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Gelungener Wandel

Eine maßgeschneiderte Lösung für den alten Familienbesitz bereichert Barmbek-Nord

In Barmbek-Nord handelte der Betrieb „Geister feuerfest“ bis spät in die 1990er-Jahre mit... mehr

In Barmbek-Nord handelte der Betrieb „Geister feuerfest“ bis spät in die 1990er-Jahre mit Schamottesteinen. Nach Aufgabe des familien­eigenen Betriebes wurden die alten Hallen für Lagerzwecke vermietet. Das Erneuerungskonzept Barmbek des Bezirksamtes Nord sieht vor, den früheren Arbeiterstadtteil als Kulturstandort weiter zu entwickeln. Das neue Barmbek zieht zunehmend ein junges, kreatives und kulturinteressiertes Publikum an. Vor diesem Hintergrund mussten die Erben abwägen – Verkauf oder Investition? Am Ende entschieden sie sich, den Familienbesitz zu halten und in ein neues Nutzungskonzept mit dem Schwerpunkt Kultur zu überführen. Die Enkelin Andrea Geister-Herbolzheimer ist Architektin, die Urenkelin Lisa ist Musikerin: Beste Voraussetzungen also für eine ganz persönliche Lösung!

Heute bietet das Studio feuerfest Musikern auf gut 1.000 m² eine Heimat. Neben kurz- und lang­fristig mietbaren Übungsräumen mit 17 bis 59 m² Fläche werden zusätzlich Gasträume angeboten. Die Kombination von Gästezimmern mit Übungsräumen ist in Hamburg einzigartig. Der Beruf des Musikers ist mit vielen Reisen verbunden, dabei das eigene Übungspensum einzuhalten, ist für die meisten Musiker und Bands nahezu unmöglich, denn in Hotels oder Pensionen ist dies unerwünscht. Im Studio feuerfest können Musiker sowohl in einer familiären Atmosphäre „unterkommen“ als auch ihr täglich notwendiges Proben fortsetzen.

Das architektonische Konzept bezieht die ehemaligen Lagerhallen ein und schafft so eine ganz besondere Atmosphäre. Die bis zu 6,50 m hohe Erdgeschosszone gewährleistet ausreichende Belichtung trotz des angrenzenden Bahndammes und bewahrt den industriellen Charakter. Die alten Fachwerkträger bleiben sichtbar. Die Texturen der Grenzwand zum Bahndamm erzählen von der langen Geschichte der Liegenschaft. Zur Straße ist der alte Giebel der Halle im Fassadenbild ablesbar. Der Wechsel von rostfarbener Fassadenplatte zur gelblichen Verblenderfassade markiert die Grenze zwischen alter und neuer Bausubstanz. Die Farbigkeit des Neubauteils orientiert sich an den Nachbargebäuden der 1950er-Jahre.

Künstlerisch bearbeitete, historische Fotografien des alten Schamottelagerbetriebes führen durch das von Sichtbeton und Buntglas geprägte Treppenhaus. Die Farbe setzt sich wie ein Leitsystem im ganzen Haus fort. Die zentral angeordnete Lounge im 1. Obergeschoss und die Terrasse sind Kommunikationsorte für Besucher und Mieter. Die Gastzimmer überzeugen durch Raumhöhe, großformatige Fenster und ansprechendes Design. Im 3. Obergeschoss ist eine Betriebswohnung entstanden mit fantastischem Blick über das Gleisnetz des Bahnhofs Barmbek bis zum Stadtpark mit Planetarium. Von hier aus managen Lisa und Konrad Herbolzheimer die Vermietung und sind rund um die Uhr für ihre Gäste da.

www.architektin-im-wasserturm.de

Fotos:

Bernhard Kroll
www.bernhardkroll.de
Tim Wendrich
www.timwendrich.com

(Erschienen in CUBE Hamburg 03|19)