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Neuer Schwung im Nierentisch

Das Park-Café im Deutzer Rheinpark lässt die 1950er-Jahre wieder auferstehen

Eine Perle der Kölner Architektur der 1950er-Jahre ist im vergangenen Jahr aus ihrem langen... mehr

Eine Perle der Kölner Architektur der 1950er-Jahre ist im vergangenen Jahr aus ihrem langen Dornröschenschlaf erwacht. Davor hatte jahrelang das Damoklesschwert „Abriss“ über dem Bauwerk geschwebt: Nun hat das Parkcafé im Deutzer Rheinpark nach über dreißig Jahren Leerstand wieder den gastronomischen Betrieb aufgenommen – denkmalgerecht restauriert, zugleich aber auch modernisiert.

Das Bauwerk ist unweit des Parkzugangs am Auenweg, zwischen Kinderspielplatz und Staatenhaus gelegen und wurde am 29. April 1957 im Zuge der ersten Kölner Bundesgartenschau eröffnet. Es ersetzte das im 2. Weltkrieg komplett zerstörte Teehaus von Wilhelm Kreis, das anlässlich der Werkbundausstellung von 1914 auf den Wallanlagen des Deutzer Forts XII errichtet worden war. Die dynamisch geschwungenen, weit auskragenden Geschossdecken spiegeln in ihrer verspielten nierentischartigen Formgebung die unbesorgte Leichtigkeit der Wirtschaftswunderjahre wider. Filigrane Betonstützen und Baumstützen aus Stahl sowie feinprofilierte raumhohe Glasfronten lassen den eigentlichen Gebäudekern elegant zurücktreten. Oder, wie es der Frankfurter Architekt Rambald von Steinbüchel-Rheinwall (1902–1990) einmal über sein Werk ausdrückte: „Nach allen Seiten hin, von einem Kern ausgehend, strecken sich die Platten in die Luft, ähnlich wie die Blätter oder Zweige eines Baumes.“ Aber nicht nur in seiner Formgebung eignet sich das Bauwerk, das zunächst den eher automobilen Namen „Parkhaus“ trug, die umliegende natürliche Parklandschaft an. Auch mit der Auswahl der Primärfarben – Gelb und Blau für Fassade und Dach sowie Rot für die Sonnenschirme auf der Dachterrasse und das Mobiliar – erhielten die umliegenden, farbenfroh gestalteten Beete einen Resonanzraum in der Architektur. 1971 musste die Farbenfreude des Wiederaufbaus der funktionalen Askese der 2. Buga weichen: Das Parkcafé wurde in ein weißes Gebäude mit schwarzen Säulen umgestaltet, was den Charakter bereits stark veränderte. Eine kontinuierliche gastronomische Dauernutzung erwies sich als ökonomisch schwierig, da es weder eine Heizung für die großzügigen Innen- und Außenflächen gab noch eine durchgehende Erschließung der drei Etagen. Daher stand das Gebäude seit den 1980er-Jahren zunehmend leer. Bereits 2005 präsentierte der Architekt und Hotelier Roberto Campione, der das Gebäude in sein Herz geschlossen hatte, mit seiner Frau Alexandra ein erstes Renovierungs- und Nutzungskonzept. Als 2011 die Kölner Wirtschaftsförderung das Sanierungsprojekt in ihr Programm „Win-Win für Köln“ aufnimmt, scheint immerhin die Finanzierung des denkmalgerechten Umbaus gesichert: 2,72 Millionen Euro stehen für die Arbeiten bereit, die zugleich einen sozialen Mehrwert bringen sollen: Arbeitslose Jugendliche und Langzeitarbeitslose werden in verschiedenen Baugewerken mit den anstehenden Arbeiten betreut und so für den Arbeitsmarkt wiederqualifiziert. Als 2015 Campione den Zuschlag für sein gastronomisches Konzept erhält, scheint die Rettung des Bauwerkes in Griffweite zu sein. Tatsächlich dauert es aber noch sieben Jahre, bis das „Park-Café 2.0“ eröffnen kann. Vor allem der barrierefreie Aufzug forderte den beauftragten Kölner Marcianiak Architekten viel Planungskreativität ab. Dieser war zunächst außen vorgesehen,  wurde dann aber aus Denkmalschutzgründen doch in den Innenkern des Gebäudes verlegt. Zum ersten Mal sind nun alle Etagen des Cafés miteinander verbunden. Außerdem musste für eine ganzjährige Bewirtschaftung erstmals eine Heizung in dem Gebäude installiert werden. Hinzu kam die Wiederherstellung der Tragstruktur und der früheren Farbgebungen – natürlich erforderte auch das Interieur aber eine Überholung: So mussten etwa kleinteilige Wandverkleidungen und ein hölzerner Bartresen denkmalgerecht restauriert und ergänzt werden. Heute ist das Park-Café wieder ganzjährig geöffnet, wenn auch nicht jede Ebene zu jeder Zeit: Während im Erdgeschoss mit dem großzügigen Außenbereich alles – vom Eis am Stiel bis zu Flammkuchen und „Currywurst Pommes“ – zu haben ist, lässt sich die 1. Etage nur noch als Eventfläche buchen. Auf der Dachterrasse wurde ein VIP-Bereich mit Mindestverzehr und Champagner-Bar eingerichtet.

www.parkcafe.koeln

Fotos:

Roberto Campione
Volker Dennebier
Jo Fober

(Erschienen in CUBE Köln Bonn 04|23)