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Licht beschreibt Architektur

Die Speicherstadt bei Nacht entdecken

Seit 2001 erstrahlt die Speicherstadt im Licht und verwandelt sich in ein faszinierendes... mehr
Seit 2001 erstrahlt die Speicherstadt im Licht und verwandelt sich in ein faszinierendes nächtliches Panorama. Gegenstand der künstlerischen Lichtbeschreibung ist ein städtebauliches Ensemble, das Ende des 19. Jahrhunderts von zehn Architekten im Stil der Neogotik oder auch Backsteingotik entworfen wurde. Auffallend viele Kathedralenzitate sind in die Formensprache der Lagerhauslandschaft eingegangen.

Detailreichtum, Asymmetrien, Variationen in den seriellen Elementen (Erker, Giebel, Türmchen, Spitzdächer, Windenhauben) kennzeichnen die Charakteristik und die einzigartige Atmosphäre dieser Stadt der Lagergüter. Die Farbigkeit des verwendeten Baumaterials reicht von hellgelb bis blaurot, angereichert durch grün oder schwarz glasierte Schmucksteine. Seit den 1950er Jahren sind Kriegsschäden durch moderne Bauten ersetzt worden, Imprägnierungen von Fassaden haben zum Teil für auffallende Farbabweichungen gesorgt, instand gesetzte Brücken mit heller Korrosionsbeschichtung verbinden die Ufer ebenso wie rostig-dunkle Brücken.

Als horizontales Stadtmassiv, vertikal getaktet durch die Reihen der Lukenstränge, von Fleeten durchzogen und durch Brücken akzentuiert, lag die Speicherstadt ein Jahrhundert lang als „dunkles Tier” vor dem Hafen und der Innenstadt. Ein sehr sinnlicher Ort, einst nach Kaffee und Gewürzen duftend, heute eingebunden in den Prozess der Umwandlung durch Aufhebung der Freizone und Errichtung der HafenCity.

Kein Flutlicht, kein Distanzlicht, keine Lichtkanonade: Bei der Illumination wird das Licht gewissermaßen zum Bestandteil der neugotischen Architektur. Sie bedient sich der Metapher des Theaters: Die Stadt als Bühne, der Betrachter als Mitspieler. Licht und Dunkelheit akzentuieren Perspektiven, heben Zielpunkte hervor, hüllen die prägnanten und typischen Elemente der Architektur in eine angemessene Helligkeit. Das Wechselspiel zwischen Hell und Dunkel ist eine stetige Einladung zum Flanieren und zum Entdecken des Detailreichtums der Architektur. Diese korrespondiert mit dem ständigen Wechsel an Ebbe und Flut in den vielen Fleeten. Auf Entdeckung warten viele filigrane Oberflächenstrukturen, figurative Elemente und eine ausgeprägte Farbigkeit der Backsteinlandschaft. Vielfach spiegelt sich die Beleuchtung auch auf der Wasseroberfläche wider, vertikale, statische Lichtbahnen kontrastieren mit ihrem flächigen und bewegten Gegenüber.

Die Illumination ist ein Triumph des schwachen Lichts. Die Durchschnittswattzahl für die gesamte Speicherstadt beträgt 24. Im Allgemeinen sind nicht die flächigen, sondern die gliedernden und plastischen Elemente betont worden. Struktur, Kontur und Kubatur sind die Orientierungsmerkmale der Lichtbeschreibung.

Verantwortlich für das weit über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannte Referenzprojekt ist der gemeinnützige Verein Licht-Kunst-Speicherstadt e. V. Seit Gründung im Jahre 2000 realisiert und betreut er die Beleuchtung mit mittlerweile über 60 Mitgliedern. Die Finanzierung der Unterhaltung erfolgt über Mitgliedsbeiträge. Neue und weitere Projekte an dem noch nicht fertiggestellten Gesamtkunstwerk werden über Spenden und Patenschaften verwirklicht. Jedermann ist gern im Verein willkommen. Heute sind weit mehr als 1.000 Lampen verbaut. Den überwiegenden Teil der Produkte liefert Philips. Der Verein setzt heute auf den Einsatz von nachhaltigen LED-Leuchten und neuester Licht-Technik.

www.lichtkunst-speicherstadt.de
Fotos: Michael Björnson Thomas Hampel www.euf.de mehr

Fotos:

Michael Björnson Thomas Hampel
www.euf.de