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Neues Leben im alten Haus

Ein denkmalgeschütztes Reihenhaus wurde zum individuellen Zuhause

Die Frank’sche Siedlung in Klein Borstel steht komplett unter Denkmalschutz und ist ein überaus... mehr

Die Frank’sche Siedlung in Klein Borstel steht komplett unter Denkmalschutz und ist ein überaus interessanter Ort der Hamburger Wohnungsbaugeschichte. Die Reihenhaussiedlung mit ihren heute 545 Häuschen aus rotem Backstein entstand von 1934 bis 1939 und wurde von der Siedlungsbaugesellschaft der Brüder Paul und Hermann Frank realisiert. Paul Frank war Architekt und zu Zeiten von Fritz Schumacher an zahlreichen Projekten des Reformwohnungsbaus beteiligt, die Laubenganghäuser in Dulsberg, Barmbek-Nord und der Jarrestadt stammen von ihm. Die Reihenhaussiedlung bezog sich mit ihrer aufgelockerten, kleinteiligen Gestaltung auf die Ideale der Gartenstadtbewegung und mischte Elemente des Neuen Bauens mit dem damals bevorzugten Heimatschutzstil. Eine Pionierleistung stellte der hohe Grad der Standardisierung dar, alle 547 Häuser hatten bei ihrer Errichtung einheitliche Grundrisse, Fenster, Türen, Gesimse, Treppen, Mauern und Bepflanzungen. Auch die Regelung der Besitzverhältnisse war neu: Haus und Grund gehörten der Siedlungsbaugesellschaft. Die Bewohner:innen erwarben für einen moderaten Beitrag ein vererbliches Nutzungsrecht. In den 1970er Jahren wurde dies aufgegeben und die Häuser an die Nutzer:innen verkauft. Dieses Endreihenhaus im östlichen Teil der Siedlung wurde durch eine Komplettsanierung vom Architekten Helge Tischler an die individuellen Bedürfnisse der Eigentümer angepasst. Die historischen Häuser sind nur 4,25 Meter breit und boten auf zwei Geschossen vier Zimmer mit einer Wohnfläche von 59 m², die durch den Ausbau des Daches auf 74 m² erweitert werden konnte. Das Bad lag im Keller mit einer lichten Raumhöhe von nur 1,85 Meter. Das gesamte Untergeschoss wurde für ein großzügiges Familienbadezimmer mit einer Raumhöhe von 2,20 Meter tiefer gelegt. Im Erdgeschoss wurden Wände entfernt oder geöffnet, dadurch entsteht eine räumliche Großzügigkeit. Küche und Wohnen sind visuell verbunden. Dielen und Deckenbalken wurden aufgearbeitet sowie vorhandene Betonböden geschliffen. Die freigelegten Fliesen der ehemaligen Feuerstelle wurden in die Neugestaltung integriert. Die Verschalungen im Treppenraum wurden entfernt, die Treppenstufen restauriert und mit einem reduzierten Stahlgeländer ergänzt. Maßgeschneiderte Schrank- und Küchenelemente unterstützen den lichten Gesamteindruck des gelungenen Umbaus.

www.helge-tischler.de

Fotos:

Daniel Sumesgutner
www.sumesgutner.de

(Erschienen in CUBE Hamburg 02|23)