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Das Treppen-Haus

Haus Steinert von Hans Poelzig in Krefeld war ein wichtiger Treffpunkt der verstoßenen Moderne

Der Architekt Hans Poelzig (1869–1936) ist modernen Architekturliebhabern vor allem durch seine... mehr

Der Architekt Hans Poelzig (1869–1936) ist modernen Architekturliebhabern vor allem durch seine expressionistischen Großbauten wie dem erhaltenen Berliner Haus des Rundfunks oder dem I. G.-Farben-Haus in Frankfurt ein Begriff. Privathäuser hat der Baumeister, der zu den bedeutendsten Architekten der Weimarer Republik zählte, dagegen oft nur modellhaft im Rahmen von Bauausstellungen realisiert. Allein das Haus Steinert in der Kliedbruchstraße in Krefeld macht da eine Ausnahme: 1929 oder 1931 bat Fritz Steinert, Eigentümer der Krefelder Textilfirma Storck Gebr. & Co., den Architekten um einen Entwurf für das Haus – beide hatten sich durch ihr Engagement im Deutschen Werkbund bereits Mitte der 1920er-Jahre kennengelernt.

Der zurückgesetzte Backsteinbau wird dabei von einem übergroßen Dach dominiert, das sich an der einen Seite fast bis zum Boden hinunter krümmt. Darunter befindet sich ein großes Wohnzimmer mit Kamin sowie das bemerkenswerte Treppenhaus. Über drei Etagen schlängelt sich die dunkle Eichentreppe, wechselt die Richtung, verschwindet in der Wand und taucht unter den sichtbaren, gebogenen Dachbindern in Form einer offenen Galerie wieder auf. Die ungewöhnliche Form verleiht der Treppe etwas Bühnenartiges und erinnert an Poelzigs Treppenbauten, wie sie für den expressionistischen Film Der Golem entstanden oder auch das Berliner Kino Capitol. Bezeichnenderweise fanden die Hauskonzerte der Familie Steinert stets hier – und nicht im Wohnzimmer – statt. Während der NS-Zeit wurde das Haus Steinert, das auch eine erlesene Sammlung moderner Kunst beherbergte, zum Treffpunkt von Künstlern und Oppositionellen, die reihum bei Kerzenschein diskutierten. Fritz und Ilse Steinert verhalfen ihren „Kerzianern“, die oft als „entartet“ verfemt waren und von der Kunstakademie suspendiert wurden, zu kleineren Aufträgen. So stammt etwa die große Terrakotta-Seidenblume neben dem Eingang – zugleich das Signet der Firma Storck – von Ewald Mataré. Der 10.000 m² große Garten wurde 1951 von dem bekannten Gartenarchitekten Hermann Mattern umgestaltet, der mit Poelzig oft zusammengearbeitet hatte. 1961 wurde das Haus verkauft und durch eine zweite Garage und einen Anbau an der Südseite erweitert, wobei die Gestalt sich an dem früheren Poelzig-Bau des Musterhauses auf der Ausstellung für Handwerk und Kunstgewerbe 1904 in Breslau orientierte. Nach einem erneuten Verkauf 1997 wäre Haus Steinert beinahe abgerissen worden. Proteste von Nachbarn führten aber dazu, dass es im Eilverfahren unter Denkmalschutz gestellt wurde. Allein der Garten wurde durch die Teilung des Grundstücks unwiederbringlich zerstört.

Fotos:

Florian Monheim
www.bildarchiv-monheim.de

(Erschienen in CUBE Düsseldorf 04|19)