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Kunst unter Sonnensegel

Der Fotograf Ulrich Mattner dokumentiert für CUBE die Frankfurter Hochhausarchitektur

Gäbe es einen Wettbewerb um den eindrucksvollsten Empfang, die Rechtsanwälte der internationalen... mehr
Gäbe es einen Wettbewerb um den eindrucksvollsten Empfang, die Rechtsanwälte der internationalen Großkanzlei Linklaters rangierten zweifellos auf Platz 1. Kaum einer vermutet im 8. Stock des 186 m hohen Trianon-Towers eine schrille Rauminstallation, die den gesamten Eingangsbereich umfasst. Erwartet man bei Rechtsanwälten doch eher dunkles Holz und dezente Farben an Wänden und Boden. Nicht so bei Linklaters. Wer aus dem Fahrstuhl tritt, fühlt sich geblendet: drei giftgrüne, orange und tiefblaue Hochglanz-Aluminiumwände überwältigen das Auge. Links hebt sich eine lange Reihe Reagenzgläser mit roten Gerbera-Blumen von der blauen Wand ab. Vor einer blitzblanken orangenen Metall-Paneele rechts lädt eine silberne Bank zum Verweilen ein. Silber ist auch das Metallnetz an der Decke. Der Boden ist aus Milchglas und wie ein Leuchtkasten illuminiert. Er trägt das Muster des gerippten Frankfurter Apfelweinglases.

Die älteren Partner der Sozietät reagierten zunächst ziemlich skeptisch, als sie die ersten Entwürfe des Künstlerehepaars Ina Marie und Marcin Oraviec zu Gesicht bekamen. Die beiden Raumgestalter stehen für die ausgefallenen Ideen des Aachener Architekturbüros OX2. Schließlich setzten sich die jüngeren Juristen durch. Mit Erfolg. Längst ist der ausgeflippte Empfang zum Markenzeichen der Frankfurter Lawfirm geworden. Sein Bild schmückte sogar schon den Titel eines Manager Magazins.

Der 1993 errichtete Trianon-Tower hat viel zu bieten. Schon von weitem erkennt man ihn am verspiegelten „Sonnensegel“ auf dem Dach. Die große Dachterasse darunter wird nur zu besonderen Anlässen wie etwa dem alle drei Jahre stattfinden Wolkenkratzerfestival geöffnet. Sie gehört zu den schönsten Aussichtsplätzen Frankfurts. Kein Wunder, dass eine Luxushotelkette alljährlich Kunden mit den meisten Übernachtungen in ihrem Frankfurter Haus mit einem exklusiven Dinner auf dem ansonsten gastronomisch nicht genutzten Dach belohnt. Der Blick über die Skyline im Abendlicht ist überwältigend. Das Menü stammt von den Köchen aus der Vorstandsetage der Deka-Bank drei Etagen tiefer. Das Wert­papierhaus der Sparkassen-Finanzgruppe ist Hauptmieter des Gebäudes. Zur Vorstandsebene gehört einer der größten Sitzungssäle in der Skyline. Jeder der 40 Plätze am riesigen runden Tisch verfügt über einen ausfahrbaren Monitor und zwei Mikrofone. Gelegentlich nutzen auch die Banker der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank den Saal.

Mitarbeiter und Besucher der Deka-Bank begegnen auf allen Stockwerken zahlreichen Exponaten aus ihrer mehr als 1.000 Malereien, Installationen und Skulpturen umfassenden Kunstsammlung. Dazu gehören Werke bekannter Künstler wie Katharina Grosse und Thomas Demand ebenso wie Arbeiten jüngerer Talente wie Taryn Simon, Ron Terada, Annette Kelm oder Tobias Zielony, die sich in den vergangenen Jahren zu renommierten Positionen entwickelt haben.

Geplant haben den Büroturm zwischen dem Frankfurter Westend und dem Bahnhofsviertel in der Mainzer Landstraße die Architektenbüros Novotny Mähner Assoziierte, Hentrich Petschnigg&Partner, und Albert Speer&Partner. Er ist das erste Gebäude in Deutschland, bei dem hochfester Beton zum Einsatz kam. Im Ranking der höchsten deutschen Wolkenkratzer rangiert der Turm mit seinen 47 Stockwerken auf Platz sechs. Seit anderthalb Jahren gehört er den Firmen Madison International und Art-Invest Real Estate.


Trianon Tower
Höhe: 186 m
Geschosszahl: 47, davon 44 vermietbar
Mietfläche: 66.000 m2
Fertigstellung: 1993
Bauzeit: 3 Jahre
Architekten: Novotny Mähner Assoziierte, Hentrich Petschnigg & Partner, und Albert Speer & Partner

Der Journalist und Fotograf Ulrich Mattner dokumentiert urbane Lebenswelten in Frankfurt am Main, die er in Bildvorträgen, Ausstellungen und in TV-Reportagen präsentiert.
Fotos Ulrich Mattner www.umattner.de mehr