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Robuster Monolith mit Potenzial

Der Tagungsbereich des Lindner Congress Hotels am Seestern wird zur Kreativzone

Jedem Rheinspaziergänger springt der raue Solitär hinter dem Löricker Deich sofort ins Auge.... mehr

Jedem Rheinspaziergänger springt der raue Solitär hinter dem Löricker Deich sofort ins Auge. Neben dem einstigen Horten-Verwaltungssitz und dem Rank-Xerox-Sternhaus zählt das mit seinen Aufzugstürmen und Loggien plastisch ausgeformte Lindner Congress Hotel gewiss zu den markantesten Bauwerken des Bürostandortes Seestern. Das in den letzten Jahren wieder erstarkende Interesse an einer Epoche, die als Brutalismus in die Architekturgeschichtsbücher eingegangen ist, lässt auch das 1973 als „Rheinsternhaus“ eröffnete Hochhaus in einem neuen Licht erscheinen. Aber nicht nur allein wegen seiner rauen Beton-Fertigteil-Fassade ist die 60 m hohe Hochhausscheibe mit dem darum geführten dreigeschossigen Flachbau ein Highlight. Auch die gemischte Mixed-Use-Nutzung – anfänglich sechs Büro-, zehn Hotel- und den beiden oberen Penthouse-Etagen, die alle über ein gemeinsames Foyer erschlossen werden – stellte in der westdeutschen Hochhaus-Landschaft ein Novum dar.

Zugleich war das Rheinsternhaus aber auch der Beginn einer unternehmerischen Erfolgsgeschichte: Der Bauherr, der heute fast 90-jährige Architekt Otto Lindner, etablierte in dem Hochhaus den allerersten Standort der Lindner Hotels – auch wenn das Geschäft mehr aus der Not heraus geboren war: Eine Hotelkette aus den USA hatte den „Letter of Intent“ unter Zahlung einer Vertragsstrafe völlig unerwartet gekündigt. Wenn Otto Lindner heute von diesen Aufbaujahren erzählt, dann spürt man noch den Pioniergeist, der damals herrschte: „Zwei Baubuden standen auf der Baustelle – in der einen haben wir die Baubesprechungen gemacht, in der anderen habe ich die Personalgespräche für das Hotel geführt.“ Als die Mannschaft des neuen Start-ups stand, hielt Lindner weiter ein Auge auf den Hotelbetrieb – sein Steckenpferd blieb aber die Architektur. Das Rheinsternhaus, von Jugendfreund Jochen Hellenkamp (1927–78) entworfen, von der Aufbaugesellschaft Hellenkamp-Lindner beauftragt, ist weiterhin im Besitz der Familie Lindner. Auch die 30 Mitarbeiter von Lindner Architekten haben im Stammhaus am Seestern ihren Standort. Fast naturgemäß ist darin der Hotel- und Kongressbetrieb im Laufe der Jahre immer stärker in den Vordergrund getreten. In den 1980er-Jahren plante Otto Lindner die Sanierung und den Umbau des Erdgeschosses: Edle Marmorböden, Messingbeschläge, gläserne Atrien und eine querende Mall zogen in die Lobby ein und stimmten den Kanon der Postmoderne an. Mehr und mehr wurden auch die Büroflächen im Hochhaus in stylische Hotelzimmer und -suiten umgenutzt. 2018 hat auch der Konferenzbereich auf dem ersten Obergeschoss ein umfassendes Update erfahren: Auf 1.600 m² Gesamtfläche ist ein Kreativzentrum entstanden – eine Konstellation von unterschiedlich großen, flexibel schaltbaren Tagungsräumen mit High-Tech-Ausstattung, die eine Vielfalt von innovativen Raumsituationen schaffen. So interpretieren die drei Board Rooms etwa die Themen Werkstatt, Ideenlaube oder – eher klassisch – das Wohnzimmer. Das Konzept von Lindner Architekten, das mit Geplan Design umgesetzt wurde, ist aber noch umfassender: Auf der ganzen Etage holt es die raue Primärstruktur der Architektur wieder hervor, füllt sie punktuell mit intensiven Farb- und Materialakzenten und kreiert so eine Art brutalistischen Industrial Style – eine passendere Hommage an das robuste Rheinsternhaus dürfte es kaum geben.

Lindner Congress Hotel 2020 – Die Spektakuläre Dachkrone

Etwas sagenumwoben waren im Rhein­sternhaus stets die oberen Etagen 18 und 19. Über viele Jahre residierte hier der Modeunternehmer Dolf Seewald – mit Swimming Pool und einem immer höher über den First hinaus wachsenden grünen Dachwald. Auf der nördlichen Gegenseite unterhielt Hausherr und Architekt Otto Lindner lange sein Büro – für den ambitionierten Piloten wegen der unverstellten Fernsicht auf den Flughafen und dem Einzugsradius des Flugfunkverkehrs ein gefundener Ort. Bis 2020 soll auch diese einzigartige Panorama-Doppeletage eine neue Nutzung bekommen: Mehrere exklusive Apartments mit Loggia, eine Skybar mit Außenbereich sowie ein Board Room mit atemberaubendem Ausblick sollen entstehen.

Dafür wird nach Entwürfen von Mirwaiss Mussa, einem der drei Partner im Büro Lindner Architekten, dem Rheinsternhaus eine Krone aufgesetzt. Die gekrümmte Ausformung der Stahlträger und die Elementierung der Metallhaut des Gebäudeabschlusses stehen für die technische Herausforderung und die Besonderheit des Umbaus. Großzügige Öffnungen werden dafür sorgen, dass sich herausragende Ausblicke zu den Seiten ergeben. Die Bauarbeiten sollen bei laufendem Betrieb noch dieses Jahr beginnen. Um den Workflow zu optimieren und zu beschleunigen, setzen die Architekten auf die Anwendung eines interaktiven BIM-Systems – ein Tool, das Planung und Ausführung miteinander effizient verknüpft. Schon 2020 soll sich allen Übernachtungsgästen des Lindner Congress Hotels ein einzigartiges Aussichtsdeck über den Dächern der Rheinmetropole bieten.

www.lindner-architekten.de


Fotos:

Nicole Zimmermann
www.nicolezimmermann.de

Daniel Schwecke
Lindner Architekten
Standortinitiative Seestern Düsseldorf e.V.

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