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Liebe auf den ersten Blick

Der Designer Olaf Kitzig über seine Villa „The Flat“ und die Herausforderungen des Umbaus

CUBE: Herr Kitzig, wir haben das Vergnügen heute in Ihrer neuen Villa „The Flat“ miteinander zu... mehr
CUBE: Herr Kitzig, wir haben das Vergnügen heute in Ihrer neuen Villa „The Flat“ miteinander zu sprechen, die Sie in den letzten Jahren zu Ihrem Wohn- und auch Bürositz denkmalgerecht renoviert und umgebaut haben. Können Sie etwas zur Geschichte des Hauses erzählen, das hier in sehr exponierter Rheinlage liegt?

Olaf Kitzig: Das Haus ist 1926 von dem bekannten Düsseldorfer Kirchenbauarchitekten Peter Josef Kleesattel erbaut worden, der kurz vor der Fertigstellung verstorben ist. Es war wohl ein Hochzeitsgeschenk für die Tochter der Bankiersfamilie Leiffmann und den Schwiegersohn Herrn Professor Dr. Janssen, Gründer der späteren Golzheimer Klinik (heute Paracelsus-Klinik). Das Paar ist hier eingezogen – im hinteren Bereich, wo jetzt Büros sind, gibt es aber auch ein großes Atelierfenster, das nachträglich eingebaut wurde. Denn sowohl der Vater von Janssen als auch sein Sohn waren Künstler. Nach dem Krieg wurde das Haus dann jahrzehntelang als Residenz des britischen Generalkonsuls genutzt.

Der Backsteinbau mit klassischen Sprossenfenstern ist sicher in seiner Zeit keine Avantgarde gewesen, eher ein Beispiel für eine konservative Moderne. Was hat Sie persönlich an dem Objekt so gereizt?

Es hat eine schöne, klare Architektursprache  – alle Verkehrswege sind perfekt organisiert und die Räume atmen viel Tageslicht. Wir haben hier allein 78 Fenster – wobei 80 Prozent davon so ausgerichtet sind, dass man auf den Rhein hinausschaut. Die Zimmer sind dabei so angelegt, dass sie kaum zu den Nachbargrundstücken rechts oder links schauen. Ich bin beim Vorbeifahren von der Messe in die Stadt auf das Objekt aufmerksam geworden. Als ich dann zusammen mit dem Makler in das Haus gegangen bin, war es – Gott sei dank, oder auch leider – Liebe auf den ersten Blick. Dabei war die Villa von innen noch eine Ruine – leider hatte einer der Vorbesitzer fast alles herausreißen lassen, obwohl Denkmalschutz bestand. Dennoch war ich so verliebt, dass ich tatsächlich alles getan habe, um das Haus zu bekommen – und wie man sieht, hat es dann ja auch geklappt, wenn auch mit viel Anstrengung. (lacht)

Jeder Raum scheint tatsächlich sehr perfekt und mit viel Liebe zum Detail wiederhergerichtet und ergänzt. Wie leicht war es angesichts von Denkmalschutz und der Organisation des Hauses Wohnen, Arbeiten und sogar auch noch einen Showroom unter ein Dach zu bekommen?

Ich muss sagen, ich wollte eigentlich niemals in oder auch nur neben meinem Büro wohnen. Ich war immer froh, wenn ich abends meine Privathaustür und morgens das Büro aufgeschlossen habe. Deshalb wollte ich die Erschließung unbedingt so entwickeln, dass man im Büro von der Wohnung nichts bemerkt – und umgekehrt. Mit der Nutzung und Weiterentwicklung von Haupteingang, früherem Bediensteteneingang und einer treppenweisen Separierung ist uns das nach intensiverem Planungsprozess auch ganz gut gelungen.

Olaf Kitzig

Geb. 1971 in Münster und aufgewachsen in Lippstadt. Nach abgeschlossenen Ausbildungen zum Maler und Lackierer sowie zum Schauwerbegestalter bei einem Restaurator war Olaf Kitzig als Trainee in internationalen Designunternehmen in Großbritannien und auf Malta tätig. 1995 folgte ein Abschluss als staatl. geprüfter Einrichtungsfachberater an der Fachschule des Möbelhandels Köln. Weitere berufliche Stationen: 1996 Trainee und Teaching Interior Design in Großbritannien, 1998 Freelancer Interior Design Atlanta, USA, 1998 Gründung Kitzig Interior Design in Lippstadt, 2001 Standorterweiterung des Unternehmens nach Bochum sowie 2009 nach München, 2017 Gründung der Kitzig Design Studios GmbH & Co. KG sowie der Kitzig Identities GmbH und Kitzig Details GmbH, 2018 weitere Standorterweiterung nach Düsseldorf sowie 2021-23 Erwerb, Sanierung und Umbau der ehemaligen Villa Janssen in Düsseldorf-Golzheim.


Mehr zur Villa und zur Arbeit von Olaf Kitzig hören Sie in unserem Podcast-Gespräch, das Paul Andreas mit dem Interior Designer in seiner neuen Düsseldorfer Dépendance geführt hat.

(Erschienen in CUBE Düsseldorf 02|23)