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Die Freiheit ist grün

Haltestelle Münchner Freiheit

Früher waren Haltestellen von schattenspendenden Bäumen gesäumt. Heute, wo alles betoniert und... mehr
Früher waren Haltestellen von schattenspendenden Bäumen gesäumt. Heute, wo alles betoniert und versiegelt ist, und in diesem speziellen Fall ein U-Bahn-Tunnel darunter liegt, musste eine andere Möglichkeit gefunden werden, die wartenden Menschen zu ,behüten‘. Es müssen wohl Bäume Pate gestanden haben bei der Entwurfs­idee - das Dach ist grün, es weist hügelartige Erhöhungen auf, die Baumkronen nachempfunden sein könnten. Der Entwurf von OX2architekten aus Aachen, die den ersten Preis belegen konnten, wurde gebaut - allerdings nicht, wie von OX2 vorgesehen, aus GFK (glasfaserverstärkter Kunststoff), sondern, dem Wunsch des Bauherrn, den Münchner Stadtwerken, gemäß, aus Stahl. Die Architekten hatten zuvor auch eine Stahl- und eine Betonvariante untersucht. Betrachtet man Entwurf und Endergebnis, ist es zumindest erstaunlich, dass die Stahlkonstruktion so luftig und leicht daherkommt, als wäre sie aus einem leichten, wolkenartigen Material.

Kaum stand das fertige Gebilde, war den Phantasien Tür und Tor geöffnet: Ein Kommentator meinte einen Pilzwald zu erkennen, die Süd­deutsche titelte ”Eine Tropfsteinhöhle als Haltestelle“, oder ein Dritter fühlten sich an eine kleine Variante des Metropol Parasol in Sevilla erinnert.

Wie es wirklich war, erläutert Ina-Marie Orawiec von OX2architekten: „Aus der urbanen Dichte der hoch frequentierten Leopoldstraße erscheint (...) im schattigen Rhythmus der hochstämmigen Pappeln, eine offene Halle. Die ,Allee‘ aus 18 schlanken Stützen hebt ein sanft geschwungenes Dach wie dichtes Laub schützend über die Hälfte des neu entstandenen Platzes. Dach und Stützen vereinigen sich zu einem Gebilde. Regellos und doch begrenzend gliedern die Stützen die Vorgänge auf dem Platz, bieten Schutz und einen durch Sichtbezüge inszenierten nachhaltigen und einzigartigen Eindruck von der Münchner Freiheit.“ Die erste Assoziation mit dem baumbestandenen Platz war also gar nicht so verkehrt.

Die Ausmaße der ,Halle‘ sind beträchtlich: Die Gesamtfläche beträgt 1.540 qm, darunter verteilen sich unregelmäßig 18 dreigeteilte Stützen. Die äußeren Abmessungen betragen 73 x 31 m. Die Ausführungsplanung oblag dem Münchner Architekturbüro pmpr. 420 t Stahl wurden verbaut. Die weiß glänzende Dachunterseite ist konvex und konkav geformt. Die fugenlose glatte weiße Fläche fungiert bei Nacht auch als Reflektor.

Wie baut man so etwas? Erhebliches mathematisches und Ingenieur-Knowhow war erforderlich. Anhand eines digitalen Hängemodells und eines statischen FEM-Modells wurde die gesamte Ausführung digital generiert. Die Stahlteile der überdachten Umsteigehaltestelle fertigte das Vorarlberger Unternehmen Bitschnau im Werk vor. Unfassbar kurze 5 Monate dauerte der Bau und die Montage - dann wurde am 12. Dezember 2009 die Bus- und Straßenbahnhaltestelle an der Münchner Freiheit feierlich eröffnet. Dafür, dass das Bauwerk auch des Nachts ein Eyecatcher ist, ersannen OX2architekten frei unter dem Dach hängende ”Satelliten“, die von den Münchner Lichtplanern ”Day & Light“ umgesetzt wurden. Mit der effektvollen Ausleuchtung erstrahlt die Haltestelle fast taghell und bietet so auch Nachtschwärmern einen sicheren Warteplatz.

Der schönste Blick ist allerdings denen vorbehalten, die das grüne Dach von oben sehen können: Wie eine kleine grüne Oase liegt der Platz zwischen Häusern und Strassen und scheint eine Insel der Erholung zu sein.

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www.prpm-architekten.de
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Fotos

Courtesy Bitschnau GmbH, Nenzing