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Gute Ideen entstehen nicht am Schreibtisch!

Ein Gespräch mit Peter Vinnemeier, Managing Director von trivago, über die Architektur des neuen Unternehmens-Campus im Medienhafen und innovative Arbeitswelten

CUBE: Herr Vinnemeier, trivago hat 2005 in Flingern als kleines Start-up losgelegt – aktuell... mehr

CUBE: Herr Vinnemeier, trivago hat 2005 in Flingern als kleines Start-up losgelegt – aktuell sind ihre 1.300 Mitarbeiter noch in drei Bürogebäuden am Derendorfer Benningsenplatz untergebracht, nun ziehen Sie in den Medienhafen. Warum halten Sie Düsseldorf so die Treue?
Peter Vinnemeier: Wir fühlen uns einfach pudelwohl hier! Ein Großteil unserer Mitarbeiter kommt aus dem Ausland und schätzt Düsseldorf seiner Lebensqualität und des zunehmend guten Wohnwertes wegen. Aber auch die Internationalität ist dabei ein wichtiger Faktor: Fast jeder in der Region spricht Englisch, sodass man auch im Alltag wirklich gut ohne große Deutschkenntnisse zurecht kommt. Als Zentrum eines Metropolraumes von gut 12 Millionen Einwohnern und zahlreicher Hochschulen kommen wir aber auch gut an neue, junge Talente heran – das ist besser als in Berlin.

Warum haben Sie sich für den Medienhafen als neuen Standort entschieden?
Der Medienhafen ist vor allem ein entscheidendes Argument, um hochkarätige Mitarbeiter zu überzeugen. Sein eigenes Büro am Wasser zu haben – das ist einfach sehr bestechend. Außerdem hat das Areal eine exponierte Lage mit ausreichend Freiräumen um uns herum. Wir haben uns auch andere Standorte und andere Konzepte angeschaut, unser Fokus war dann aber doch ziemlich schnell hier.

Sie wollen ja hier auch noch einmal deutlich zulegen – nach dem zweiten Bauabschnitt, der ein 13-geschossiges Hochhaus vorsieht, sollen über 2.000 Mitarbeiter auf dem Campus arbeiten. War der Medienhafen auch interessant, weil er immer noch Expansionsmöglichkeiten bietet?
Gemessen an unserem Wachstum im ersten Quartal 2017, sehen wir den Umzug nur als Beginn unserer Geschichte im Düsseldorfer Medienhafen. Es ist gut zu wissen, dass vor Ort noch ein zweites Bürogebäude entstehen wird. Der Medienhafen wird sich insgesamt weiter entwickeln. Das war nicht das Hauptkriterium für unsere Entscheidung, aber doch eine wichtige Beigabe – auch darauf haben wir geschaut.

Die österreichische Immofinanz ist Bauherr, Sie sind Mieter – wie eng war da die Zusammenarbeit mit den Architekten?
Wir haben sehr früh Einfluss genommen auf den Gebäudeentwurf von sop Architekten. Wir hatten schon vorab eine Reihe von Themen, die wir gerne in der Architektur umgesetzt sehen wollten: Eher organische Formen als streng geometrische, Brüstungen statt bodentiefe Fenster oder eben auch bestimmte Büroflächentiefen. Insofern ist in dem Campus-Neubau unsere Unternehmenskultur tatsächlich in Baupläne übersetzt – das so mitzugestalten war schon ein spannendes Erlebnis!

Inwieweit hat die kalifornische Campus-Idee,wie man sie von Google, Facebook & Co kennt, eine Rolle gespielt?
Ich kenne aus eigener Anschauung vor allem den Facebook-Campus – und das hat natürlich schon eine Rolle gespielt. Nur: In Kalifornien ist man einfach ganzjährig durch besseres Wetter gesegnet, sodass dort die ganze Gastronomie draußen stattfinden kann und man dort auch viel mehr Möglichkeiten durch weiträumige Außenflächen hat. In einer innerstädtischen Lage wie der unseren kann man so etwas natürlich nur sehr begrenzt umsetzen.

Trotzdem betonen Sie in der Architektur ja sehr stark den Innen-und Außenbezug.
Die Verknüpfung von Innen- und Außenwirkung war uns wirklich extrem wichtig! Schon heute sehen wir, wie viele Mitarbeiter sich in unserer aktuellen Unternehmenszentrale draußen aufhalten. Von daher war klar: Wir wollen Balkons, einen großen, grünen Innenhof, Outdoor-Dachnutzungen. Im Grunde sind wir autark und groß genug, um die Umgebung nicht zu brauchen. Wenn die öffentliche Fläche zum Wasser sich aber in Kooperation mit der Stadt zum Wasser schöner gestalten lässt, dann kommt das allen entgegen, auch den Anrainern und Besuchern.

Würden Sie sich da noch mehr Engagement seitens der Stadt wünschen?
Das ist eine städtische Fläche, die so gestaltet werden muss, dass sie das Wasser wirklich hervorhebt, statt es zu verstecken hinter wildem Strauchwerk. Was die verkehrstechnische Anbindung angeht, können wir dagegen, denke ich, ganz gelassen sein: Ein Großteil unserer Mitarbeiter kommt nicht mit dem Auto, sondern eher mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

trivago ist für seine innovative Unternehmeskultur bekannt – Sie verzichten bewusst auf Jobtitel, bieten flexible Arbeits- und Urlaubszeiten und tun viel für die Optimierung von Teamarbeit und Arbeitsmotivation. Welche Rolle spielen dabei Interieur und neue Arbeitswelten?
Wir setzen als Unternehmen auf starken Teamzusammenhalt und Teamkommunikation. Der Kern einer Unit besteht daher oft aus einer Sechserbox mit Tischen, wo Teams, die kontextuell zusammen arbeiten, auch zusammen sitzen und komplex zusammen arbeiten. Zugleich gibt es aber auch Rückzugsorte, um sich fokussieren und in kleinen Gruppen besprechen zu können. Das ist der Kontrast, der unsere Unternehmenskultur bestimmt!

Schon heute haben Sie eine Vielzahl von Themenräumen, die sehr spezifisch möbliert und atmosphärisch gestimmt sind – man fühlt sich mehr an ein Hotel mit vielen individuellen Zimmern oder viele unterschiedliche Filmsets erinnert. Warum diese starke stimmungsräumliche Ausdifferenzierung?
Wir setzen auf Vielfältigkeit bei unserer Corporate Identity – und das sind einfach subtilere Dinge als nur rote Türen und rote Stühle! Die große Variation der Konferenzräume folgt dem Plan, Kreativität entstehen zu lassen. Während man woanders in schwarz-weißen Konferenzräumen tagt, sitzt man bei uns vor einem Riesenpanorama von Nizza – da fühlt man sich gleich einmal wie am Strand. Jeder weiß, die guten Ideen entstehen nicht am Schreibtisch, sondern unter der Dusche, beim Zähneputzen oder Spazierengehen.

Wie werden Sie diese Raumvielfalt am neuen Standort weiterentwickeln?
Tendenziell wird es so aussehen wie in unseren bisherigen Büros. Vor allem bei den Konferenzräumen werden wir aber noch einen Schritt weitergehen: Man wird dort in Zukunft noch mehr in andere Welten geschoben werden. Aber es wird alternativ dazu auch Creative Spaces geben, die möglicherweise sogar ganz weiß sind, um größtmögliche Kontraste zu bilden. Übrigens bringen die Mitarbeiter ihre Ideen und Vorstellungen dazu auch ein – die Identifikation mit den Räumen ist uns wirklich ganz wichtig.

Sie werden also nicht bei Null beginnen?
Seit unserer Gründung entwickeln wir uns evolutionär weiter. Vieles von unseren Co-Working-Spaces und Konferenzräumen können wir auf den Campus mitnehmen. Im Gegensatz zu vielen Großunternehmen pflegen wir bewusst keine Wegwerfkultur – wir ziehen nur um und weiter!

Herr Vinnemeier, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Interview führte Paul Andreas.

Peter Vinnemeier Diplom der Betriebswirtschaftslehre an der Leipziger Graduate School of... mehr

Peter Vinnemeier

Diplom der Betriebswirtschaftslehre an der Leipziger Graduate School of Management (HHL). 1999 Auslandssemester an der University of Illinois, Chicago. Im Jahr 2000 steigt er beim Verbraucherportal ciao.com ein, dem er als Vice-President of Technology vorsteht. 2005 gründet er zusammen mit Rolf Schrömgens und Malte Siewert das Tech-Unternehmen trivago, das sich auf die weltweite Hotelmetasuche spezialisiert hat und seit Ende 2016 an der amerikanischen NASDAQ börsennotiert ist. Seit Gründung von trivago verantwortet Vinnemeier als Managing Director den Bereich Technologie. Er ist außerdem Mitgründer der Monkfish Equity GmbH.