Architektur
Artikel
Kategorie
Sie können noch Themenbereiche dazu wählen
Themen
Interior
Artikel
Kategorie
Sie können noch Themenbereiche dazu wählen
Themen
Garten
Artikel
Themen
Kategorie
Sie können noch Themenbereiche dazu wählen
Spezial
Artikel
Kategorie
Sie können noch Themenbereiche dazu wählen

Eigenständige Ergänzung

Denkmalgerechte Aufstockung eines gründerzeitlichen Fabrikgebäudes in Schleußig

Der Leipziger Westen wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge der Stadterweiterung planmäßig als... mehr

Der Leipziger Westen wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge der Stadterweiterung planmäßig als Arbeiterwohnquartier angelegt und war in Schleußig, Plagwitz und Lindenau auch mit gewerblichen Nutzungen durchsetzt. Im Stadtteil Schleußig sind die gründerzeitlichen Blockstrukturen weitgehend erhalten und inzwischen fast vollständig denkmalgerecht saniert. Die Wohnnutzung dominiert, auch industriell strukturierte Gebäude wie die Buntgarnfabrik oder die Betriebe von Mey & Edlich wurden zu teilweise großzügigen Wohnungen umgenutzt.

Das bestehende Gebäude wurde im Jahr 1896 als Celluloid Fabrik an der Ecke Holbeinstraße/Stieglitzstraße in der vorwiegend viergeschossigen Umgebung nur zweigeschossig – aber schon damals mit der Option einer Aufstockung – in massiver Bauweise errichtet. Die Lochfassade wird an den beiden Straßenseiten durch regelmäßig angeordnete Holzfenster strukturiert. Die Fenster auf den beiden Hofseiten sind dagegen unregelmäßig angeordnet. Die Fassade ist mit einer horizontal gegliederten und stark reliefierten, zweifarbigen Ziegelvorsatzschale bekleidet. Das Haus ist als Industriedenkmal in die Landesdenkmalliste Sachsen eingetragen und wird heute als Bürogebäude genutzt.

Knoche Architekten haben es saniert und um ein weiteres Geschoss für zwei Wohneinheiten aufgestockt. Die Anordnung der Fenster ist unregelmäßig, nimmt aber die vertikalen Kanten der Bestandsfenster auf. Das bestehende Holztreppenhaus musste aus Gründen des Brandschutzes durch eine Stahlkonstruktion ersetzt werden. Der massive Bestand wird durch ein ebenfalls massives Volumen ergänzt, das die bestehende Gebäudekontur ohne Rücksprung übernimmt. So entsteht eine städtebaulich markante Kubatur, in der die Aufstockung ablesbar ist, aber die wesentliche Elemente aus dem Bestand aufgreift. Allen voran das Material selbst: der Neubau aus hochwärmedämmenden Poroton-Ziegeln und Ziegelmontagedecken von Wienerberger führt die Dauerhaftigkeit und Nachhaltigkeit des Altbaus bautechnologisch weiter. Auf Vorsprünge oder Balkone wird wie im Bestand verzichtet, die kleine Wohnung erhält stattdessen eine eingeschnittene Loggia, die große Wohnung einen innenliegenden Patio. Nur der hofseitige Vorbau des Bestandes wird oben als Austritt vor die Fassade genutzt, hier verläuft die Kontur der Aufstockung geradlinig durch. Im Bereich des Dachrandes wird die horizontale Gliederung des Bestandes aufgegriffen, während die Außenwände mit ihren handwerklich ausgeführten, horizontal reliefierten Putzflächen die Rauigkeit des Ziegelmauerwerks neu formulieren. So wird, auch durch die natürliche Farbigkeit der Außenwandflächen, der architektonische Ausdruck des Bestandes zum Leitmotiv für eine dennoch sehr eigenständige Ergänzung.

Die seitliche Lage des bestehenden Haupteingangs und Treppenhauses bestimmen Struktur und Erschließung der beiden Wohnungen. Hier werden jeweils um die Loggia bzw. den Patio großzügige Wohn- und Aufenthaltsbereiche gruppiert, während die Schlaf- und Nebenräume peripher liegen und enger geschnitten sind.

www.wienerberger.de
www.knoche-architekten.de


Fotos:

Roland Halbe
www.rolandhalbe.eu

Knoche Architekten


(Erschienen in CUBE Leipzig 01|20)

NEUES AUS DEN
CUBE-REGIONEN
Wir informieren Sie regelmäßig über interessante Projekte aus neun Metropolregionen
(Sie bekommen eine E-Mail mit einem Bestätigungslink)