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Mit und ohne Sicherung

Kletterhalle in denkmalgeschütztem Bau

Am 3. April 1850 fuhr der erste Zug in den Marburger Bahnhof ein. Auf dem Gelände des Bahnhofs... mehr
Am 3. April 1850 fuhr der erste Zug in den Marburger Bahnhof ein. Auf dem Gelände des Bahnhofs entstanden daher bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Verwaltungsgebäude der Bahn aber auch Lokschuppen, Betriebs- und Reparaturwerkstätten. Heute liegt hier das letzte industriehistorische Areal Marburgs. Schon seit den 1990er Jahren entstand in den roten Backsteinbauten im Industriearchitekturstil ein kulturelles Zentrum mit Kneipe, Theater, Radiosender und einigen sozialen Einrichtungen. Auf diesem Gelände befand sich auch die ehemalige Reithalle der Universität. 2012 fiel seitens der Stadt der Entschluss, dass dieser denkmalgeschützte Ziegellängsbau mit Satteldach zu einer Kletterhalle der Sektion Marburg/Lahn des Deutschen Alpenvereins DAV umgebaut werden sollte.

Von Anfang an waren Zieske-Architekten und dem Vorstand des DAV Marburg ökologische, ökonomische und soziale Aspekte bei Planung und Ausführung wichtig. Das Bauen im Bestand diente dabei nicht nur dem Denkmalschutz sondern auch der Nachhaltigkeit: Durch den Verzicht auf Abriss beispielsweise konnte Müll reduziert werden oder es wurden auch nicht genutzte, vorhandene Fenster verkleidet. Lebenszykluskosten wurden nach Angaben der Architekten durch wartungsfreie Materialien wie Titanzink-Außenfassade, wartungsarme Ziegelsichtfassade oder Tondachziegel reduziert und aus wirtschaftlichen Erwägungen wurde beispielsweise der Kletterturm aus vorgefertigten hochgedämmten Holzelementen eingebaut. Außerdem wurden während der Bauzeit auch Personen der Eingliederungshilfe Marburg e.V. (Verein zur Wiedereingliederung straffälliger und ehemaliger Gefangener in die Gesellschaft) beschäftigt. Der gesamte Umbau erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde. „Während der vorangegangenen Nutzungen als Werk- und KFZ- Hallen waren die Fassaden der ehemaligen Reithalle teilweise sehr unsensibel umgestaltet worden“, so die Architekten. Damit mussten sie einen Umgang finden. „So blieben die vorhandenen groben Änderungen der Mauerwerksfassade überwiegend in der vorgefundenen Struktur erhalten. Die bestehenden großen metallenen Torflügel wurden auf der Südseite geöffnet, auf der Nordseite entfernt und dienen mit neuen Metallfenstern der Belichtung. Zum Teil wurden sie auch geschlossen um dahinter die großflächigen Kletterwandelemente stellen zu können. Das gleiche gilt für die bestehenden Fensteröffnungen.“ Die typische Ziegelanmutung der Fassade blieb erhalten, das Mauerwerk wurde außen neu verfugt, stellenweise berappt oder geschlämmt und erhielt einen innenliegenden Wärmedämmputz, bzw. Trockenbau-Vorsatzschalen mit Zellulosedämmung.

Im Erdgeschoss liegen der Eingangsbereich mit einer Empfangstheke und Getränkebar, Zuschauersitzplätzen, einem Lager und dem Büro des Betriebsleiters, sowie die Umkleiden, Nassbereiche und ein Behinderten–WC. Die eigentliche Kletterhalle mit 800 m2 Kletterfläche und bis zu 14 m Höhe entstand in der Mitte des Gebäudes. Das Dach wurde dafür in dem entsprechenden Bereich in Abstimmung mit dem Denkmalamt geöffnet und ausgebaut. Über dem Eingangsbereich befindet sich die 300 m2 große Boulderwand, an der ohne Seilsicherung in Absprunghöhe auch über Kopf geklettert werden kann. Ein großer, offener Wandausschnitt stellt einen Bezug zur Kletterhalle her und dient bei Wettkämpfen als Zuschauergalerie.

www.zieske-architekten.de
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Fotos

Ralf Heidenreich
www.heidenreich.biz