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Allein schreibt sich's besser

Kreativraum in Würfelform für einen Schriftsteller

Ein metallisch glänzender Würfel steht in einem Garten mit altem Baumbestand. Was das wohl ist?,... mehr

Ein metallisch glänzender Würfel steht in einem Garten mit altem Baumbestand. Was das wohl ist?, werden sich die Harlachinger Sonntagsspaziergänger fragen. „Kate“ nennen der Bauherr und der Architekt dieses Gebilde mit dem Namen, der etwas aus der Mode gekommen ist. „Kate“ so nannte man früher ein allein stehendes kleines Häuschen, abgelegen von der Dorfgemeinschaft, und meistens wohnten wohl Sonderlinge in derartigen Gehäusen.

Hier ist es kein Sonderling, sondern ein Schriftsteller, der sich einen Hort wünschte, um in Ruhe arbeiten zu können. Gemeinsam mit dem Architekten Thomas Pscherer heckte er dieses Hideaway in seinem Garten aus: 7 x 7 x 7 m misst die Kantenlänge. Der Autor wünschte sich nicht nur einen Rückzugsort zum Schreiben, sondern es musste auch einen Schlafplatz, eine Ruhenische geben, um den kreativen Gedanken ihren Lauf zu lassen.

Die Räume sind auf das Wesentliche reduziert, auf die essentiellen Funktionen, um leben und arbeiten zu können. Fenster gibt es schon auch, sie gewähren einen Blick in die freie Natur. Nichts sonst soll ablenken. Es wurden spezielle platzsparende Lösungen entwickelt: Die Badewanne wurde im Boden versenkt und verschwindet, wenn man die Abdeckung schließt. Stauraum wurde unter die Decke verbannt. Um die Fläche zu vergrößern, wurde ein Stahlrahmen von der Decke abgehängt und eine „Holzkiste“ eingefügt, die als Schlafstelle dient. Wohnfläche total: 60 m².
Ein Ofen und einige Solarpanels auf dem Dach genügen, um das Haus im Winter zu heizen. Eine Leiter steht auch bereit, um auf das Dach zu klettern und den Wipfeln der Bäume etwas näher zu sein.

Trotz ihrer geringen Ausmaße bildet die Kate zwischen den Villen des Quartiers schon einen deutlichen Kontrast. Das Gehäuse des Würfels besteht aus einfachem Bauholz und ist mit Holzfaser isoliert. Die Metall-Verpackung ist aus Stahl. Das „Trafohäuschen“, für das die Kate oft gehalten wird, war einer der Publikumsmagneten der „architectouren“ im Sommer 2016. Schnell war die Anmeldeliste übervoll. Das mag auch daran liegen, dass dem Würfel etwas Archaischen und Authentisches anhaftet, denn genauso gut wie für den Schriftsteller, hätte der Architekt den Denkraum auch für sich selbst bauen können: Thomas Pscherer ist als Architekt überzeugter Einzelkämpfer. Gemeinsam zu arbeiten, verwässere die eigene Kreativität und man müsse zu viele Kompromisse eingehen, meint er. Seine eigene „Kate“ ist ein ehemaliger Obst- und Gemüseladen im Westend. Da sitzt er, das Ein-Mann-Büro, allerdings eher im Schaufenster als in einer abgeschotteten Hütte. Ein Individualist baut für einen Individualisten. Das konnte nur gut gehen.

www.pscherer-architekt.de

Architekt: Thomas Pscherer www.pscherer-architekt.de Fotos: Christian Schoermer mehr

Architekt:

Thomas Pscherer
www.pscherer-architekt.de

Fotos:

Christian Schoermer