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Das Experimentieren trainieren

Architekturausbildung in der Region: die Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn

Fährt man von Brühl die landschaftlich schöne Strecke am Rand des Vorgebirges in Richtung Süden,... mehr
Fährt man von Brühl die landschaftlich schöne Strecke am Rand des Vorgebirges in Richtung Süden, kommt man kurz vor Bonn, am Ortsausgang von Alfter, an einer langen, kulissenhaften Wand vorbei. Sie schottet ab und macht zugleich neugierig, und tatsächlich kann man durch ein paar Öffnungen einen Blick auf Gebäude erhaschen. Ein Blick hinter die Kulisse lohnt, denn dort eröffnet sich der Campus II der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft.

In aufgelockerter Reihe und entlang eines künstlich angelegten Baches gruppieren sich fünf Atelierhäuser und Gebäude mit übergeordneten Funktionen so, dass sich dazwischen grüne Höfe mit individueller Nutzung für die jeweiligen Fachbereiche ergeben. Der 2009 eröffnete Campus II ergänzt den seit 1973 bestehenden Campus I Johannishof in nicht allzu weiter Entfernung.

Die staatlich anerkannte, private Hochschule beschreitet mit ihrem Ausbildungskonzept einen ungewöhnlichen Weg. Eines ihrer Hauptanliegen ist, die Bedeutung der Künste für die gesellschaftliche wie für die individuelle Entwicklung aufzuzeigen. Die acht Fachbereiche, darunter künstlerische wie Architektur, Bildhauerei, Malerei, Schauspiel, aber auch Bildungswissenschaft und Wirtschaft, arbeiten interdisziplinär ausgerichtet und suchen aktiv die Rückkopplung untereinander und mit der Gesellschaft: man lernt mit- und voneinander.

Prof. Brigitte Scholz und Prof. Benedikt Stahl vom Fachbereich Architektur erläutern dazu: Die Studierenden werden dazu herangezogen, nicht nur über die Lösung, sondern auch die Aufgabenstellung an sich nachzudenken. Sie sind aufgefordert, selbst aktiv zu werden, sich mit praxisnahen Herausforderungen auseinanderzusetzen und offen für Lösungen außerhalb jedes Schubladendenkens zu sein. Das Lernen aus Fehlern, das sich-gestatten-dürfen auch von Irrwegen ist Teil der Ausbildung, um Zukunftsideen entwickeln und umsetzen zu können. Prof. Scholz: „Wir trainieren das Experimentieren. In Alfter sind wir in Klausur, doch wir gehen mit vielen Projekten immer wieder mitten rein in den Alltag, werden aktiv, statt aus der Entfernung zu beobachten und zu bewerten. Wie funktioniert das System? Was sind die Rollen der Akteure und Instrumente im Planungsprozess? Uns geht es um eine unmittelbare Auseinandersetzung mit der Stadtgesellschaft, wenn wir mit den Studierenden in Bonn, Köln, Aachen, Paderborn oder in der Lausitz arbeiten.“

Als ein Modell für die Arbeitsweise der Hochschule führt Prof. Stahl das Projekt „Latte“ an, welches im Mai 2013 auf dem Brüsseler Platz in Köln entstand und dort noch bis zum Herbst zu sehen ist: „In die verfahrene Situation zwischen Anwohnern, Gastronomie und Szene kamen wir von außen und wurden zunächst skeptisch beobachtet. Unser Budenzauber aus 2.000 Dachlatten verstärkt jedoch eine Kultur des Miteinanders; bisher Uninteressierte interessieren sich, bisher Unbeteiligte beteiligen sich an der Diskussion über die Umfeldverbesserung. Die Studierenden erfahren aus erster Hand – und nicht vom Professor - wie Planungsprozesse verlaufen, wie Planung in Praxis umgesetzt wird. Sie reden mit den Menschen, nicht mit den Plänen an der Wand. Bei uns lernt man, wie man spricht, wie man moderiert, wie man präsentiert, wie man Vertrauen aufbaut, wie man dem Nachdenken auch mal eine andere Richtung gibt.“

www.alanus.edu
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