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Zeitgemäß und nachhaltig

Ökologisch konzipiertes Bürogebäude in Wiesbaden bezieht sich auf benachbarte Villen

Am Kaiser-Friedrich-Ring in Wiesbaden lag zwischen Bahnhof und Landeshaus ein verwahrlostes,... mehr

Am Kaiser-Friedrich-Ring in Wiesbaden lag zwischen Bahnhof und Landeshaus ein verwahrlostes, rund 600 m² großes Restgrundstück. Bitsch + Bienstein Architekten entwickelten hier das Konzept für ein Bürogebäude, das auch neue Räumlichkeiten für das Wiesbadener Architekturbüro bieten sollte. Da das Grundstück Teil der denkmalgeschützten Villeninsel ist und sich in einer markanten Lage befindet, stellte die Stadt besondere Anforderungen an die architektonische Gestaltung und die städtebauliche Einbindung. Die Architekten mussten daher vor allem eine Antwort auf die Frage finden, wie ein zeitgemäßes Bürogebäude im Umfeld von Gründerzeitvillen aussehen kann. Zudem sollte es nachhaltig sein und ohne Wärmedämmverbundsystem auskommen.

Das realisierte Gebäude ist auf das Grundstück zugeschnitten: Der monolithische Baukörper mit regelmäßigen Lochfenstern übernimmt die Proportionen der benachbarten Villen, ihre Dachform, ihre Sockel und Erker – jedoch in zeitgemäßer Weise. „Durch die moderne Fortführung des Erkerthemas der benachbarten Villen wurde eine der Lage angemessene Eckbetonung erreicht. Damit konnten wir auch den unabhängigen Gestaltungsbeirat der Stadt Wiesbaden überzeugen“, erläutern die Architekten.

Die vier Büroetagen befinden sich über der offenen Tiefgarage. Die Außenwände sowie das Treppenhaus mit Aufzug sind tragend, ansonsten gibt es nur vier Sichtbetonstützen, sodass jede Etage nach den Wünschen der Mieter unterteilt werden kann – von Einzelbüros bis zur offenen Bürolandschaft. Die hohen Sichtbetondecken erzeugen in Kombination mit den zum Teil sichtbaren Leitungen einen Werkstattcharakter, die Loggien zum begrünten rückwärtigen Grundstück schaffen vom Verkehr auf dem Ring abgeschirmte Pausenbereiche.

Die Architekten wollten nicht nur ein Gebäude in nachhaltiger Bauweise errichten, sondern auch eine Alternative zur fragwürdigen Bauweise mit immer stärkeren Dämmlagen aus Styropor aufzeigen. Die Außenwände bestehen daher aus einem speziellen Hochlochziegel, der bei einer üblichen Wandstärke von 36 bis 42 cm nicht nur die heutigen Wärmedämmanforderungen, sondern auch die statischen und schallschutztechnischen Anforderungen an diesem Standort erfüllt. Zum Heizen und Kühlen wurde eine ressourcenschonende Bauteilaktivierung gewählt: Dabei werden die Betondecken mit warmem oder kühlem Wasser durchspült, sodass die Temperatur großflächig an die Raumluft übertragen wird. Das vermeidet Zugluft und schafft ein angenehmes Raumklima. Je nach Bedarf hält der lenkbare, außenliegende Sonnenschutz die Sonneneinstrahlung aus dem Gebäude heraus oder bringt diese – in kühleren Zeiten – blendfrei zur passiven Energienutzung ein. Zudem gleichen die unverkleideten Betondecken mit ihrer Speichermasse – ganz ohne Technik – hohe und niedrige Innenraumtemperaturspitzen aus.

www.bitsch-bienstein.de

Fotos:

Thomas Ott
www.o2t.de