in ein anderes Zeitalter zurückversetzt, wären da nicht eindeutige Spuren gegenwärtigen Lebens.

Nach 144 Jahren in Familienbesitz legte die Familie Krämer 2007 die Getreidemühle aus wirtschaftlichen Gründen stil. Keine leichte Entscheidung - doch von einst 700 Backbetrieben in München waren nur noch 40 übrig geblieben. Schnell war der Eigentümerfamilie klar, dass man dieses Kleinod an der Birkenleiten nicht meistbietend verkaufen, sondern behutsam umbauen lassen würde. Der Auftrag ging an Schindhelm Architekten, die inzwischen hier auch ihr Büro bezogen haben.

Von 2010 bis 2012 dauerte der Umbau. Das fünfgeschossige Mühlengebäude, nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg als Massivziegelbau wieder aufgebaut, konnte vollständig erhalten werden. Der Silobau hingegen musste abgetragen werden, heute steht hier ein siebengeschossiger Neubau, nicht ganz so hoch wie der Vorgängerbau, aber dem alten Gebäude nachgebildet.

Es wurde so weit als möglich versucht, historische Elemente zu erhalten. Schon beim Betreten des Mühlengebäudes stößt man im Foyer auf einen alten Walzenstuhl, dahinter liegt die Halle mit der Turbine, die, durch Wasserkraft angetrieben, heute noch in Betrieb ist. Der erzeugte Strom könnte das gesamte Gebäude versorgen, wird jedoch aus rechtlichen Gründen in die städtische Energieversorgung eingespeist. Ins Erdgeschoss zog das Caffé Fausto mit eigener Kaffeerösterei ein. Die hinzugefügte Terrasse mit Vordach, einer Laderampe gleich, unterstreicht den industriellen Charakter des Gebäudes. Stahlbetondecken wurden im Kellergeschoss, im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss eingezogen. In den darüberliegenden Geschossen wurden aus statischen Gründen die alten Holzdecken belassen und ertüchtigt, das Obergeschoss ist als Galeriegeschoss ausgebildet. Insgesamt wurden 4.000 qm Bürofläche gewonnen, die schon nach kurzer Zeit alle vermietet waren. 22 Firmen haben hier ihre großzügigen Arbeitsräume bezogen. 400 qm groß ist die Geschossfläche im Mühlengebäude, um sie unterteilen zu können, wurde ein zweites Treppenhaus auf der Südseite eingebaut. Wann immer es möglich war, versuchte man Spuren des alten Gebäudes sichtbar bleiben zu lassen, etwa unverputzte Ziegelwände oder die Tragkonstruktion des ehemaligen Paternosters.

In den unteren zweieinhalb Geschossen des Silo-Neubaus befindet sich eine Kindertagesstätte mit separatem Eingang auf der Nordseite. In den darüberliegenden Stockwerken ist im Prinzip auch Wohnen möglich - verbunden allerdings mit der Auflage, zwei Drittel der Flächen gewerblich zu nutzen - und ganz oben gelangt man auf eine Dachterrasse. Das Gebäude wurde in seiner ursprünglichen rostroten Farbe verputzt, wärmegedämmt und es wurde, wann immer möglich, mit nachhaltigen Baustoffen gearbeitet. Fazit: Ein in jeglicher Hinsicht überzeugendes Beispiel des Erhalts und der Umnutzung eines industriellen Traditionsbetriebes in wahrhaft idyllischer Umgebung und eine anerkennenswerte gemeinschaftliche Leistung des Bauherren und der Architekten.

www.schindhelmarchitekten.de
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Fotos

Quirin Leppert
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