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Smart Home – Teil 3

Bad und Küche als Energiezentren

Eine zeitgemäße Küche ist heute smart und vernetzt. Klingt zunächst nach einem plakativen Slogan... mehr

Eine zeitgemäße Küche ist heute smart und vernetzt. Klingt zunächst nach einem plakativen Slogan eines Küchenherstellers. Füllen wir die Aussage deshalb mit Inhalt und fragen uns, was es eigentlich heißt, smarte Produkte und vernetzte Systeme für die Nahrungszubereitung integriert zu wissen.

Während der Menschheit vor ungefähr 500.000 Jahren durch die Kontrollierbarkeit des Feuers der erste entscheidende Schritt zum Garen von Nahrung gelang, kam mit Einzug der Elektrizität um 1600 die nächste Revolution. Doch es sollte noch 350 Jahre dauern, bis technische Geräte, so wie wir sie kennen, Bestandteil des modernen Haushaltes wurden. Elektroherd und Kühlschrank hielten in den 1950er Jahren Einzug, die Spülmaschine folgte in den 1970er Jahren. War die Küche in den vergangenen Jahrzehnten vor allem ein funktionaler Raum, verschmilzt sie heute zunehmend mit dem Wohn- und Essbereich und rückt so ins soziale Zentrum. Wärme, Essen, Gemütlichkeit, Geselligkeit – es ist kein Wunder, dass Küchen innerhalb eines Hauses einen Sonderstatus besitzen. Dies stellte bereits vor Jahren der Trendforscher Matthias Horx fest. Die Küche wird jetzt und in Zukunft das Zentrum gesellschaftlichen Lebens sein - sie wird zum neuen Wohnzimmer. Aus diesem Aspekt heraus gewinnen smarte Produkte und ihre Vernetzung immens an Bedeutung. Für Architekten und Innenarchitekten bedeutet das aber auch, die sozialen und technischen Anforderungen in ihre Planungen zu integrieren. Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, standen bisher beide Berufsgruppen der Smart Home Thematik eher skeptisch gegenüber. Entziehen können sie sich ihrer jedoch nicht mehr, denn zukünftig kann das Wissen um intelligente Hausautomation den Planern den ausschlaggebenden Positionsvorsprung verschaffen.

Die Küche als Hightech - Status
Mit den technischen Entwicklungen hat sich das Image des Kochens stark verändert und mit Häuslichkeit nur noch wenig zu tun. Es ist eher ein Zeichen für den bewussten Umgang mit sich selbst und bereitet bei Gelingen großes Vergnügen. Vermögen es doch intelligente Geräte aus einem weniger talentierten Kochbegeisterten einen kleinen Starkoch zu zaubern. Wie etwa Backöfen, die ihre Temperatur selbst regulieren, bis zu vier Gerichte gleichzeitig zubereiten und sich nach Fertigstellung automatisch abschalten können. Kochtöpfe, die ein Überlaufen und Anbrennen verhindern und zudem von der Couch per Smartphone oder Tablet steuerbar sind oder im Induktionsfeld versenkbare Dunstabzugshauben, die während des Kochvorgangs schlechte Gerüche im Raum verhindern und dank integrierten LED’s für angenehme Beleuchtung sorgen.

Die Küche ist heute Spielplatz individueller Koch-, Ess- und Zubereitungsgewohnheiten. Standardküchen werden durch Individualküchen mit raffinierten technischen Features mehr und mehr verdrängt. „Für den Verbraucher ist es schwer, einen Überblick über alle Möglichkeiten zu bekommen, vor allem über Funktionen und Programme, welche er noch nicht kennt“, sagt Werner Scholz, Geschäftsführer des Fachverbandes Elektro-Haushalt-Großgeräte im Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektroindustrie (ZVEI). Man sollte deshalb im Vorfeld seine Nutzungsgewohnheiten unter die Lupe nehmen. Welche Beheizungsarten nutze ich, grille ich gern, backe ich auf mehreren Ebenen, wie viele Personen werden bekocht, wie viel Platz steht zur Verfügung. Will heißen, auch hier geben wir sehr diskrete Einblicke in unser Privatleben preis. Doch ohne sie, gibt es keine Individualität, sprich Einzigartigkeit, was als Trend in fast allen Bereichen zu erkennen ist.

Ein weiteres Indiz für eine moderne Küche sind Energie- und Zeiteffizienz. Induktionsflächen erwärmen nur noch den Topf und arbeiten so schneller und sparsamer als konventionelle Kochstellen. Ein Kühlschrank, der die Gewohnheiten seiner Nutzer speichert, kann ebenfalls sehr energiesparend sein. Wird beispielsweise die Tür desselben in den Abendstunden häufig geöffnet, reguliert sich die Temperatur vor diesem Zeitraum entsprechend herunter. So erwärmt sich das Kühlgut nicht und die Lebensmittel bleiben länger frisch. Gänzlich sparen könnte man sich den Öffnungsvorgang mit einer eigens dafür entwickelten App. Sie erlaubt den „Blick“ in den geschlossenen Kühlschrank und seinen darin befindlichen Waren. Sie zeigt an, wie man daraus ein Abendessen bereiten kann oder welche Einkäufe noch zu tätigen sind.

Effiziente Arbeitserleichterung
Ist das Kochen beendet, beginnt das meist unliebsame und zeitaufwendige Putzen. Selbstreinigung heißt hier das Zauberwort. Beim Backofen ist dies mittels Katalyse noch während des Garens möglich. Eine Beschichtung der Wände mit Metalloxiden saugt Fettpartikel an, Lebensmittereste oxidieren und zerfallen. Automatische Einweichprogramme verkürzen den Reinigungsvorgang überdies enorm.

Die meisten Haushaltshelfer sind funktional gesehen, smart in ihrer Anwendung. Doch führende Hersteller denken bereits einen Schritt weiter. Intelligente Geräte sollen untereinander kommunikationsfähig sein – sich vernetzen. So steuert das Kochfeld die Dunstabzugshaube, angepasst an die Dampfentwicklung und am Display des Backofens lässt sich ablesen, wann die Waschmaschine fertig ist. Den Überblick behält man zudem natürlich über eine Smartphone-App von jedem beliebigen Ort des Hauses.

Die Zeit im Bad wird zum Erlebnis
Auch im Bad schreitet die Digitalisierung voran und wird zunehmend multimedial. Komfortable, technische Features tragen zum Wohlfühlen bei, wissen deutsche Sanitärhersteller der Initiative Blue Responsibility. Das Produktdesign wird sich künftig verstärkt damit beschäftigen, Formen zu finden, die mit den Programmierkonsolen und digitalen Bedieneinheiten harmonieren. Ob Stauinfos, Termine, E-Mails bis hin zur Höhe des Blutdrucks – man will alles auf einen Blick, so glauben zumindest die Experten. Viele Badnutzer träumen von einem Bad, das sie morgens mit einem angenehm warmen Ambiente empfängt und sanft auf den Tag vorbereitet. Beispielsweise mit nicht zu greller Beleuchtung, vorgeheiztem Fußboden oder mit Lieblingsmusik und Nachrichten aus dem Radio bzw. Bildschirm. Eine App projiziert das Gewünschte direkt auf den Badezimmerspiegel. Integrierte LED-Technik wie weißes Licht zum Schminken und Farbakzente, die für eine gemütliche Atmosphäre sorgen, machen ihn zum begehrten Badteilnehmer. Armaturen, die den Nutzerwink erkennen, berührungslos Wasser in gewünschter Temperatur ins Becken sprudeln lassen und in der Lage sind, bei längerer Zeit der Nichtnutzung, in bestimmten Tagesintervallen den Wasserlauf selbsttätig zu aktiveren, werden zukünftig zum Standard gehören. Laut Herstellerangaben würde sich so die Lebensdauer auf zehn Jahre erhöhen. Am Abend wartet das Bad mit stimmungsvollem Licht und vorprogrammierter Duschsequenz auf den Nachhausekommenden oder auch mit einer bereits gefüllten Badewanne, welche zuvor durch Bedienung auf dem mobilen Endgerät geordert wurde. Angewärmte Handtücher und Toilettenbrillen, sensorgesteuerte Sicherheitsbeleuchtungen, Dusch-WC’s und farbtherapierende Duschen sind weitere Komfort-Pakete, die das Bad als solches in eine Wellness-Oase verwandeln. Es wird zu einer Einheit, die auf die individuellen Bedürfnisse des Nutzers programmiert ist. Dabei helfen sowohl digitale Technologien als auch intelligentes Produktdesign, das sich dank minimalisierter Bauteile bei Bedarf extrem schlank machen und dadurch insbesondere für kleinere Bäder von Interesse sein kann.

Blick in die Zukunft
Berührungslose Techniken sind einer der Schwerpunkte in den kommenden Jahren. Das Heinrich Hertz Institut arbeitet bereits im Küchenbereich an dieser Thematik. Ihre touchfreie Menüführung läuft ausschließlich über einen Bildmonitor. Über ihm befindet sich ein Sensor, der mittels Infrarotstrahlen die menschliche Hand erkennen soll. Damit lassen sich alle Geräte bedienen, die für den Kochvorgang benötigt werden. Der nächste Schritt wäre die Manövrierung ohne Bildschirm. Entsprechende Sensoren befinden sich direkt an den Geräten, erkennen die Handbewegungen und aktivieren sich selbst.
Auf Grund der zunehmend älteren Bevölkerung rücken medizinische Anwendungen weiter in den Vordergrund. Nicht nur Vitalwerte könnten zukünftig ärztlich überwacht werden, auch unser Zahnputzverhalten dürfte demnächst unter ärztlicher Aufsicht stehen. Über eine Hightech-Zahnbürste wird der Nutzer nicht nur ermahnt, wenn er „unsaubere Arbeit“ leistet, die Nachlässigkeit wird zugleich zum Zahnarzt weitergeleitet. Ob dieses Produkt seinen Absatz findet, bleibt abzuwarten. Womöglich sind an der Datenübertragung entsprechende Firmen angedockt, die sogleich das passende Produkt bzw. dazugehörigen Service anbieten könnten.

Balance zwischen Wollen und Überflüssigem
Zwischen homogenen Erscheinungsbildern verbergen sich oft raffinierte Techniklösungen, die sowohl in Küche als auch im Bad das Gewollte nicht nur erleichtern, sondern auch mit Spaß erfüllen. Diese Räumlichkeiten vermögen es, wichtige Energiezentren für Körper und Seele zu sein. Aus Regeneration und Geselligkeit schöpfen wir neue Kraft, um die Alltagsanforderungen zu meistern.
Richtig eingesetzt unterstützen Hightech-Lösungen die eigenständige Nutzung aller Generationen. Der Wert der Technik misst sich eben genau an ihrem Beitrag für unsere Lebensqualität. Die Kunst des Hauses liegt deshalb nicht in der Vielfalt oder Quantität der Automation, sondern in der Balance von Wollen und Überflüssigem. „Wir sind auf der Suche nach eleganter, instinktiv bedienbarer Technik, die gut aussieht und sich spontan dem Nutzer erschließt – Wir wollen ein Haus wie ein iPod – Klick und es geht!“ so Horx, der damit Vielen aus der Seele spricht.

Selbst das mögliche Verloren gehen lieb gewordener Rituale scheint kein Hemmschuh zu sein. Für die jüngere Generation stellt sich die Frage nicht. Es ist eine zwangsläufige Entwicklung von Intelligenz, die immer schneller in Gebäude und Privatbereiche einziehen wird – ob man will oder nicht. Gott sei Dank haben wir immer noch die Wahl!

Text Kelly Kelch mehr

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Kelly Kelch