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Wieder Kind sein dürfen

Ein Schutzhaus für traumatisierte Kinder

Die Mattisburg in Schnelsen ist ein Schutzhaus für Kinder, deren Leben aufgrund verschiedener... mehr
Die Mattisburg in Schnelsen ist ein Schutzhaus für Kinder, deren Leben aufgrund verschiedener Gewalterfahrungen in eine existentielle Krise geraten sind. Ein solches Kind benötigt einen anderen Lebensort, um dort durch entsprechende Begleitung wieder in ein kindgerechtes Leben zurückkehren zu können. Die Mattisburg – der Name ist Astrid Lindgrens Buch Ronja Räubertochter entliehen – soll den Kindern ein „sicherer“ Ort sein. Das Haus nimmt Kinder im Alter zwischen 3 und 10 Jahren auf, die sexuell missbraucht, körperlich und seelisch misshandelt oder vernachlässigt wurden, beziehungsweise, wenn Kindeswohlgefährdung angenommen wird.

Ein solches Schutzhaus für Kinder zu bauen, ist ein ganz besonderes Projekt, weiß der Architekt Florian Fischötter: „Ein Gebäude für kleine Kinder im Alter von 3 bis 10 Jahren zu planen, ist an sich schon eine Herausforderung. Wenn man sich aber die Geschichten dieser Kinder anhört, wie sie aufgewachsen sind, was sie erlebt und durchgemacht haben, dann beginnt man zu erahnen, was für eine Aufgabe man vor sich hat“. So haben alle am Bauprojekt Beteiligten zu Beginn intensiv mit den verantwortlichen Erzieherinnen, den Therapeuten und der Stiftungsleitung gesprochen, um überhaupt zu verstehen, um was es eigentlich geht und was die Planung berücksichtigen soll. Es gibt im ganzen Haus keinen Balkon, keine Dachterrasse, kein offenes Treppengeländer oder unkontrolliert zu öffnende Fenster. Die Gefahr des bewussten Absturzes eines Kindes ist zu hoch.

Das Gebäude ist so gegliedert, dass ein zufälliges Begegnen von Eltern und Kindern ausgeschlossen ist. Wenn ein Kind in den Therapiebereich geht, findet dies ohne die neugierigen Blicke der anderen statt. Das Haus wurde in zwei Gebäudeteile mit drei Eingängen unterteilt. Im vorderen Bauteil befindet sich die Leitung des Kinderhauses und ein Besprechungsraum. Dies ist der einzige Bereich, zu dem Eltern Zutritt haben. Im hinteren Bauteil befindet sich der Wohnbereich der Kinder mit eigenem Eingang und einem großzügigen Zugang in den Gartenbereich. Vom Wohnbereich gelangt man über die Treppe zu den privaten Kinderzimmern, die alle im 1. Obergeschoss angeordnet wurden. Über den dritten Eingang gelangt man geschützt in den Therapieraum, indem man um das Gebäude herumläuft, eine Treppe nach unten geht und den Raum von einem kleinen vorgelagerten Hofbereich betritt.

Der Architekt achtete auf ausreichend Tageslicht im Gebäude, um das Wohlbefinden der Nutzer zu steigern. Die Räume sind offen und fließend gestaltet, die kleinen Sitz- und Fensternischen bieten den Kindern aber auch Rückzugs- und private Aufenthaltsbereiche. Nur warme und natürliche Materialien kamen zum Einsatz. Die Holzfassade aus rotem Zedernholz, die Lärchenholzfenster werden in ihrer natürlichen Farbigkeit verwendet, kräftige Farben werden in Form von gestrichenen Wänden oder Einbaumöbeln im Inneren des Gebäudes eingesetzt. Der Architekt wollte ein modernes, spannendes und auch nicht zu ernsthaftes Haus schaffen, mit dem sich die Kinder – und die Betreuer – identifizieren und in dem sie sich wohlfühlen können.

Das Kinderhaus Mattisburg wurde von der Stiftung „Ein Platz für Kinder" initiiert und als Gemeinschaftsprojekt mit der „D. und H. Urban-Stiftung" realisiert. Betrieben wird die Mattisburg von der Großstadtmission Altona.

www.ff-a.net
www.epfk.de
Architekten: Florian Fischötter Architekt www.ff-a.net Fotos: Sebastian Glombik... mehr

Architekten:

Florian Fischötter Architekt
www.ff-a.net

Fotos:

Sebastian Glombik
www.sebastianglombik.com